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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-12-16 · 50 (16.12.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
50 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. jahrganf So in der Würzburger Gegend: Moos zur jeschuossi. Ich hab" kein Geld, was tu ich hie? Geh' ich e bißle weiter, Begegne! mir e Reiter. Der Reiter will mich schlagen, Geh' ich zum Poked (Amtmann) klagen. Oer Poked hat a Hindia, Das Hindia will mich beißen, Mocht ich's gleich zerreißen. Od?r in Hamburg: Mosser Jeschosser, Oeh e bis'die weiter Kömmst du an .ne Leiter, Sitzt darauf ein Hünddie, Das Hilndche will mich beiße. Kommt Moschiach zu reiten Mit einem Korb voll Kringelche, Gibt mir eins, gibt dir eins, Gibt allen kleinen Kindern eins. Oder in Hessen: Wo hast du's denn gelassen? In Frankfurt auf den Straßen. Warum hast» nicht mitgebracht? Ja, ich hab' nidit d'ran gedacht. Frankfurt am Main: Begegnet mir ein Schneider, Der Schneider hat e l.ämmche, Lämmche will nicht laufen. Der Schneider will das Lämmche nidit verkaufen Dag Hallel wird. z. B. in Hurgenlande, auch deutsch gesungen. Uk Süddeutsdd.ind hörte man: Haudu 1'AdOSchem ki tauw, Ihr Freunde, horcht ein wenig auf! Männer, lebi mit eure Weiber ganz treu, l^cdet mit ihnen aufrichtig und frei, Redel mit ihnen banachas welo bekol rom(nicht schreiend) So wirJ euch Mischern borudi hu erhören bamorom (der Vater im Himmel). Folget mir und macht es aso! Ki leolom chasdo. Eine große R >lle spielten am Lidilerfest die jüdischen Musikanten, i.n Osten begleiten sie die Gesänge, besonders den „Mismor schir chsnukkath habbajith I David", in den Bethäusern. Im Westen zogei sie von Ort zuOrt und von Haus zu Haus. Berühmt waren in Osterreich die Prager, in Ostdeutschland die Kempner Mjsikanten. h Ungarn sind aus diesen jüdischen Quartetten oJer Q lhtetten die Zigeunerkapellen hervorgegangen. Besonderer Beliebtheit erlreute sich der Zimbalist oder rlackSrettspieler (ein Großvater Berthold Auerbachs hieß Schmuhl Hackebrett), durch Ousikow, den Schützling Felix Mendelsohn Barthoklys. berühmt geworden und in die jüdische Literatur (Scholem Alejchem), die polnische (Mickicwicz, „Pan Tadeu-z") und die ungarische (Csokonay) eirgegangen. Durch eine so'che Truppe war u. a. Kesthely, der Geburtsort Goldmarks, berühmt. So mancher erinnert sich noch der Kempner Prograrrmrurr.rrern. wie Bei Weißenburg und Wörth, Da ging's dem kleinen Lulu verkehrt. . . (Melodie aus Fra Diavolo) Oder der Hymne auf Jenny Lind : Unter den Linden Hub;ch gefinden 2 Billetche von ihrer Hand . . . (Md.: Sdiönbrunner Walzer von Lanner) Oder aus einem damals beliebten Berliner Singspiel: David war ein Harfensänger, Angestellt bei König Saul. Dieser war ein Grillenfänger, Jedes Liedchen nannt' er faul. Finster ward ihm die Fisage, Wenn sich David hören ließ, Statt der Gage in der Rage Warf er ihn mit seinem Spieß. Doch David sprach: „Wie heißt? Ich singe, und er schmeißt?!" Doch da darf man sich nichts draus machen, Da muß man lachen .... (Mel.: Aus Lortzings „Walfenschi Im jüdischen Osten singt man: Chanuke spilt men Drejdlach und Korten, Stukolke,Oke (Kartenspiele) un alle Sorten — Oj wej, wej, wie git ls doch zu sajn a Jid. tied") Oder: Oder: Wer mir sainen, sainen mir, Ober Jiden sainen mir. Als mir tien, tien mir, Ober Chaniklecht bentschen mir. Ghanuke bentscht men Lichtiach acht, Dervar weren gute Latkes (eine Leckerei) gemacht. A ganze Woch tut men Hallel sogen, Un Bachurim (Jünglinge) un n'oires (Mädchen) tun sich iber die Korten schlogen, Ach wie weil, ach wie git ls doch, zu sajn a Jid! Die , Latkes" leiten hinüber zur Chanuka Speisekarte. Im Mittelpunkt des Giaukaschmauses, besonders am „Schaboth Clianuka ', figuriert der Gänsebraten. Eines besonderen Rufes erfreut sich die Miersdorfer „Stopfgans", daher auch Spottname. (Nach dem Volksglauben ist schon einen Monat später das Schlachten der Gänse nicht ungefährlidi, weshalb der Schächter, falls er es trotzdem ausübt, für ieden einzelnen Fall besonders entschädigt wird.) — Die Ctianukaepns hat sogar ein geschichtliche R ille gespielt. Flüchtige M irannen wurden 1593 auf der Riise nach Holland nach Km Jen versdihgen. Es war gerade Cianukah, und als sie eine geschichtete Gans in ein Hius tragen sahen, f >lgten sie ihren Spuren, und so wurden sie mit dem Minne bekannt, der ihnen empfahl, sich in Amsterdam niederzulassen. Dieser Mann wurde dann der erste geistliche Leiter der jungen Amsterdamer Gemeinde. im übrigen ißt man Käse, weil solchen JjJith dem Holofernei gereicht haben soll. Zum Andinken in ihre Tat vernch'en die Frauen keine Arbjit, solange die Lichter brennen. Ii Rißland wird man zn „Latkes" geladen, d is sindFiinsen ais Buchweizen mit Gänsefett und Honig oder auch aus Weizenmehl mit Hefe, eingemach en Früchten und Zucker bereitet. Dazu reicht man eine Kaltschale. In Südrußland behiuptet sich die russische Nationalspiise Wareniki und Blini. Am Rhein wir f am ersten Abend stark mit Knoblauch gespicktes SJiiffleisch gemessen, in Polen „Penizl", d. i. geröstetes, mit Knoblauch bestrichenes Brot. Wie an jedem Feste der Armen gedacht wird, so besonders an Chanukah. Ein ostjüdisches Sprichwort lautet: Chanükku in Pirim Wem die üreme Lajt aschirim (reich).

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