Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 1 (6.1.1928)
- Date
- 1928-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1 dl MI »NIM" Kl All DIU' ISUAl I11 ISCHEN RELIGIGNSGEMEiNDE, LEIPZK) >ntr | Verbindung von Judentum und Deutschtum; Klarstellung det gegenseitigen Verhältnisses in ruhiger Atmosphäre. Ill('»). Harmouische Entwicklung der Individualität und Persönlichkeit des jüdischen Kinllr: Vufhel iti| dei Inneren Zwitterstellung: Judentum und Deutschtum im Leben des deutschen Juden. (6). Einflußnahme auf die Berufswahl dei Jugend (Berufsumschichtung). Der zweite Verbandstag brachte die Referate Merzhaus-I ritzlar und Rülf-Detmold Uber das Thema „Die Jugendbewegung und die jüdische Lehrerschaft*, die einen so nachhaltigen Eindruck hinterließen, daß die Versammlung beschloß, von einer Diskussion Abstand zu nehmen. Allen vier Referaten wurde im i'riu/ip zugestimmt und dies in dem Beschluß nun Ausdruck gebracht, die Referate vom Verband ans im Druck erscheinen zu lassen. Zu Vorstandsmitgliedern wurden gewählt: Vorsitzender Stern-Berlin, Stellvertreter Dingfelder-München und Steinhardt-Magdeburg, Geschäftsführer Abraham-Berlin, ferner J. K. Lcvy-I rankfurt a. M. und Peritz- Königsberg, Dem Vorstand gehört außerdem Feincr-Hamburg als i hri nvorsitzender an. 1 i wurde beschlossen, eine Zentralhilfskasse zu gründen in Anlehnung an die bestehende Achawa, Frankfurt a. M. Es wurde ferner die Einsetzung einer Jugendschriften* und pädagogisch-wissenschaftlichen Kommission beschlossen. Weiter« Angelegenheiten wurden dem Aus chufi zui Behandlung übergeben. Für den niiehsten Verbandstag is. Wiesbaden in Aussicht genommen. Die erste jüdische Kreditgenossenschaft Deutschlands in Berlin gegründet In Berlin wurde unter der Firma „Jüdischer Kreditverein für Handel und Gewerb' F. O. m. 1>. H." eine Bank auf genossenschaftlicher Qrundlage gegründet, die die erste jüdische Kreditgenossenschaft in Deutschland darstellt. Ziel der Genossenschaft i-t, das Kreditinstitut lies Berliner jüdischen Mittelstandes zu werden; sie wird Wechsel diskontieren und Kredite gewähren, sieh aber auch in dem durch den genossenschaftlichen Charakter gezogenen Rahmen als Mittelstandsbank im Depositengeschäft, Scheckverkehr, Inkasso-Ausführungen betätigen. Sie wird auch als Sparkasse fungieren und ihr Augenmerk darauf richten, die Spartätigkeit des kleinen Mittelstandes anzuregen. Der einzelne Genossen schalt tan teil i>i auf Mark 250. festgesetzt An der Spitz« des Aufsichtsrates steht Herr Direktor Wilhelm KU i m,um von der Dresdner Bank, Mitglied des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde. Sonstige Mitglieder des Vor landes sind dei Voi I nde des Vereins jüdischer Handwerker, Wilhelm Manu-, Direktoi Ruthenwieser, Eugen Caspary, Rechtsanwalt Dr. Kollenscher, Louis Wolff, Ad. Schoyer, Oustav Zawonj. Geschäftsführendes Vorstandsmit lied i-i Herr M. James Goldschmidt (BerlinNW, Lcvetzowstralie 12). (I TA 1 UnttNi G*s Sri «»Endo Jüdische .lügend! khon von weitem leuchten diese Worte dem Besucher der Ausstellung „Das junge Deutschland" entgegen, die heute eröffnet wird. Hell und klar isi die Selbstdarstellung der jüdischen Jugend, eindrucksvoll in der künstlerischen Ausführung, interessant und einprägsam im Inhalte. Für jeden, der an den Fragen und Sorgen der Jugend Anteil nimmt, bedeutet sie eine Ueberraschung, zum feil aber eine recht nachdenkliche: Siehe Berufsstatistik, Schulubersicht, zum andern Teil ist es erfreulich, wenn man den hohen Prozentsatz der organisierten Jugendlichen bemerkt. Iis kann nicht eindringlich genug empfohlen werden, die Ausstellung zu besuchen, die in ihrer Gesamtheit, nicht nur in der judischen Abteilung, zu vinei innerlichen Bereicherung beitragen kann Jageodkundgebunf Anläßlich der Ausstellung veranstalten die dem Ausschuß der jüd. J ionen angeschlossenen Verbände am 29, Januar 1928 vormittags eine große öffentliche Jugendkundgebung. Wir bitten all i n« n , diesen Sonntagvormittag von Veranstaltungen frei /u ij. Gemeinsame Besichtigung der Ausstellung durch die Mitieder der Jugendbünde am Sonntag, den S. Januar. Treffpunkt: >i,!") Uhi vormittags vor dem Planetarium (Pfaffendorfer Sir.). Gemeinsamer Marsch /ur AuSStettUHg. (30 Pfg.) Der Ausschult i. A. Philipp Hojda,S 19, Körnerstr. 