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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-12-16 · 50 (16.12.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
50 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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3. Dahraanq, Dr. 50 16. Dezember 1927 mtfosfeMaf dzr Jsr&elitiscken Am+Uchzs Nachrichten bQ 'hier CehieiMdeverw^liuM kzUqlongqvtHzincle '$u &t>$tg ukhaUp, Du Gomeindehlatt ir icheint wöchentlich am Freitag. Dan MltgiiaVern der Relir,.omgemeinde wird ea unitt«'tl!r" runh die Post zugestellt. Bezugspreis für Nichtmitglieder monatlich 60 Pfennige. Anzeigenannahme: W. Tekhar. GlockenstiafJe 11, Telephon 14449. Schriftleitunq: Ceme-nderabb. Gustav Cohn, Leipzig, Löhrstr, 10. Telepl on 29641. :: Druck und Verlag; W. T' rrer, Leipzig, Glockenstr. II, Telephon 14449. An zeioenpreise: Di: 4 gespaltene mm-Zeile 20 Pfg. F* milien- und kleine Änzeigan 10 PIg. Umachlagseitcn und Teitinserate nach besond Tarif. Für den Inse ratenteil: J, Kühne, Bauhof;»:. 9 (Telephon 14449). Die Schnftlc tung übernimmt für die unter dem Namen dea Verfasscts ersrheinenden Beitrage und die Vareinsnachiichttn nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Quellenangahe und Genehmigung des Verfassers geatattet. Chanukahfreude Von Dr. Max Orunwald. W1 ie keine andere ist die Char.ukahfreurie frei und ungebunden, nidit angeordnet geboten ist nur das LichtanzOnden. N cht einschränkt — selbst das sonst verpönte Kartenspiel ist freigegeben. Von diesem Teulelswerk SJdii man im allgemeinen abzu ■direcken. Man berechnet, daß .Karten* (hebräisch geschrieben 100, 200, 9 und 50) dem „S(a)t(a)n" ( 300,9 und 50) gleichkommt. An Chanukah wird es aber hier und da nahezu wie eine „Mizwo" betrieben. Nur spricht man nicht von „Karten", sonJern von „Quittledl*. Andere Arten der Belustigung linden Gelehrte und Kinder- Das Kind spielt mit dem Trenderl, auch Fergele, Drehdel, in Polen Dreidl, im Burgenlande Stellein, ir Mahren Goor genannt. »Trenderl", auch Bezeichnung für ein lebhaftes Kind, ist mit.elkochdeutsch, Dradl oberdeutsch, Stellein und Goir sind vom Spiele selbst hergeleitet. Die Buchstaben n, g, h. sch auf dem „Trenderl" deutet mar. als : n (cß) g(adol) h (aja) geh (am), d.h.: ein großes Wunder geschah dort oder scherzhaft: N (uti Nathan) g (anew Diebe) h (?ikt erblicht) Sch ilösscr) oder N(eutraer) u (.mowim Diebe) h(ängen) sditori, oder N(otel) g (anew) M (osen) — sch (. . .), /umeist aber: n (nidits) e (anz oder gar) h (halb) sdi (teil ein). Audi auf dem Drchwiirfel, mit dem man auf Sizilien an Weihnaditen spielt, steht: l (otum ganz) p (one setz ein) m (esu halb) n (udda nichts). Wir hl den das Spiel bis nach Rußland, Spanien, Ghina, und Korea verbreitet. Die Buchstaben n, g, h, sch ergeben übrigens dem Zahlenwerte nach die gleidie Summe wie „MasdiiadT (350). d. h. .Erlöser". Lin Art Mühle ist das „Mid< mech Un stell med)", auch .Ix mix drix" oder „Orde — borde — schorde" der galizischen Kinder, im allgemeinen in Hamburg als „Tripp trapp trull",in Wien und Polen als HGalgenspiel* bekannt. In Hamburg warten die jüdisdien Kinder in eine Schüssel voll Saud Dreilinge, alte Hamburger Kupfermünzen, und griffen mit Löffeln hinein. Wer einen herausholte, der hatte gewonnen. In Ostlriesland springt der Vater mit den Kindern über die Chanukahliditchen, in Mannover tanzt man im Polkatakt des „Moaus zur" um sie herum.!n Ostpreusen hüpft man mit ihnen durch alle Zimmer. Der Wiener Neustädter Rabbiner Israel Isserlein (im 15. Jahrhundert pflegte an Chanuka seine Lamilie, seine Schüler und befreundete Gemeindemitglicdcr zu sich zu laden und mit ihnen um die I iehtdien zu tanzen, lir verbrannte die entbehrlichen Briefe, die sich im Laufe des Jahres angesammelt hatten Dann unterhielt man sich durch sog. Chanuka*Katowes Mit biblischen und talmudischen Stellen deutete man in einer Rätselschrift au! Personen in der Gest llschalt oder auf die Zahl der Chanukalichter hin. Oder einer begann mit einem solchen Zitat, ein weiteres, das mit dem Schlußwort des ersten anfangen mußte, sagte ein zweiter her usw. Jenes Wort „Katowes" ist nodi heute im Osten geläufig in den. Refrain ..S'chus Owes" (das Verdienst der Vater) is kejn Katowes (Spaß) und in dem Sprichwort „Mit dem Maladi hamowes (Todesengel) madit men nit kejn Kaiowes '. Das Wort ist wohl s lavischer Herkunft. „Gody" ist polnisdi die Weihnachtszeit, und „godawace" heißt ..sdimausen, feiern". Beziehungen zu Weihnaditen bzw. Sylvester liefen auch vor i in dem Bleigießen, bei uns fürs „Trenderl", anderwärts als Orakel, und beim Kartenspiel im „Nill'. Man erklärt dieses Wort als „dies natalis", d. h. Geburtstag, nämlich des Stifters des (Christentums am 25 Dezember, auf den bereits inrömisdier Zeit der .dies natalis Solis" fiel. In der Sdiweiz leitet man aber den Namen „Nidl" davon her, daß man Nudeiii an die Zimmerdecke wirft und ai s den entstandet cn Figuren den Namen der oder des Zukünftigen zu erraten sucht. Unterliegt audi die (Chanukahfreude keinerlei Zwang oder Einschränkung, so hält sie sich doch, ganz anders als die Ausgelassenheit etwa am Purim, in würdigen Grenzen. Sie ist eine häusliche Leier. Die Gemeindeangestellten, die Kinder und Dienstboten werden mit „Chan-Geld"' beschenkt. Das „Moaus zur" wirü nach einer deutsdien Volksweise gesungen, die auch Luther für eins seiner Lieder gewählt hat. Sinken doch noch heute Juden Süd- und Westdeutschlands religiöse Texte nadi deutsdien Melodien, auch S'.uc'enieriiederp. So das Hallel nach „Stimmt an mit hellem hohen Klang" und „Freiheit, die ich meine". In hebräischen Lettern weist ein jüdisd es Rezepter.budi auf: „Wein Lebenslauf ist Lieb und Lust" und „Am großen Laß zu Heidelberg". Das ,,Moaus zur" wurde mit Anspielung auf ..Moaus" Geld woher übrigens das studentische „Moos", in zahlreichen Varianten verballhornt.

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