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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-11-18 · 46 (18.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
46 (18.11.1927)
Date
1927-11-18
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Ssite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. Janrgang nußachalc mit, ans der »ich dann Kraffi ein TrinkgefM machen ließ. Zwei Tage blieben >ic damals „in fröhlichem, vergnügten Gespräch" beisammen. Drei Jahre später, in denen Winterbach in Italien und Portugal gewesen war, sprach Winterbach noch einmal bei seinem I reundi \<>i Ei wat auf der Durchreite nach Preußen, wo seine Tochter Verheiratet war. Mit Wehmut berichtet Krafft im Jahre 1616 vom diesem letzten Besuch seines Freundes, der, obwohl nur ein Jude, weitergereist sei als ein Christ, und der zu ihm in Zeiten der Not als Deutscher gestanden hatte. Prof. Dr. Chaim Weizmann Prot'essoi Di Chaiin Weizmann, der in diesen Tagen unsere Stadt besuchen wird, i-t in seiner Persönlichkeit einer der vollendetsten Repräsentanten de» modernen Judentums. Aus einer angesehenen i amilit des litauischen Judentums stammend, hatte er bereits in seiner Jugend Gelegenheit, mit den geistigen Führern des Ostjudentums hi Berührung zu kommen. I>us Maus der Familie Weizmann in l'insk war im ganzen Osten als gastfreundlich bekannt, alle geistig Juden fanden in dun Anregung und Förderung. Schon in frühester Jugend schloß sich Chaim Weizmann der Chibath Zion-Bewegung an. Zum ersten Basler Kongreß wurde er auch zum Delegierten gewählt, konnte aber - wie er anläßlich der Jubiläumsfeier m Basel am I September 1927 erzählte — die Reise nach Basel wegen Mangels an Reisespesen nicht antreten. Seit dem zweiten Kongreß abci nahm er immer an hervorragender Stelle an den Arbeiten der Zionistischen Organisation teil. sein.) ersten Studien absolvierte er in Berlin; von dort aus kam er als Privatdozenl tüi Biochemie nach Oenf. Dann folgte er einer Berufung als Professor der Chemie nach Manchester. Dank diesem Umbeherrscht Chaim Weizmann außer den zu Hause gelernten Sprachen (Jiddisch, Hebräisch, Russisch) auch in vollendeter Weise Deutsch, Französisch und Englisch. In Manchester, in einer nichtjüdischen l mgebung lebend, verlor Weizmann nicht den Zusammcnhang inii dem jüdischen Volke, abgesehen von seiner immer intensiven zionistischen Betätigung. Als der \X eltkrieg zwischen den einzelnen Landern Europas unüberbrückbare Grenzen errichtete, und dadurch der Zusammenhang der Zionistischen Organisation zerrissen war, so daß man eigentlich von einer wirklich aktiven zionistischen Oberleitung nicht sprechen konnte, ergriff Chaim Weizmann, dem sich Nahum Sokolow, Tschlenoff und Achad Haara zugesellten, das Steuer der zionistischen Leitung. Als Biochemiker hatte er eine außerordentlich epochemachende Erfindung gemacht und diese der englischen Regierung zur Verfügung gestellt. Dadurch kam er in die Lage, schon früher gemachte Bekanntschaften wieder anzuknüpfen und Eingang in die politischen Krejse England! zu finden. Als Ultrazionist nutzte er seine Beziehungen in erster Linie für seine Ideale aus. Es gelang ihm, die englische Regierung zur Abgabe der Balfour-Deklaration zu veranlassen. Dieser Deklaration wurde von allen Großmachten der Welt zugestimmt und schließlich wurde sie in San Reino im Palästina-Mandat, das vom Völkerbund angenomen wurde, verankert. Weizmann wurde dann im Jahre 1921 in Karlsbad als Präsident der Zionistischen Organisation — was er schon seit Jahren tatsächlich war, auch formell durch einstimmige Wahl bestätigt und bis zum heutigen Tage ist er der leitende Kopf und die erste Arbeitskraft der Zionistischen Weltorganisation. Weizmann ist zweifellos eine