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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-11-18 · 46 (18.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
46 (18.11.1927)
Date
1927-11-18
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. Jahrgang handelte sich nicht um Ausnahmefalle-, die früher auch hier und da sich ereigneten, daB iler Jude nicht für den Juden, sondern für den 1 andsmann Partei nahm, /u ihm in der Fremde wie in der Heimat sich hingeiogen Fühlte. Von einem solchen früheren Ausnahmefall will ich erzählen. Im April B73 sah* in Tripolis in Syrien ein Deutscher. Hans Ulrich Krafft ms Ulm in Schuldhaft. Di es ei stammte aus altem patrizi sehen Geschlecht, dafrühe den protstantlsehen Olaüben angenommen hatte. 1w.ii damals 25 Jahre alt und etwa als Faktor der Kaufherren \ Mannlich in Augsburg, in deren Handelsniederlassung eben in Tripolis nahe bei Aleppo gesandt worden; wahrend er dort weilte, gerle> an di< Mannlichs in Zahlungsschwierigkeiten. Krafft und deren andere Angestellten wurden -> 1< ihre Burgen in Schuldhaft genommen Kraut wurde :t Jahre festghalten, und wir verdanken seinen Lebenserinnerungeil die Knude von Meyer Vinterbach aus Neuburg bei Diellen. VCil tri.ihren nicht viel von seinem Leben, aber das für uns w irhtige, dafl ei einen deutschen I amiliennamen führte, deutseh sprach und dem I andsmann I rene hielt und seine Freundschaft für das i eben erwarb. Vv .is \\ interbach nach Tripolis führte, wissen wir nicht, aber es tvahrscheinlich, daß er ein Gelehrter war, der einer religiösen oder rechtlichen Frag« nachging. In Neuburg war damals eine weithiiilt höh. jüdisch« Schule, und wie er Krafft sagte, hatte er etwas ni Natu! zu besorgen., Ii war schon damals tausend Meilen nach Ost und Wesl gereist. Safed aber, die Stätte des Propheten Elias, u.ir bis in die neueste Zeit eine fast rein jüdische Stadt von starken religiösen und wissenschaftlichen Leben, das aus allen Teilen der Erde Besucher an sich 70g Wäre die Ar gclegenheit, die Winterbach dort zu erledigen hatte und die nur kurze Zeit brauchte .auch für Krafft von Belang gewesen, also eine geschäftliche, so wüixle er sie uns bei seiner Ausführlichkeit überliefert haben. Krafft aber berichtet uns auch einen Zug starker jüdischer Religiosität von Winterbach, den der Erzähler freilich im (iegensatz zu orientalischer List als deutsches Wesen preist. In jenen Tagen hat Winterbach einen Geldverlust erlitten, um eini, orientalischen oder sephardischen Juden vor einem sophistischen Meinen! zu bewahren. Dennoch hält er aber gegenüber den zum Teil jüdischen Gläubigern zu dem Landsmann, ja er stellt sich von vornherein auf dessen Seite und verschwieg den Glaubensgenossen, ,dall ihm der Vater ihres Schuldners als der Ratsälteste von Ulm wohl bekannt sei. Beauftragt von ihnen, dessen heimatliche Vermogensverhällnisse zu erforschen, gelangte er ins Stadtgefängnis zu Krafft. „Um Georgi (23. April)", erzählt dieser, „kam ein Deutscher EU mir ins Stadtgefängnis, grüBtf mich in deutscher Sprache und drückte sein Erstaunen aus, dafl er einen Deutschen hier und noch dazu in Haft fände." Hier wie auch später erscheint dem Gefangenen Winterbach immer als Deutscher, ja Kraftt ist erstaunt, als er sich im Laufe der Unterredung als Jude bezeichnet. Weder Name, noch Aussprache, noch Kleidung hatten ihn als solchen gekennzeichnet. Offen erzählt er dem Landsmann von dem Auftrag seiner Glaubensgenossen, aber sichert ihm zu, daB er dessen glückliche Umstände ihnen nuht verraten würde. Krafft selbst stellt Winterbach das Zeugnis aus: „Cr hielt treulich Wort." Viemehr, als das Glück, sich in der gemeinsamen Muttersprache eröffnen zu dürfen, hat dieser ihm nicht gewähren können. Die Sonntag, den SSO. November spricht im Concardia-Festsaal, Gohliser Straße 42 Straßenbahn 9, 12, 20 Prot. Dr. Chaim Uleizmann Präsident der Zionistischen Weltorganisation Zionistische Vereinigung Leipzig Kegiini S Uhr Kiiitritt Jlk. 1.« Kartenverkauf: Buchhandlung f!\. W- Kaufmann, Brühl 8 ' — Zigarrengeschäfte Qebr. feYbtr, Brühl 54, - preismatin, Nikclaistraße 53 und Sekretariat Keilstralk 4 und an der Abendkasse.

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