Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 37 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr 37 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 mait nicht weit kommen. Audi der Weg der landwirtschaftlichen Kolonisation ist ein 711 langsamer. Jabotinsky wandte sich der Frage des öffentlichen Schutzes in Palästina zu und nannte sie ein quälendes Problem. Nur noch 27b F.ngländer sind heute im öffentlichen Sehnt/. tätig. Im Poli/ei- und (irenzkorps sind '2(KHI Araber, aber nur 2l(> Juden. Jabotinsky erinnerte an die judentnetzelel vom Mai 1921, da das Haus der Chalu/im in Jaffa von uniformierten arabischen Polizisten gestürmt wurde, wobei mehrere Chaluziui den Tod fanden. Man solle auch heute die Beziehungen zwischen Juden und Arabern nicht all/u optimistisch darstellen. lieberhaupt werde die europäische öffentliche Meinung durch rosenrote Schilderungen hypnotisiert. Dennoch, SchloB Jabotinsky, glauben die Revisionisten an die Zukunft des jüdischen Volkes in Palästina. Die zum großen Teil antisemitische englische Beamtenschaft repräsentiere nicht das englische Volk. An dieses Volk müssen wir herantreten, ihm die Wahrheit enthüllen, und es werde sein gegebenes Wort einlösen. Der Delegierte der Bukowina, Dr. Mayer Ebner, wandte sich gegen Jabotinsky und warf ihm vor, daß er durch Begründung einer Sonderpartei die innere zionistische Front zerrissen habe. Schärfei griff Dr. Bileski (Merlin) Jabotinsky au und nannte es verantwortungslos, den Prodrom Teufel an die Wand ZU malen Zum Schlüsse der allgemeinen Aussprache betrat nochmals Dr. Weidmann die Tribüne, um seine Politik zu begründen und auf ilie Kritik der oppositionellen und einiger nichtoppositioneller Redner zu erwidern. Dem Führer der palästinensischen Poa!e Zion, Herl Katznelson, erwiderte er, es sei falsch, von einer Acndcrung des politischen Kurses der l:\ekutive und ihrer neuen Pinstellung zur Frage der Arbeits» kolouisation zu sprechen. Die direkten Vertrüge der Exekutive mit den Siedlergruppen und einzelnen Siedlern seien im Interesse der Kreditwürdigkeit, sowie zur Stärkung des Verantwortlichkeitsgefühls der Siedler gelegen. Es sind also nur sachliche (iründe für diese Maß" nahmen entscheidend gewesen. Dr. Weltmann wandte sich mm der Kritik Qrünbaums und Jabotinskvs zu. Jabotinskys Dogmatik in der Frage der palästinensischen Scmit/truppc rechne wenig mit der Wirklichkeit und gebe die Tatsachen entstellt wieder. Die Frage des Schutzzolles in Palästina ist ebenfalls nicht durch ein Dogma zu lösen, der Schutzzoll ist ein zweischneidiges Schwert, man müsse sehr differenzieren. In einigen Fallen ist die Palästina-Regierung den Industriellen entgegengekommen; tatsächlich ist auf der Seite der Regierung die Tendenz vorhanden, jene Industrien, die sich in ihrer Produktivität bew ährt haben, /u schützen. Fs ist iwahr, daß die englische Administration langsam arbeite, oft aber kommt uns diese Langsamkeit zustatten. Ls ist wahr, daß die Arbeit im l ande viel (ield verschlingt, dies geschieht aber, um die bestehende Not zu lindern und auf ihr kleinstes Mab herabzusetzen, es kann sieh darum nicht alles produktiv auswirken. Dr. Wetzmann charakterisierte eingehend das Verhältnis des Zionismus zur Mandatarmacht und sagte, es sei ein unverbrüchliches Axiom der Politik der I xekutive, um keinen Preis Konflikte mit der englischen Regierung herbeizuführen. Die Regierung müsse oft auf die englische öffentliche Meinung Rücksicht nehmen, die noch von der Nützlichkeit der Palästina-Politik zu überzeugen sei. Es ist dies eine harte Tatsache, mit der man aber rechnen muH. Betreffs der Jewish Agency gab W'ei/mann zu, dall die Frage ihrer Erweiterung Gefahren in sich berge. Man müsse aber den Weg zu Ende gehen. Töricht sei die Forderung, die Finbc/icluing der Nichtziomsten nur auf w irtschaftliches Gebiet ZU beschränken. Der XIV. Zionistenkongreß hat die Erweiterung der Jewish Agency beschlossen, die Chance müsse ausgenutzt werden. Die bisherige Politik der Exekutive müsse weiter befolgt werden. Zum Schiuü appelierte Weizmann an den Kongreß, die notwendigen Maßnahmen zur Behebung der Krise zu beschließen. (I angandauernder Heifall.) Neben den wichtigen Arbeiten der Kommissionen beschäftigten den Kongreß eine Reihe von Referaten. Dr. Art hui Ruppin behandelte in seinein Bericht über die „Grundprobleme des Aufbaues in Palästina" die Probleme der Industrie M. M. Ussischkin referierte über den „Jüdischen Nationalfonds", Dr. \rthur Handke über die Ent» Wicklung und die Aufgaben des ..Kenn hajessod", Kurt Blumenfeld über „Zionismus und die jüdische Gegenwart". (Schluß folgt). -Jüdische Verbände u. Gemeinden K. C.