Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 45 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GhMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. Jahrgar g Herr 1 ustig beantragt Schluß der Debatte; der Antrag wird unterstützt. Der Antrag wird angenommen; es w ird beschlossen, die angemeldeten Rednei noch zu hören und die Redezeit auf 3 Minuten zu beschränken. Herr Kestenbaum wiederholt, daß die Jugend in der Thon erzogen werden müsse, dazu müsse die Gemeinde helfen. Herr Wolf beruft sith auf die Autorität Hr. Carlebachs, der die Ahawas Thora-Schule richtig würdige; die Qegner seien über die Schule nicht unterrichtet; es sei kein Cheder; der Unterricht werde in deutscher Sprache erteilt; die Disziplin sei vorzüglich Redner beantragt, die bisherige Unterstützung bestehen zu lassen. Herr Tumpowsky glaubt, es müsse ein Weg zur Versündigung gefunden werden, da ein berechtigtes Interesse eines Teiles der Oemeindemitglieder vorliege. Eine neue Kommission könne eingesetzt und Iiizu deren I ntscheidung der bisherige Zustand belassen werden; Redner stellt einen dahingehenden Antra«; Diesem Antrat,' stimmt Men Pelz zu. Er ist im übrigen der Meinung, daß es angebracht sei, dem Verein Vhawas Thora den bisherigen Beitrag weiterzuzahlen, da dies innerhalb des Haushaltplanes möglich sei und dadurch der Frieden gewahrt winde. Der Antrag Tumpowsky wird mit 17 gegen 11 Stimmen abgelehnt Der Antrag der Kommission aul Weiterzahlung des Beitrages an den Verein Ahawas Thora wird mit U> gegen 13 Stimmen abgelehnt. Nach einer Pause bemängelt I lerr Stein die Abstimmung, wogegen Herr Vorsteher die richtige Auszählung feststellt. Herr Kestenbaum kündigt an, daß er einen Antrag auf Aufhebung dis heutigen ablehnenden Beschlusses für die nächste Sitzung einbringen werde. Besetzung zweier orthodoxer Lehre ist eilen. Mit Anstellung der I einer Werczberger und Dr. Lipschütz erklärt man >uli nach Besprechung, an der die Herren Stein, Kestenbaum, Dr. Wohrizek sieh beteiligten, gegen 1 Stimme einverstanden. Der nächste aul der Tagesordnung stehende Punkt betrifft das i meindeblatt. Dei Vorsitzende schlägt vor, die Angelegenheit | in nichtöffentlicher Sitzung zu bebandeln, weil persönliche Fragen zu erörtern sind. 1 liergegeu wendel sieb Dubiner, doch wird dem Antrag des Vorsitzenden entsprechend beschlossen. Herr Breslaucr rügt die durch liie Art und die Übermäßige länge der Debatten hervorgerufene Ausdehnung der Dauer der Sit/linken. Besetzung der FrIedhofsverwa11ungsste11e. Für diese Stelle schlägt der Vorstand den FriedhofSgärtner Sierrmund Simon in Schneidemühl vor. Diesem Vorschlag wird allseitig zugestimmt. Herr Vorsitzender macht Mitteilung von folgenden Schenkungen und Zuwendungen: a) Schenkungen von Stoff seitens der Herren S. Oottlieb und S. Hodes für das Gemeindeamt und den Friedhof. b) 1. Aufwertungsschenkung von Herrn und Frau Josef Qarfunkd: 4000 Mk. in Wertpapieren zur Joachim und Blume Oarfunkel-Stiftung. 2. 1000 Mk. in Wertpapieren zur Marcus Harmelin-Stiftung. c) Schenkung der Geschwister Schub von 150 Mk. zur irhöhung der Abel und Esther Schub-Stiftung. d) Schunkung von Herrn und Frau I mil J oske von 750. Mk. in bar zur Vermehrung der I mil und Mathilde Joske-Stiftiing. e) Letztwillige Verfügung der Eheleute Meyer (Max) Kahn, wonach die Gemeinde nach dein Ableben der Witwe 2000 Mk. erhalten soll. Die Zinsen sollen zur Erhaltung und Pflege des Erbbegräbnisses« du Uebcrschüssc zu wohltätigen /w ecken dienen. Der Dank der Gemeinde ist ihn Schenkgebern ausgesprochen. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden Berlin bittet um Nachbewilligung von 700 Mk. für das laufende Jahr. Dies wird bewilligt Für di u Deutsch-Israelitischen Gemeindebund Berlin werden 5(X> Mk. nachbewilligt, desgleichen für den Verein zur Abwehr des Antisemitismus 100 Mk. Die besonder-, der 1 Ürsorgeabteilung wegen nötige Erweiterung der Fernsprechanlage wird genehmigt. Infolge Kurzschluß in der Lichtleitung mußte die Sitzung abgebrochen weiden. Übsr das Wesen der Agudas Jisroel Au- Anlaß der Anwesenheit des Präsidenten der Agudas Jisroel, Jacob Rosenheim, eines der Initiatoren dieser Bewegung, geben wir einem Vertreter der Agudas Jisroel