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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-11-04 · 44 (4.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
44 (4.11.1927)
Date
1927-11-04
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. Jahrgang grenzunK Mitzudrücken, sollte darauf hingewiesen sein, dal die D.J.J.G. das Judentum nidri alt dne national gebundene Qemeinschaft ansieht. Qegen einen Einwand von prominenter jüdischer Seite, dal! die Jugendgemdnschafl gegen das Vutoritätsprinzip verstoße, daß im Judentum ausschlaggebend sei, wurde betont dali nicht die Autorität als solche abgelehnt wird, sondern nur der blinde Autoritätsglaube. Schließlich wurde Aber die Stellung /um C.-V. gesprochen: ohne als eine Untergruppe des U.-V. anges.h'ti werden zu wollen, erstrebt die DJ.J.ti. ilas gleiche Ziel, die Schaffung des deutsch-jüdischen Menschen. — Umrahmt waren diese Ansprachen durch verschiedene Vorführungen der jugendlichen Bundesmitglieder: e.n Sau aus der 3. Symphonie Beethovens, vierhändig am Klavier wirkungsvoll vorgetragen, g..t gewählte und nett dargestellte Volkstänze und Lieder. Im /weiten Teile schilderte ein launiges Schattenspid, begleite, von sehr hübschen Versen, den fröhlichen Verlaut einer Fahrt. 1 ine glä izend gelese. e Szene aus Arnolds Zw'dgS „Umkehr" brachte die Anwesende l in ernste Stimmung, die durch einen technisch vorzüglichen Sprecheiter aus Stefan Zweigs „Jeremias" noch »es.eigcrt wurde. Es darf mit Freude festgestellt werden, daß die Veranstaltung ein n ausgezeichneten Verlauf genommen hat. Tie D.J.J.O hat sich s cher •u dem Abend /u den alten viel neue Sympathien ciworb n. Die Not der jüdischen Lnlermieter Wdche lulle von Beschwerlichkeiten, Sorgen und wirtschaftlicher Belastung liegt in dem Worte: Untermieterl Welche doppelte FüLe in der Bezeichnung: jüdischer Untermieter! i - i-t eine dringliche Pflicht geworden, nach .Wittein zu sinnen, um endlich der Not der jüdischen Untermieter abzuheilen Diesem /wecke «.oll eine Versammlung dienen, in der Herr Qemeinderab* biner Cohn über das oben bezeichnete Thema referieren wird. Die Versammlung findet am Dienstag, den S. November, abends 7,30 Uhr im Saale des Küustlerhauses (Nikischplatz) statt. Mle jüdischen I ntermieter, aber auch alle, die Verständnis für die Not der jüdischen Untermieter haben und bereit sind, durch Rat oder Tat /in Abhilfe beizusteuern, sind herzlich gdaden. Es muH ein Weg gefunden werden lr kann nur /um Erfolge fuhren, wenn alle daran mithelfen. M Li, Prof. Chaim YVcizmann in Leipzig Wir hören, daß Prot Dr. Chaim w ei/mann, der grobe jüdische Fuhrer und Staatsmann, anläßlich sdner Anwesenheit in Deutschland Mitte November auch Leipzig besuchen wird. Es sind ■ iiere offizielle Veranstaltungen geplant Wir glauben, in nächstei Nummer bereits nähere i inzdhdten bringen zu können. Eduard Einschlags Hans Driesch-Porträt i jclegentlich der Universitäts-Fdei für den 60-jährigen Prof Hans Driesch am M). < »ktoiu r überreichte d'e Studentenschaft dem Oefeierten das von dem Mengen anerkannten Porträtisten Eduard Einschlag gemalte BUdnil des Denker-, Vor kurzem hatte der Kunstsalon P. Ii. Beyer eine Sonderausstellung veranstaltet, in der eine Anzahl von Bildnissen hiesiger und auswärtiger Kunstler nach Prof. Haus Driesch Vereinigt war. Schon in dieser Ausstellung fiel das von Einschlag geschaffene Bild auf Der Kunstkritiker der L.N.N. nannte es „dal einzige Bild, daß sowohl dein Menschen wie dem Geistesarheiter gerecht wird und dabei in seiner zugleich weichen und energischen Malerei bedeutende künstlerische Qualität besitzt." Wir erfahren, dall die Studenten ausschließlich diCSCS Bild angekauft haben, und freuen uns mit unserem (lemeindemitgliede der darin liegenden Anerkennung. Die Kleinkinder im Erholungsheim Dürrenberg Der Israelitische Kindergarten hatte 11 seiner Zöglinge vom IQ. September bis 23. Oktober im Alphons-Jacobsohn-Heini i.i l.