- lagunK m rreiburg i. Br. Der K. C. (Kartell-Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens) hielt in Freiburg i. Br. seinen 25. ordentlichen Verbandstag ab. Aus allen Teilen des Reiches waren K. C'er nach Freiburg gekommen, um vor allem in ernster Arbeit die den Verband betreffenden Fragen ZU diskutieren. Zu Beginn dei Veranstaltung besuchten am Freitag abend dieK.Cer geschlossen den Oottesdienst in der Freiburger Synagoge. Am Sonnabend abend fand der große Festkommers in ih r Harmonie statt, zu dem außer den zahlreichen Chargierten der Kartell-Verbindungen auch Vertreter von Behörden. Vereinen und der Studentenschaft erschienen waren. An dem Kommers haben etwa 100 Personen teilgenommen. Die ernste Arbeit wurde am Sonntag auf dem K. C-Tag selbst geleistet. Zu Beginn gab der _. Vorsitzende Dr. Berlak seinem Bedauern darübel Ausdruck, daß in diesem Jahre /um ersten .Wale der 1. Vorsitzende, Dr. Holländer, nicht persönlich der Tagung beiwohnen könne. Es wurde einstimmig beschlossen, ein Begrüßungstdegramm au Dr. Holländer zu senden. Ferner wurde folglendes Telegramm zur Vorlesung gebrach;: „Den K. C begrüßt mit ihn besten Wünschen für erfolgreiche Verhandlungen der Bund Vereinigung freier Akademiker". Dr. Berlak gab zunächst den Geschäftsbericht und teilte mit, dal! die Zahl der Aktiven sich im (legensat/ /um Vorjahre nahe/u verdoppelt hätte. Das llaiiptrcfii.it hielt Herr Rabbiner Dr. (iold nann-leip/ig Über das Thema: „Probleme der inneren jüdischen Politik". Dr. Gold mann führte ungefähr folgendes aus: Von den vielen Problemen, die den Menschen umgeben, ist das Problem des Abschlusses eines der wcscnilichsten. Sollen wir uns abschließen oder nicht? Mau darf nicht vergessen, dall dann nur die Frage der Taktik entschieden wird, aber nicht des Prinzips. Taktik und Prinzip streiten miteinander. Für uns K. (/er gilt der (irunds.it/, dalt wir vom Allgemeinen uns nicht entfernen dürfen. Iis ist unsere Pflicht und Schuldigkeit, uns nicht abzuschließen. Zur Frage des nationalen Judentums gab der Redner /u denken, daß das nationale 'Judentum unser l eben ganz anders werten will. Fs will das Judentum herausnehmen aus den Kreisen der Menschen und es damit ZU einer Sonderstellung verurteilen, die sich politisch auswirkt. Fs muß von jedem K. C'er Kenntnis der jüdischen Probleme verlangt werden und eine Erkenntnis der Qrundzüge ihrer Entwicklung. Nicht als ob Diskutierklubs herausgebildet werden sollen, auch nicht, um die (Jehergeistigkeit /u vermehren, sondern, wenn in in jugendliche fröhliche Menschen haben w ill, müssen auch diese Raum haben für die Probleme der jüdischen Gemeinschaft Wir wollen keine problematischen Menschen, aber dennoch die Probleme kennen lernen. Als 2. Referent hielt cand. jur. W. S. .Watzdorf f -Berlin cm Referat über die gegenwärtige Lage an den deutschen Hochschulen und berichtete dabei besonders die Ergebnisse des Würzburger Studententages. Nach eingehender Debatte, die insbesondere in der Konzentrierung der Hochschurpolitik im K C. von allen Seiten verlangt wurde, nahm der K. C-Tag fast einstimmig zur Hochschulpolitik Resolution am: W^T „Der 25. ordentliche Verbandstag des K. <(Kartell-Convent der Verbindungen Deutscher Studenten jüdischen Olaubens) 111 Frciburg nimmt in Uebereinstimmung mit den von den früheren Verbandstagungen festgelegten hochschulpolitischen Richtlinien zu dein Ergebnis des Würzburger Studententages folgende Stellung: Der Würzburger Beschluß kann nicht die Grundlage einer Verfassung Bestellungen für feine KonOitnrefmaren unter Tel. 20214 oder im Laden Au^ustusplatz erbeten. Inn.: Ernst Fischer früher langjähriger Pächter der Konditorei ..Fürst Reichskanzler' Sri i —" COR.SO KONDITORS KAFFEE HAU/