Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 48 (2.12.1927)
- Date
- 1927-12-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. janrgang sehr gestiegen und kann Kaum befriedigt werden. Wir bitten deshalb alle Hausfrauen, aus ihren Schränken das Entbehrliche herauszusuchen, sei es Ober«, sei es Unterkleidung oder Bettwäsche. Wir sind dankbai für jedes Stück, das brauchbar ist. Annahmestellen: Frau Alma Cerf, Pfaffendorferstr. 18; Frau Recha Carlebach, Karl-Tauchnitz-Str. 41; Trau Olga Kaufmann, Gohliser- Straße 26; Frau 1 isa Wassermann, Inselstr. 'Ib. \m Wunsch erfolgt Vbholung auf telefonischen Anruf Nr. 23731 (Frau Alma Cerf). Moderne jüdische Musik i »as jüdische I eben der letzten Jahrzehnte hat auch Ansitze einer Jemen jüdiischen kmi-t auf den verschiedensten Kunstgebicten entstehen lassen Verhältniismäßig wenig bekannt, selbst in sonst jüdiisch stark intrssierten Kreisen i-t die moderne jüdische Musik, ..lAMii sie nicht synagogäl i-t. Der Jüdische Frauenbund, Ortsgruppe I eiipzig plant für den 17. Januar l<>28 h.<i Saale des städtüschen Kaufhauses einen Konzertabend unter dem Titel v, derne jüdische Musil.", an dem weltliehe Kompositionen moderner jüdischei Komponisten zu Oehör kommen sollen. — Ar- Nadel (Berlin), dei anerkannte Kenner jüdischer Musik, hält ii einleitenden Vortrag „Uebei .las Wesen jüdischer Musik". Herr ii ■ l In (Leipzig), oft bewährt in seinen Programmzusamraen- Stellungen, hat du künstlerische Regie und bietet die Gewähr, daß nur erstklassige Künstler und wertvolle Kompositionen zu Oehör kommen. Der Jüdiische Frauenbund hat sieh an eine sehr große Aufgabe gewagt, in dem sicheren Vertrauen, in allen Kreisen Verständnis und Förderung dieser kulturellen Arbeit zu finden. Weiztnann-Veranstaltungeii in Leipzig Dei Präsiden) dei Zionistischen Wertorganisation, Herr Dr. Weizmann, der jede sich ihm darbietende Gelegenheit wahrnimmt, um mit den breitesten Schichten des Volkes in Fühlung ZU kommen, hat trotz äußerster Inanspruchnahme durch die vielen Sorgen, die mit dem Kufbau Palästinas zusammenhängen, der Einladung der Leipziger Zion. Ortsgruppi Folge geleistet und der jüdischen (je sämtlich Leipzigs einen Besuch abgestattet Zu seinen Ehren fand am 19. November im Großen Festsaal des Centraitheaters ein Bankett -tatt. an dein mm» Personen teilnahmen. Herr Tumpowsk) namens der Zion. Ortsgruppe hiess den hohen i i>i willkommen und wies auf seine aufopfernden, die Grenzen ler menschlichen Kräfte überschreitenden Bemühungen um das große jüdische Palästinawerk hin, die ihm die Bewunderung und Anerkeu- _ der ganzen zivilisierten Weit errangen. - Herr Kahbincr Dr. ioldmann würdigte in einer eindrucksvollen Ansprache (hebräisch wnd di itsch) den Präsidenten als den unverdrossenen und selbstlosen Vorkämpfer für da- Gedeihen des Ischuw Erez Israel und die img dei hebräischen Sprache. - Herr Sachs begrüßte Herrn I W. im Namen des Misrachi und Herr Dr. Spitz übermittelte ihm Bewillkommung der Loge U. O. B. B. — Herr Dr. Kontorszczyk mte in seiner hebräischen Ansprache die unermeßlichen Vcrite, die sich Dr. W. um die Schaffung und Aufrechterhattung n Hi od erworben hat und die nur einen Ring in der n Keth seiner großen t aten bilden, die in der Erlangung der ■Deklaration gipfeln. — Herr Dr. Woskin (hebräisch) brachte i teil Dank zum Ausdruck, den die kulturelle JudeohcH Dr. W. und der seiner unermüdlichen Tätigkeit gilt, die zu dem i n und der Entfaltung des jüdischen schöpferischen Ödstes auf | itinas beigetragen hat — Herr Schacht er (PosJe Zion) .'in der außergewöhnlichen Schwere der Arbeit, die auf dem 1 eii der Jewish Agency lastet und hob ehe besonderen Sym- P i hervor, deren Dr. W. sich bei allen Teilen des Ischuw er- I Heu l)r. Lehrfreund