Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 45 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 45 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 «ach außen gegenüber den Staats- | und Reichs behördeen tu »ertreten, Und seitdem die Organisation in iliren Tätigkeitsbereich auch die Ere/-Jisroel-Arbeit lüncinbezog durch Unterhaltung eines eigenen thoratreuen Knaben- und Mädchen schulwerkes in Ere/ Jisroel wurde in Ihm und einigen anderen Führern mehr und mehr der Gedanke reif, die Fürsorge für den Klall — ob Ere/ Jisroel oder Chuzoh Looretz — ZU einer Angelegenheit der gesetzestreuen Allgemeinheit über Deutschlands Qrenzen hinaus zu machen, um hierdurch gleichzeitig ein Forum zu schaffen, in welchem die vielfachen Wünsche und Erfordernisse der (ieset/estreuen aller Lander ihre Berücksichtigung und Erfüllung finden sollten und konnten. Aus dieser Erkenntnis erwuchs der Oedanke an die Gründung der Agudas Jisroel Weltorganisation, als selbständiger Organisation der Wcltorthodoxic. In zwei Überragenden Persönlichkeiten des Ostens wie Rabbi Jizchok Halevy s .A., dem Verfasser des Geschichtswerkes O'J'VV.X-in min und dem gewaltigen Brisker Raw, Rabbi Chaim Soloweitschick s. A., [and er die notwendigen und begeisterten Mitstreiter, die genügend Ansehen besaßen, die ebenso kühne wie große Idee auch im Osten populär zu machen. Und so konnte denn im Siwau des Jahres 5(i7ü in Anwesenheit der erlesensten Thorafürsteu und einer grolien Anzahl angesehener Vertreter aus den verschiedensten Ländern, in Kattowitz der Qrundstein zu der Organisation gelegt weiden. „Lösung der jeweiligen Oesamtheitsaufgahcn des jüdischen Volkes im (leiste der Thora", so hielt das I osnngswort, das als Hauptziel der neuen Bewegung ausgegeben wurde. Ob für den Osten zur Linderung der materiellen Not der Massen oder zur Erhaltung seiner weltberühmten Jeschiwaus als Kraftquelle wahrer jüdischer Lebensart, ob für Frez Jisroel, damit das Land unserer Vergangenheit und Zukunft wieder als „nVYlpTl in den Mittelpunkt der geistigen ^ind religiösen Erneuerung des jüdischen Volkslebens gerückt und die dort ansässige und einwandernde Jugend im Sinne der Tradition herangebildet und erzogen wird - oder die Vertretung di r allgemeinen religiös-jüdischen Interessen vor den Weltmächten dieses alles wurde Aufgabe der neuen Bewegung. Begeistert wurde der (iedanke der Agudas Jisroel von der gesamten gesetzestreuen Welt aufgenommen. Eine jähe Unterbrechung trat in ihrer jungen, SO verheißungsvoll begonnenen Entwicklung ein, als der Weltkrieg alle Brucken zwischen den Völkern abbrach. Aber sofort nach Beendigung des Krieges wurde das Werk mit Elan wieder aufgenommen, von neuem die Idee unter die Massen getragen, um so die Situation reif zu machen für das Zustandekommen der ersten grollen Tagung. Im Elul des Jahres 5683 traten die gewählten Vertreter aller Länder zur ersten „Knessioh (iedauloh" in Wien zusammen, um gemeinsam über die erforderlichen Maßnahmen zur Hebung der geistigen, religiösen, sittlichen und materiellen Nöte, die durch den Weltkrieg eine unendliche: Vergrößerung erfuhren, zu beraten. Hier konnte mau es erleben, wie der Mann und sein Werk zu einem Quß verschmolz. Die Huldigung, die ihm aul dieser Tagung von den Vertretern aller Länder — ob Chassidim, ob Misnagdim oder die Vertreter der westeuropäischen Orthodoxie — bereitet wurde, war die Würdigung seiner unvergänglichen Leistungen für die Sache der (iesetzestreuen. Als Präsident der Bewegung gefeiert, neben sich den geschäftsführenden Ausschuß als Exekutive und den großen Rabbinischen Rat als oberste verantwortliche religiöse Instanz der organisierten Orthodoxie, konnte er hoffnungsfroh der Zukunft entgegensehen. Und wenn in den seither verflossenen Jahren das Auschen und die geistige Macht der < Orthodoxie sich überall in steigendem Maße entwickelt hat und s. (i. vv. immer stärker werden wird, so ist es nicht zuletzt der rastlosen Arbeit dies.