Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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GEMEINDKBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE, LEIPZIG Seite 5 Auffassung unserer Bibel, gegen eine solche Konstruktion e sprechen sollen: warum soll denn ausschließlich die Kraft des i innen, nicht auch die des mütterlichen Mutes unwiderstehlich orbrechen! Es mag dem Verfasser geglaubt werden, dall ihm idenz", d. h. bewußte Absicht ferngelegen hat. Aber wenn man h.irakteristik der Israeliten beachtet, die aufs Haar der völkischsemitischen Zeichnung des jüdischen „Rassencharakters" gleicht - literische Volksschädlinge, die stolz sind auf Lug und Trug und 'irr, den sie mit geschickten Fingern üben, arbeitsscheue Elemente, nie eine produktive Tätigkeit ausüben, die alles besitzen wollen da sie schlau und schamlos sind, mit leichter Mühcizu Reichtum;igen, die immer fremd waren und niemals in dem Lande, in dem röhnten, eine wahre Heimat suchten — diese Zeichnung, dcr»clhst älteste Judenhaß Stoff liefern musste (die Israeliten in Aegypten i Aussätzige gewesn), der muß zum wenigsten überzeugt sein, der Verfasser unbewußt ein Opfer judenfeindheher Voreingenotnnit geworden ist, die den Jude nur mit dem Auge Vier Judenfeinde Die unangenehmen Empfindungen werden auch dadurch nicht 'Schaltet, daß die QestaH des Mose als eine reine, kraftvolle, edelstem Wollen und erhabenster OröBe gezeichnet ist. Oerade liBt es vielmehr aufs tiefste bedauern, daß dichterisches Können enig vermocht hat, den Blick zu entschleiern, um Wahrheit und Artigkeit von vorurteilsvoller Entstellung scheiden zu können. G. C. c Feist: Rahel Varnhagen, Zwischen Romantik und jungem Deutachland. Elberfeld 1927 (Hofbauer'sche Buchhandlung). ii Rahel Varnhagen kündet kein eigenes Werk, keine Erfindung, Entdeckung, keine epochemachende wissenschaftliche Leistung, t umwälzende soziale Reform. Und doch war sie während ihrer nszeif Mittelpunkt eines geistig bedeutenden Kreises: und doch i sich um sie Literatur selten großen Umfangs. Die romanti- I poche, die Zeit des „jungen Deutschlands'' zu Beginn des 18. Schöne Geschenke in hochwertigem modernen Kristall von Fahle im Laubenjanj des allen Rathauses Jahrhunderts und alle nachfolgenden Generationen haben sie als den Typ ihrer Zeit für sich in Anspruch nehmen wollen, die verschiedensten Lehensanschauungen haben in ihr die Vertreterin der eigenen Ideale sehen wollen. Was war ihre Größe? Ihr war von Natur verliehen, wonach unsere (iegenwart mit so volltönenden Phrasen strebt, eine „Persönlichkeit" in des Wortes wahrster Bedeutung zu sein. Sie war ein großangelegter, Hefinnerlicher, vor allem selbständig denkender Mensch und daher so „zeitlos". Lore Feist hat rnit reicher Literaturkenntnis und starker Einfühlung in die interessante Persönlichkeit R. Varnhagens eine Abhandlung „Rahel Varnhagen" geschrieben. Diese mutet an, wie die Charakteristik einer Frau der liegenwart. R. Varnhagens Oedanken über Religion, über Ehe und Mutterschaft, über Friedensideen, Über die Stellung der Frau tragen allerm Odern st es Gepräge. Nur in einem war sie ein Kind ihrer Zeit, der Emanzipationsepoche, und zwar in Ihrei Stellung zum Judentum, an dem sie „verbluten" zu müssen glaubte, und das sie auch verließ, trotzdem sie ihrer ganzen Wesensart nach Jüdin war. — Die .ungemein reichhaltige Literatur über R.V. wird durch die vorliegende Arbeit wertvoll bereichert. E. C—n. Rudolf Presber, Der Stern von Saragossa. Ein Berliner Roman. Berlin 1027 (Verlag Dr. Sclle-Eysler A.-G.). Rudolf Presbers goldener Humor hat dem Dichter einen Freundeskreis geschaffen, der immer wieder gerne einige frohe Stunden mit seinen Buchern verlebt. So ernst und schwer viele Menschen das Leben nehmen: sehen sie Menschen und Situationen mit den Augen des Ueberlegenen, so wird ihnen nicht selten gerade dann eine igewisse Komik offenbar, wenn am meisten Anlaß wäre, den Kopf hängen zu lassen. Diese l'ebcrlegeiiheit, die sich mit lachender Freude über Unangnehmea hinweghelfen kann, lehrt Presber. Er zeigt im tollen Strudel des Lebens die Menschen in ihrer oft so'köstlichen .Komik, ihrer Eigenart, die erheitert, sobald mau sich nur einstellig höher stellt. „Stern von Saragossa" ist der Name eines Mädchens, das |n einer Episode seines jungen Lebens eine Ausbildung als Künstlerin sucht; und in dieser Episode verflechten sich ebenso episodenhaft die Schicksale einer ganzen Reihe von Menschen. Alles verwickelt sich zu einem Kneuel, das sich dann, trotz beträchtlicher Oefahr, alle in stels große Auswahl in allen Preislagen ALSELA Reichsstraße 4-6 ^trümpfk Beste Qualität Hemberg Waschseide 2.95 Hem'ierg- Waschseide 3.95 I J mi -esellschaftsanzug H erbeten. M Der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens Ortsgruppe Leipzig veranstaltet am Sonnabend, den 21. Januar 1928, 20 Uhr im Weißen Saale des Zoologischen Gartens Pfaffeiidorferstrasse einen F E S T B ]azz-Kapelle: Merry-Berry-Band A L L Tombola Eintritt pro Person Mk. 2.— ind. 5teuer Alle Mitglieder und Freunde werden herzlichst eingeladea Kintrittskanen sind i>u Vorverkaut in der Buchhandlung von M. \V. Kaufmann Brühl 8 und in unserer Geschäftsstelle Tüubdjenweg 77b, Fem spr 80805 sowie an der Abendkasse zu haben. Zuuedadite I oinbolaspenden bitten wir bei derCieschäftsstelle abzugeben. Aul Wunsch erlolgt Abholung.