47 „Berufsfragea des jüdischen Mädchens" Im ersten Diskussionsnachmittag des „Jüdischen i rauenbuuds, Ortsgruppe l eipzig" sprach Frau Dr Gertrud Ehrmann über „Berufsfragen des jüdischen Mädchens", Die Rednerin führte etwa folgen« des aus: Die l iai.cn und Mädchen des Bürgerstandes einerlei oi> jüdische oder nichtjüdische sind durch die soziale und wirtschaltiiehe i ntwickiung .ds letztei Volksteil zur inneren und äußeren Selbständigkeit gelangt, nämlich erst in den beiden ersten Jahrzehnten dc- 20. Jahrhunderts. Besonders seil dem l nde des Krieges ist die Berechtigung aller bürgerlichen Krauen zur Berufsausbildung und «Ausübung allgemein anerkannt, Sie brauchen den Kenn zur harmonischen Ausbildung ihrei Persönlichkeit und zur Erlangung ihrer wirtschaftlichen l nabhängigkeit und sind deshalb von der Notwendigkeil der Berufsergreifung überzeugt, Hei der Wahl des Beruft müssen jedoch alle möglichen Fragen in Betracht gezogen werden, um zum richtigen Ergebnis zu gelangen. Schon vor aller Spezialisierung aul einen bestimmten Kernt sind einige allgemeine Richtlinien zu verfolgen. Daberufswählendc Mädchen soil wed er ZU idealistisch, noch ni materiell denken, d. Ii. es soll nicht nur an den Inhalt der Kenne, aber auch nicht nur au ihren i intgett denken: Dunicht voll auagefüllte Kunstlerlaufbahn bietet ebensowenig Befriedigung wie geistlos ausgeübte Kontorarbeit. Auch soll die Berufswahl nicht aus falscher Eitelkeit erfolgen. Modeberufe sind ebensosehr zu vermeiden wie solche, die die geistig« und körperliche Fähigkeil der jungen Berufsanwärterin übersteigen oder die zu kostspielig lür die l Item des betr. jungen Mädchens sind. Dagegen ist es zu empfehlen, vorhandene Gelegenheiten und Verbindungen auszunutzen, nämlich in das Qeschäft oder die Praxis des Vaters einzutreten usw. Die jüdischen Mädchen insbesondere -ollen sich voi der Berufswahl über die speziell jüdischen Aussichten dieses Berufes klar werden. Oeffentlichc Acmter in Staat und st.idt stehen Jüdinnen nur in verschwindend kleinem Maße offen. Dagegen gibt es Möglichkeiten, im jüdischen öffentlichen Dien Stellung zu linden. Hierzu ist selbstverständlich eine innere jüdische Einstellung erforderlich. Um unter den einzelnen Berufen zu wählen, müßte die Wichtigkeit der verschiedenen Möglichkeiten beurteilt werden. Vom heute yultigen Standpunkte aus verdienen in erster Linie die kaufmännischen Berufe Beachtung für aas jüdische Mädchen. Aber um vorwärts zu kommen und um eine befriedigende Stellung zu linden, muH immer wieder auf den Wert einer gründlichen Vorbildung hingewiesen werden und aut Berufsinteresse und Berufsernst in der Aus- Übung, Im kaufmännischen Berufe können Frauen vorwärts kommen, wenn sie Vertrauensposten im Bürobetrieb finden, oder als höhere I Angestellte mit Branchekenntnissen in Detailgeschäften oder als Abteilungslciterinnen in Kaufhäusern, "der auch ganz selbständig als Revisorinnen. Auch gewerblich geschulte Kräfte haben ^utc Berufsaussichten. 1 I gibt mehr oder weniger umfassende Ausbilduntfsarten. rnr Schneiderei, Wäschearbeit, Putz usw. müssen wir wohl mindestem j Jahre Ausbildungszeit annehmen. Dem modeinen Wirtschaftsleben entsprechend sind die besten Ausübungsmöglichkeiten In allen Arten kaufmännischer Betriebe vorhanden. Audi für KunsfgewerWerinnen ist stets der Anschluß an kommerzielle Unternehmungen empfehlenswert. Künstlerisch und geistig gut veranlagte Frauen haben gute Aussichten als Architektinnen. RVMHMMi ■ Bestelliings;n für feine COB50 KONpüfC^gl K A 'r P '~i '* 'J ' hMIHI Willi ■ .. - f* unter Tel. 20214 oder im Laden Augustusplatz erbeten. Inn.: Ernst Fischer früher langjähriger Pächter der Konditorei , rü.si Rniiihskinilsr"