-* "\X1T\ITHS ZU verdanken, dem der Allmächtige die Kraft geben möge, noch viele Jahre zu wirken für das Wohl der jüdischen Gesamtheit, nTixn1?! min ^-un"?'. . a. L. Jüdische Verbände u. Gemeinden Das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main feiert in diesen Tagen sein 'idjähriges Bestehen. Jede jüdische Gemeinde weiß, daß Isenburg als einziges Heim dieser Art dazu dient, in I Häusern mit SD Plätzen schutzbedürftigen und S C h w e r e r z i e h b a r e u K i n dem, g e f ä h r d e t e u J u g e tl d - liehen. Schwangeren, Müttern und Säuglingen Heim- und K i ii d e r s t ä 11 e zu sein. Hunderte von Kindern. Jugendlichen und Frauen aus allen Teilen Deutschlands sind in den jii Jahren des Bestehens Isenburg anvertraut worden Um auch weiterhin allen Anforderungen genügen zu können, bedarf das Heim dringend einer räumlichen Erweiterung. Der Jüdische Frauenbund hat deshalb anläßlich des Jubiläums eine Sammlung eingeleitet und wirbt mit künstlerisch ausgeführten Formuhren um Bausteine zum Mindestpreis von 1. Mk. Aii die Mitglieder dieser Gemeinde, die diese Drucksache erhalten haben, und VCH allem au diejenigen, die sie nicht erhalten haben, richten wir die Ii er/liehe Bitte, dieser Sammlung Beachtung zu schenken und je nach ihrem Können - dazu beizutragen, daß die für den Anbau notwendige Summe (so 10000 M.) aufgebracht wird. Spenden sind zu richten an das Isenburger Postscheckkonto: Frankfurt a. M 8117 (I ran Recha Rothschild für das Heim des Jüdischen Frauenbundes, oder an YiöSS Postscheckamt Leipzig. Ausbau der „Ort " Organisation in Deutschland Wiesbaden. Das Wiesbadener Initiativ-Komitee der „Orf- Oesdlschafl hat am 22, Oktober In der Nassau-Loge einen Vortragsabend veranstaltet, all dem Dr. Michael Traub über „Neue Formen jüdischen Wirtschaftslebens in Osteuropa sprach. Anschließend an den Vortrag hat sieh ein lokales Komitee der Gesellschaft ,,<>r!" gebildet, dessen Aktions-Ausschufl unter Vorsitz, von J. R. Marxheim er die Herren Dr. Hirsch, Dr. Beatus, Dr. Lazarus, Dr. Goldstein, M. Heß und R, A. Liebmann beigetreten sind. Die eingeleitete Sammelaktion ha! bereits einen ansehnlichen Erfolg zu verzeichnen. Mainz. Vor einer zahlreichen Zuhörerschaft sprach am '24. Oktober der Generalsekretär der Gesehsehafi „Ort", Abi Deutschland E. V Dr. Michael I raub, in der Rhenus-Loge über „Umbau des jüdischen Wirtschaftslebens in Ostpreußen". I.iev Redner betonte einleitend, daß die Tendenz und Formen des modernen jüdischen Wirtschaftslebens in Osteuropa nicht nur durch die Ereignisse der letzten Jahre, sondern vielmehr auch durch die jahrzehntelange Entwicklung des ostjüdischen Wirtschaftskörpers vor tiein Kriege bedingt sei. Man könne daher Bedeutung und Tragweite des gegenwärtig sich vollziehenden Umbaus nur dann verstehen, wenn man ihn auch in seinem geschichtlichen Werdegang erfaßt. Das l indringen der kapitalistischen Wirtschafts- Ordnung nach Osteuropa hat bereits in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die wirtschaftlichen Grundlagen der vom Vermittlertum lebenden jüdis.hen Kleinstadt untergraben und vielen ehemaligen jüdischen Händlern jede Existenzmöglichkeil genommen. Gleichzeitig mit der Abwanderung der jüdischen Bevölkerung aus der absterbenden Kleinstadt in die Oroßstadt wandte sich die judische Masse spontan physisch-manuellen Berufen zu. Dieser seit »TAGLICH ÜBER 100000 AUFLAGE 0 Cd UJ CO faue&ipjiger Jeitung BEZUGSPREIS ZSO MOSATUCH M POSTBEZUG 4.42 EiHSCUL. BESTELLGELD CO O CT3 täglich Ober 100000 aufläge«