der interessantesten politischen Persönlichkeiten der Jetztzeit. Der Weg, der ihn unter dauernden Verhandlungen mit den europäischen Staatsmännern dahin geführt hat, mit den führenden Männern der Weltpolitik Zwiesprache halten zu können, ist einzigartig bei einem Mann, dem weder Kanonen noch andere Machtmittel zur Verfügung stellen, und der sich nur auf ein Ideal und ewige Prinzipien der (ierechtigkeit zu berufen vermag. x. Liste 2 Bürgerliche Partei Liste 2 Jüdische Wähler und Wählerinnen! Die Wahlen /.u der Leipziger üernuindevertretuni; stehen bevor. Zu diesem Zwecke hat sich in Leipziß die Jüdische bürgerliche Partei konstituiert. Programm der bürgerlichen Partei: stelle für arme Durchreisende wird die Partei mit allen Mitteln eintreten. Die bürgerliche Partei wird mit der größten Energie und Anstrengung dahin wirken. Die bürgerliche Partei machti sich zum Prinzip, in der Leipziger jüdischen Religionsgemeinde, die Gesamtinteressen der Leipziger jtidischen Bürger zu vertreten und wird sich bemühen, jeder berechtigten Forderung du jüdischen üemeindemitglieder in den üera ei ndeai tauigen /um zu verhelfen. Eine politische Einstellung liegt der Partei völlig fern. Die bürgerliche Partei hat es -ich /um Ziele gesetzt, die unbedingt notwendigen Neueinrichtungen innerhalb der Gemeindeverwaltung durchzuführen. So -.nll insbesondere dafür eingetreten werden, daß die bereits bestehende Darlehnskasse, welche den Anforderungen nicht geaügt, in moderner Weise ausgebaut werde und daß bedürftige inhändler und selbständige Handwerker die Vorteile der Darlehnskasse in ausreichender Weise für sich in Anspruch nehmen können. Weiter wird die Partei dafür eintreten, daß, wie dies in vielen anderen Gemeinden bereits mit Erfolg geschehen ist, eine Werk- BtittC zur Ausbildung jüdischer Arbeiter eingerichtet und daß ein bildet wird, audessen Mitteln den jüdischen Arbeitern nach vollendeter Ausbildung Werk/enge beschafft werden, damit die finanziellen Schwierigkeiten, die sich oft der Ausübung einer leibständigen Tätigkeit entgegenstellen, nach Möglichkeit behoben werden. Auch für die Einrichtung einer sozialen Hilfsdal! den bedürftigen Untermietern ein menschenwürdiges Heim dadurch beschafft wird, daß Siedelungen ausgebaut werden, za deren Ausbau eine verhältnismäßig geringe Kapitalverzinsung erforderlich ist. Die bürgerliche Partei wird bestrebt sein, in der neuen Gemeindeverwaltung für das langersehnte, bisher so rückständige Wahlrecht zu kämpfen. Die bürgerliche Partei wird sieh dafür einsetzen, daß die (ienieindeverwaltung ihren "Einfluß bei den Verwaltungsbehörden dabin geltend macht, daß Ausländern nicht wie bisher grundlos oder aus nichtigen Gründen die Aufenthaltsgenehmigung verweigert wird und wird weiter besonders dafür eintreten, daß die Ausweisungen, welche von den Verwaltungsbehörden oft ohne ausreichende Begründung ausgesprochen und in rigoroser Weise durchgeführt werden, nach Möglichkeit unterbleiben, damit nicht arme Unglückliche, die meist aus Not gegen eine formale (iesetzesbestimmung (Paßvorschriften) verstoßen haben, ihres langjährigen Heimes beraubt und von ihren Familien getrennt werden. Die bii'larlicha Partei hat zur Durchführung dieser Programmpunkte in der Gemeindeverwaltunp; Männer in Aussicht gestellt, die mit der Leipziger jüdisch«! Bevölkerung eng verwachsen und über deren Wünsche und Forderungen genau unterrichtet sind. Jeder, dem die Ziele dieses Programmes am Herzen liegen, gibt am 27. Nov. seine Stimme der Jüdischen bürgerlichen Partei Liste2:Tager - Dr. Landau - Wilh. Zellner Donnerstag, den 24. Njv., 20 Uhr im Burgkeller (Naschmarkt) Wahlversammlung Hauptredner: Kandidat Rechtsanwalt Dr

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