Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-11-04 · 44 (4.11.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
44 (4.11.1927)
Date
1927-11-04
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968785-5968991--1416-4879083
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 44 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 zarus- Wiesbaden, Lazarus- Frankfurt n.M., Dr. i evy- Bonn, Dr. Behren, i-Fürth, Dr. Auer bach-Oöttingen, Dr. Italiener- Darmstadt, Dr. Oalliner-Bertin, Dr. Lehmann-Berlin, Dr, Wulf- Dresden, Dr. G ronhei m - Biel« feU, Dr. Salzb e r g e r -Frankfurt a. M., Dr. Baron-Kaiserslautern, Dr. Dienemann- Offenbach u.a. Anwesend waren ferner Delegierte sämtlicher Jjgendvereine, sowie eine erhebliche Anzahl von Mitglied rn ans Frankfur a. M. inul den naheliegenden Gemeinden, wie Wiesbaden, Mainz, Mannheim usw. Der Generalsekretär der Vereinigung, Herr Götz, gab i.i einem Geschäftsbericht Mitteilungen ober die Tätigkeit des Verbandes auf religiösem und politischem Gebiet. I i betonte, dafi über den Einz:laufgahen der Vereinigung die g r o il e j ü disc Ii e A u f g a b e stän ■ de, an der Weltgeltung des Judentums entscheidend mitzuarbeiten. Er gedachte in diesem Zusammenhang der grollen Londoner Konteren/ von |U26 und bemerkte, dafl die zweite Konteren/, im Jahre 1428 In Merlin zusammen!reten weide. In Verhinderung des ersten Schatzmeisters erstatt 'te der zweite Schatzmeister, Ostberg, Herlin, den Kassenbericht. An Jen Gesehäfts- und Kassenbericht knüpfte sich eine mehrstündige hochinteressante Aussprache, die abweichend von früheren Jahren si.h weniger mit den ein/einen organisatorischen Fragen des Verbandes, als hauptsächlich mit der Arbeit am Gottesdienst und dem religiösen häuslichen Leben der liberalen Juden beschäftigte. Nach einigen unwesentlichen Satzungsänderungen fand die Neuwahl des Vorstandes statt. Neben den bisherigen Vors'andsmitgliederu wurde eine ganze Reihe neuer Vorstandsmitglieder, insbesondere aus dem Reich, hinzugewählt, unter ihnen > ine R ine von Frauen und Jugendführern, Die Diskussion zog sich bis nach Mitternacht hin. Am Sonntag, den Ii. Oktober, vormittags eröffnete im überfüllten Saal des Logenhauses der Vorsitzende, Herr Heinrich Stern, die öffentliche Sit/im^. Er wies darauf hin, daß nach einer Zeit he - tiger politischer Kämpfe die Organisation des liberalen Judentums erdlich da/u kommen müsse und kommen werde, ihren eigentlichen Aufgaben, der Fortbild u n g u u d A usgestaltu n g I e be ndi gen Judentums unter ihren Anhingern, zu genügen. Es sei, so führte er aus, nicht genug, sich lediglich als Wahl- und Kampforganisation nach aulten hin darzustellen, vielmehr sei es nötig, die große geistige Innenarbeit in verstärktem Malte aufzunehmen und sieh in das seelische Aufbauwerk, das sich fach dem Kriege gerade von der Jugend ausgehend auch in die älteren Generationen fortgepflanzt habe, zu vertiefen. Er verlas eine Reihe von Begrüßungsschreiben und Telegrammen, insbesondere vom Ehrenvorsitzenden der Vereinigung, Justizrat Breslauer, dem Präsidenten des Weltverbandes für das liberale Judentum, ('laude Montefiore, sowie von zahlreichen Ortsgruppen und Freunden. Justizrai Blau. Frankfurt a. M. brachte die drillte der Gemeinde Frankfurt, Sanitätsrat Ettlinger die des freisinnigen Vereins der jüdischen Gemeinde Frankfurt und Rabbiner Dr. Selig manu, einer der Mitbegründer der Vereinigung, die der Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands. Dr. ScHgmann wies auf die innige Zusammenarbeit der beiden Vereinigungen hin, die er launig als eine Ehe bezeichnete, in der wohl der eine oder der andere der Gatten einmal eine kleine Extratour mache, nach der sie sich jedoch in doppelter Liebe wieder zusammenfänden. Der Vormittag war ausgefüllt durch Referate unter dem geineinsamen Titel „Individuum und Geinein sc ha ff. Hervorzuheben ist insbesondere das großartige, gedankentiefe und erschöpfende Referat des Herrn Dr. Dienemann, Offenbach, welches die Versammlung zu stürmischem Beifall hinrili. In seinen Ausführungen wog dr Vortragende die Forderungen der Gemeinschaft an den Linzeinen und die des Einzelnen an die Gemeinschaft in feinsinniger Weise gegeneinander ab, nicht ohne zu dem Schluß ZU