in unserem Blatt Gelegenheit, einige aufklarende Erläuterungen übei da- Wesen dieser Organisation zu machen Die Schriftictiung. Die religiös* Reform de- Judentums in der ersten Hallte des 19. Jahrhunderts, die große I eile der Judenheit Mittel- und Westeuropas der bis dahin allein herrschenden Tradition entin dei Schar der der Ueberlieferung Treuge- ' der Jahre die klare UeberZCUgUng, daß eine | Konsolidierung dei judischen Verhältnisse in ihrem Sinne nur dann eintreten kann, wenn sie der immer weiter um sieh greifenden reli- ^: isen Wandlung mit engstem organisatorischen Zusammenschluß ihrer Anhänger zur Erfüllung und Pflege ihrer gemeinsamen Aufnähen und Ideale begegnete. Männer, wie Rabbiner Samson Raphael Hirsch I. V und 1-ri.; Hildesheimer A , besaßen den Willen und die Energie, diesen Gedanken in du Tat umzusetzen und gründeten — jener in Frankfurt i. M., dieser in Berlin selbständige gesetzestreue Gemeinden. Die verhältnismäßig rasche Entwicklung dieser hingest Gemeinschaften stärkte da- Vertrauen zu dei eigenen Sache und bald konnte man daran denken, ulicr die einzelnen Gemeinden hinaus alle Oesetzestreuen in Deutschland zu eine«r einheitlichen Organisation zur Durchführung i uer gemdasa ne i Aufgabe i zu ammenzu.'assen So entstand du von Hirsch gegründete „Freie Vereinigung für die Interessen deorthodoxen Judentums in Deutschland". Die hierdurch bewirkte Festigung der eigenen Basis mit dem w ieder erstarkten Selbstbewußtsein der Orthodoxie in Westeuropa einerseits und die mittlerweile auch im < »»teil eingedrungenen religiösen Abfallbestrefoungen des Westens andererseits Heß in führenden Qeisten den Wunsch immer lauter werden, die Idee des traditionellen Judentums durch die Schaffung einer weltumfassenden Organisation, welche unter dem Bannet der Thora die auf dem w eilen Erdenrund verstreuten (ilieder des ju- I dischen Volkes vereinigen soll, wieder zum Gemeingut des ganzen Volkes wilden zu lassen Diese Bestrebungen führten im Jahre zur Qründung der Agudas Jisroel Weltorganisation. Der hauptsächliche Schöpfer der Bewegung ist Jacob Rosenheim. Seine eigene I ntwicklung als judische Führer- Persönlichkeit weist mit der 1 ntwicklung dei zeitgenössischen gesetzestreuen Judenheit bis zur Qründung der Agudas und darüber hinaus bis zum heutigen Stand dieser Bewegung so weitgehende Berührungspunkte auf, daß es angebracht erscheinen dürfte, im Nachstehenden seinen Entwicklungsgang im öffentlichen jüdischen Leben zu verfolgen. Das charakteristische Merkmal seiner Wirksamkeit beruhte und beruht auch heute in dem unausgesetzten Streben, durch das moderne Mittel der Organisation als Trägerin und Verfechterin fester Grundanschauungen seine ganze Kraft für die l rhaltung und Mehrung von .""VW und öNV im gesamten Öffentlichen indischen l eben einzusitzen sei es im leben der einzelnen Kehilloh oder im lebendes Klall. Erfüllt von der Sehnsucht, das jüdische Volk wieder im Sinne seiner am Berge Sinai empfangenen Aufgabe a'.s einheitlichen Träges eines alten kostbaren I rbes als apy n?-p nemo in unseren Tagen wieder erstehen zu seh n, weihte ei schon in verhältnismäßig jungen Jahren seine vielseitige Begabung, sein reiches jüdisches und profanes Wissen und überwältigendes Rednertalent der Erziehung der gesetzestreuen Massen zum Klallbewußtsein un l nuij im das geistige, religiöse und materielle Wohl der Gesamtheit Dieses Streben wai es, was ihn, den geborenen Frankfurter, aus dem Rahmen der lokalen Arbeit in seiner Heimatstadt, wo er al- Führcrpersönlichkcit frühzeitig erkannt in die Verwaltung der Empfinden, d. h, zu dem Verantwortlichkeitsgefühl des Einzelnen von seinem großen Vorbild und Lehrer, Rabbiner Samson Raphac Hirsch, gegründeten Israelitischen Religionsgesellschaft gewählt wurde und in deren Vorstand er noch beute führend mitarbeitet, hinausführt) auf die Tribüne des öffentlichen jüdischen Lebens, wo er bald einen überragenden Einfluß gewann aul die Geschäfte der von S. R. Hirse!» ebenfalls ins leben gerufenen „Freien Vereinigung für die Interessin aller gcsetzestreueu Juden Deutschlands", deren / weck es w ar, die gemeinsamen Intel essen aller geset/estreuen Juden Deutschlands nach innen gegenüber dem religiösen Abfall und)