huldiigte dem Manne, der sieh restlos | ii liensl meines Volkes stellte, und forderte in bcewgten Worten d i end auf, dem Betspid dieses grollen Mannes tu folgen. MRi ichlichten, aber in ihrer Schlichtheit fesselnden Antwortsrede hildertc Herr Prof. Weizmann ohne Schminke die jetzige Situation in Palästina, berichtete über die Freuden und Leiden des Ischuv , berührte diie akuten Probleme des Aufbau» und gab der lloffnung Ausdruck, daß alle Juden, unbeschadet der Richtungen, die sie •in Judentum vertreten, ihren Verpflichtungen Er« Israel gegenüber genügen werden. i ie Anwesenden reagierten auf Weizmanns Rede, indem sie Mark SJ'fM).— für den Keren Hajessod zeichneten. Am 20. November wurde im Großen Saale der Concordia eine öffentliche Versammlung veranstaltet, auf der Prof. W. sprach. Der Saal, der mehr als 2000 Personen fallt, war bis zum letzten Plätzchen besetzt. Miit außergewöhnlichem Enthusiasmus von dem Publikum aufgenommen und von Herrn Tumpowsky wann begrüßt, ergriff Herr Dr. W. das Wort ZU einem Vortrag über die ökonomische, politische und kulturelle Lage in Palästina. Er zog eine Parallele zwischen unserer Kolonisation Und derjenigen anderer Völker. Er stellte fest, daß, trotzdem wii in Bezug auf das Menscheninaterial, die Beidngungen des Bodenerwerbs und die Art der Finanzierung des Aufbaus ungeheuren Schwierigkeiten ausgesetzt sind, uns die Kolonisation viel weniger kostet als den Völkern, bei denen alle Voraua* Setzung für eiine normale Entwicklung ihrer Kolonisation vorhanden sind. Dies sei, so führte der Redner aus, auf die beispiellose Aufopferung unserer Pioniere zurückzuführen. Trotz der jetzigen sewicrigen Zustände in Palästina sei der Redner optimistisch disponiert und sehe mit Zuversicht der baldigen Ueberwindung der Krise entgegen. Die ahlreiche Zuhörerschaft brachte Herrn Prof. W. stürmische, lang dauernde Ovationen dar, die spontan in Singen der Hatikwah ausbrachen. Ben Josef Rückjtanjj der antisemitischen Stimmen, Zunahme der judenleindliclien Stimmung? 1 )er C e n t r a I v e rein deutscher Staatsbürger j ü d iSC ll e n Glaubens, Ortsgruppe Leipzig, veranstaltete am Montag, den 2S. November I<rj7 im grollen Saabdes Kaufmännischen Vereinshauses eine öffentliche Gemeindeversammlung, in der Herr Arthur Schweriner, Syndikus des Landesverbandes Groll-Berlin, zu dem Thema: „R ü c k g a u g d e r antisemitisc h e u S t i m m en, Z u n a h m e der j u d e n f e i n d I i c h e n S11 m m u n g? " sprach. Voranging eine Gedächtnisfeier für den verstorbenen Dr. Paul Nathan, Berlin, dessen hervorragende Tätigkeit für (lentralvereiu und Hillsverein der deutschell Juden duich Herrn Rabbiner Dr. (ioldmann in einem warmempfundenen Nachruf gewürdigt wurde. Herr Arthur Schweriner führte ZU dem Thema aus, daß zahlenmäßig die antisemitischen Stimmen stark zurückgegangen seien, was in verschiedenen deutschen Staaten die letzten Wahlen bewiesen haben. Es ist eine Tatsache, daß Zahlen besonders bei den Juden immer etwas Bestrickendes haben. Richtig ist auch, daß im politischen Leben rein äußerlich Zahlen eine wesentliche Polle spielen. Dennoch ist es falsch, in der Politik mit der Logarithmentafel zu rechnen, ohne der Stimmung Rechnung zu tragen, l s ist eine wesentliche Arbeit des Centraivereins, die Stimmung der Volksgemeinschaft zu erkennen und nicht die Meinung aufkommen ZU lassen, daß mit der Abnahme der völkischen Stimmen auch der Antisemitismus im Schwinden sei. Es muß vielmehr einmal klar ausgesprochen werden, daß der Antisemitstnus trotz der Abnahme der volkischen Stimmen horizontal durch sämtliche Parteien geht. Wenn auch der laute Kampf gegen die Juden auf der Straße nachgelassen hat, so trifft man ihn aus vii)tf nmr F«»l»n'k. Leipzig Körnerif r. 54-56