Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 46 (18.11.1927)
- Date
- 1927-11-18
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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Mr. 46 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 beiden Deutschen sind sich dabei nahegekommen. Nach dem kurzen Aufenthalt in Safed verblieb Winterbach etwa noch eine Woche in Tripolis und hat den armen Landsmann nicht verlassen, sondern ihn wohl täglich besucht und ihm den Trost der Gegenwart eines Mitfühlenden gespendet. Ein hübsches Wort aus ihren damaligen Unterhaltungen bewahrt uns Krafft von ihm auf: „Je näher gen Safed, desto ärgerer Jude, je näher gen Rom, desto ärgerer Christ". Wir können daraus ersehen, daß wenigstens von der gewaltigsten (ieisteswelle der damaligen Zeit, der Rcformatnn, die Judenheit nicht unberührt blieb und Abneigung gegen jede Art von l'apisinus auch in ihren Reihen aufwuchs. Am l(i. Mai 1575 reiste Winterbach auf einem venetianischen Schiff wieder nach Deutschland zurück. Der Qefaflgene nah ihm Briefe an seinen Vater und Freunde, auch andere Sachen — wohl einige wohlverborgene Edelsteine — zur Besorgung nach Ulm mit. Hiermit erreichten die Beziehungen der beiden jedoch nicht ihr Ende. Noch nach \5 Jahren besuchte der UntetdeB ergraute Winterbach den in/wischen befreiten und nach \Deutschland zurückgekehrten Krafft, der nunmehr ulmischer Pfleger zu Geislingen war. Er brachte ihm als Ereundesgabe eine große VU eresmuschel und eine Muskat- Jüdische Wähler und wahlerinnen! Die Wahlen zu der Leipziger Gemeindevertretung stehen bevor. Es gilt jetzt, diejenigen zu vereinigen, denen ein lebendiges Judentum Herzensbedürfnis ist. alle die wollen, daß die Gemeindevertretung dir Brennpunkt aller gerechten jüdischen Interessen werde. Zu diesem Zwecke hat sich wie in ganz Deutschland so nun auch in Leipzig die Jüdische Volkspaitei konsütuiert: Das Programm der Jüdischen Volkspartei: 1. Sammlung aller jüdischen Kräfte zur Einheit. Gleiches Recht für alle Richtungen im Judentum. Gleichberechtigung der nicht reichsangehörigen Juden im jüdischen Lehen. Gleichstellung der Frauen im Gemeindelehen. Wirksame Vertretung nach außen. 2. Schaffung eines umfassenden sozialen Hilfswerks. Förderung des jüdischen Handwerks und der jüdisch. Landwirtschaft. Umschichtung der Jugend zu produktiven Berufen. Demokratisierung der jüdischen Körperschaften. 3. Erziehung eines vom jüdischen (leiste und jüdischem Bewußtsein durchdrungenen Geschlechts. Der Jugend muß das Judentum lebendig und lieb gemacht werden. Die jüdische Schule ist zu fördern. Das Hebräische ist als Sprache unserer Vergangenheit und lebende Sprache zu pflegen. Die in den Bar-Kochba-Vereinen verkörperte jüdische Sportbewegung ist zu unterstützen. 4. Ideelle und materielle Mitarbeit an dem vom Völkerbund gewährleisteten Aufbau der jüdischen Heimstätte in I re/Israel Die Ueglunt,' der jüdischen Emigration gehört zu lUMStent Pflichtenkreis. 5. Der Kampf gegen die Feinde des Judentums ist in würdiger Form zu führen. Nur jüdische Leistung, nicht Beteuerung erzwingt Achtung. Jeder, dem die Ziele dieses Programmes am Herzen liegen, der ein starks lebendiges, in der Vergangenheit wurzelndes, die Zukunft bejahendes, bewußtes stolzes Judentum will, gibt am 27. November sune Stimme den Kauditiaiteii der Jüdischen Volkspartei! Louis Tumpowsky, Kegina Pfefferblüth, Elias Hersch Bromberg, Dr. rer. pol. Arthur PietrkOWSki, ür. med. et phil. Fritz Loebenstein, Dr. rr.td. Nathan Kürber, Israel Engländer, Di med. Hans Abelsohn. Berthold Zülzer, Hans Baum Donnerstag, 24. November, abends 8.30 Uhr spricht im grossen Saale des Central- Eingang Gottsched st raSe Rechtsanwalt Dr. Klee, Berlin über die Aufgaben der jüdischen Gemeinde. Gäste wiiikommenl Eintritt frei! I