kommen, dalt, da es sich hier um unwägbare Willensfragen bandele, ein vollkommener Ausgleich nicht möglich sei. In den Spe/ialreferaten verfolgten die Beziehungen des Einzelnen zur Gemeinschaft weiter Herr Ba v c r - Breslau für das Gebie; d,s häuslichen religiösen Lebens und Herr Justi/rat Blau, Frankfurt a. M. für das Gebiet des (iemeindelcbcns. Nach der Mittagspause setzte eine mehrstündige Diskussion e'n, in der sowohl Theologen wie Laien, insbesondere auch Vertreter der Jugend, das Wort nahmen. Im Vordergrunde standen die gottesdienstliehen Fragen. Daneben wurde auch die Frage der religiösen Beeinflussung der Kinder im Hause besonders eingehend behandelt, wogegen bezeichnenderweise die früher im Vordergründe stehenden Fragen der Gemeindepolitik fast vollkommen zurücktraten. So ist hervorzuheben, daß in der au den beiden Tagen andauernden fasl achtstündigen Debatte erst in der letzten Viertelstunde das zionistische Problem überhaupt angeschnitten wurde. Der Vorsitzende wies hierbei auf den bekannten Beschluß des Gesamtvorstandes vom S. Mai d. J, hin, in welchem die Auffassung des liberalen Judentums Von dein Primat der Religion i icdcrgelcgi i.t und \ erkü ulete am Schiuli der Diskussion noch, es stehe für ihn zweifelsfrei fest, dalt damit die Stellung de r V e r ein!U n g z ii in Nation a I j n d e n - tum endgültig beschlossen sei und daß jeder, der sieh auf den Boden dieser Resultation stell« , in der Organisation willkommen sei. daß aber auch die Organisation gewillt sei, in ihren Reihen dieser Resultation < ieltung und Nachdruck zu verschalten. Der Vorsitzende hob in seinem Schlußwort hervor, daß keiner sich dem Einfluß der starken inneren Bewegung entziehen könne, die aus der Diskussion hervorgeleuchtet habe. Diese Tagung, die durch das gastliche Entgegenkommen der Frankfurter Gemeindemitglieder und ihrer Damen verschont wurde, werde1 dien I cilnclnnerti eine unvergeßliche Erinnerung, für die liberale Arbeit in I Deutschland aber ein mächtiger Ansporn bleiben. Bundestag der Agudas .lisroel-Jugendorganisation Wie bereits früher mitgeteilt, findet am -!l '-'t> Dezember in Frankfurt a. Main der diesjährige Bundes- und Delegiertentag der Agudas Jisrod-Jugendorganisation Deutschlands statt. Die feierliche Eröffnungssitzung findet am Samstag, den 24. Dezember abends statt. Im Mittelpunkt der Sitzung wird ein Referat über ,die Politik der Agudas Jisroel" stehen. Der zweite Sitzungstag wird Referate über die Frage „Die Aufgaben der Agudas Jisroel-Jugendbewegung" und „Unsere l.instellung zu l rez. Jisroel" bringen. Der letzte Tag wird die Teilnehmer der Tagung vereinigen zu einer Aussprache über „Die sittliche Ertüchtigung der Jugend". Genaue Einzelheiten, insbesondere die Namen der Referenten und drren Leitsätze werden in Kürze veröffentlicht. Am Nachmittag des letzten lagungs-Tages wird ein Delegiertentag stattfinden, in dem über den neuen Vorort Beschluß zu fassen ist. Außer dem Bundestag wird eine ragung der Westeuropäischen Jugendverbände der Agudas-Jisroel stattfinden. Unsere Gemeinde Elternabend der D. J. J.G. Anläßlich des einjährigen Bestehens veranstaltete die hiesig) Ortsgruppe der Deutsch-jüdischen Jugendgemeinschaft am 29. Oktober einen I Itci nahend. l'eber Erwarten zahlreicher Be-uch zeugte von dem starken Interesse, dader jungen Gemeinschaft entgegengebracht wird Begeisterte Zustimmung fand das mit jugendlicher Begeisterung I targebotene. Begrüßungswortc des < irtsgruppenleiters eröffneten den Abend. Ein trefflicher Vorspruch wies auf die Grundlagen der Bewegung hin: durchzuckt von der Glut, die in lausenden vergangenen Geschlechtern flammte, strebt die Jugend nach jüdischer Tat, sucht den We.' zu ihr, gefördert durch die Freude an den Schönheiten der Natur. E n ■ Ansprache des Landesverbandsvorsitzenden Fritz Borchardt umriß die Stellung der D.J.J.O. als Jugend- und Erziehungsbewegung überhaupt und in ihren Beziehungen zu den anderen Gcmcin-chaften; nicht um eine Kampfstellung zu betonen, sondern nur um die Ab- Bestellungen für feine Konditoreiwaren unter Tel. 20214 oder im Laden Auguslusplatz erbeten. inii.: Ernst Fischer früher langjähriger Pächter der Konditorei „Fürst Reichskanzler"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.