ürrenberg zu einer spaten Sommererholung untergebrach. Da- Heim wir un< freundlicher« eise für diese Zeit vom lsr. Wohl&tigkdtsverein üb rlas«en worden, wofür wir an dieser Stdk nochmals unseren herzlichen Dank aussprechen. Begünstigt durch das wundervolle Herbstwetter konnten wir bes c Erfolge bei allen Kindern verzeichnen, was umso erfreulicher ist, als vorher die Kleinen in besonders schlechtem QesundheltszustanJ waren. Das war auch der Anlaß, dali wir ungeachtet unserer sehr beengten Kaasenverhältnisse - das Wagnis unternahmen, alle zur Verfügung stehenden .Wittel für diesen Zweck zu opfern. Einige gutigst gewährte Spenden eunutigten uns zuletzt noch dazu. Da gerade die Kinderlähmung in Leipzig besonders beängstigend auftrat, müssen wir es als glückliche FüKiine, a .sehen, dali wir den weitaus größten Teil unserer Schützlinge fern von Leipzig, in gesunder, stärkender l litt und unter sorgsamster Pflege und Ut>huf untergebracht wußten. Seit dieser Woche ist dei lsr. Kindergarten, dessen Räume iu/wi chen einigen notwendigen Kenovationsarbeiten unterzogen wurden, wieder in vollem (ian/tagsbetrieb. Neue Bücher Imre Kevesz, Walther Rathenau und sein wirtschaftliches Werk. Dresden 1UJT (Carl Keissner). Es ist nichts Seltenes, dali die w issenschaftliche I dstung eines grollen Menschen erst erkannt wird, wenn sie aus seine.t EiuSdabhandlungeil zu systematischer l'ai .' Illing Iura isge ehalt wird. Auch Rathenau hat in seinen Schriften zu ihn einzelnen Problemen Stellung genommen, von seiner besonderen Betraeh lung der Dinge g .'leitet, hat aber nie diese seine Besonderheit zu klarer Formulierung verdichtet. Für ein Teilgebiet vid.dchl das Wertvollste Unternimmt die vorliegende, aufschlußreiche Arbeit die bis da noch zu lösende Aufgabe: für das wirtschaftliche Werk. Sie fall, das I rgcbniihre eindringenden und umfassenden Untersuchung dahin zusammen, i aß Pathenaus „ökonomische Ideen" zum wertvollsten Out der Dogmeuge« schichte" gehören, „die ihn zu Ihren t krößen zu zählen haben wird." Mit ungewöhnlich scharfem Blick bat er die moderne Wi t chal Und ihre Entwicklungslinien erkannt: mehr als alle seine Zeitgenossen. Die Mängel des Wirtschaftslebens in -einen Grundlagen, seinen Mitteln und seinen Zielen, hat er klar gezeichnet; für ihre Uehcrwndung Wege von hohem Werte gewiesen, hlattddl es sich bei alledem um Fragen, au denen niemand vorübergehen kann, so werden wir Jude i noch besonders durch die Art gefesselt, wie RsihCtatl zu ihnen Stellung gewinnt, zeigt doch seine Betrachtung de Din;e die Höhe jüdisch-sittlicher Weltanschauung. Ur.dJegt Zeugnis dafür ab, dall der dem Judentum sooft zum Vorwurf gemachte .Materialismus unbegründet ist. Alles Materielle ist ihm kein Ziel, sondern ein Mit el. Mitte! rur Entfaltung der menschlichen Seele. „Denn", das ist der (iedanke, der in seinen Schriften immer wiederkehrt, „wir sind nicht da um des Besitzes willen, nicht um der Macht willen, auch nicht um des (ilükkes willen, sondern w ir sind da zur Verklärung des (iöttlic ie.1 aus menschlichem Qeiste." Sinn aller I rdenw rts. haft ist die Er/etlgung idealer Werte. Darum zieht sich du eh alle Erörterungen Kathenauimmer wieder die Forderung, solche idealen Werte zu steigern. — Mögen die Fachgelehrten au den einzelnen Vorschlägen Kritik üben: sie werden nicht umhin können, die hohe sittliche Keinheit anzuerkennen, aus der sie erwachsen: Rathenau will der Enfattuug der Seele Möglichkeiten freilegen; durch He' u ig des allgemeinen Wohlstandes soll die allgemeine Bildung ges.eigcrt werden; du ih FA.SCHUTZ h*»rvorri»q«'n»li! Qualftäfsmobel aus eigener Fabrik. Leipzig KÖrnurstr. 5456

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