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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-09-16 · 37 (16.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
37 (16.9.1927)
Date
1927-09-16
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. Jahrgat g Die l andwirtschaft, fuhr Dr. Weizmann fort, ist von der Wirtschaftskrise fast nicht betroffen. Die bestehenden landwirtschaftlichen Betriebe müssen konsolidiert werden, erst dann könne an die Schaffung neuer Betriebe geschritten werden. Die Executive sorge für die \bleitung dos städtischen Proletariats aufs Land, Die kanadischen Zionisten haben zu diesem /.wirke eine Million Dollai für Bodenkäufe zugesagt Koren Hajes«od und Keren Kajemeth müssen Siethen erträge individuell abschließen,''(Eine Zusammenarbeit der! xckutive mit r/11 er Organen, insbesondere dem Kenn Kajemeth, sei geboten. Das Hauptproblem ist jetzt die I iq tiidi er n ng der Arbeits« losigkeit. Zum Teil werden die Arbeitslosen in dem Unternehmen Ruthenbergs und beim Bau des Hafens von Haifa Beschäftigung finden. 7nr Unterbringung des Restes der Arbeitslosen werden zwei |ahre Vrbeit erforderlieh sein. Der Kongreß müsse sofort für die Her« beischaffung der nötigen Summen sorgen, er dürfe nicht auseinander' gehen, bevoi nicht das Arbeitslosen-Problem gelost ist. Die Disziplin und die Selbstaufopferung der Chahizim sei bewundernswert. Dr. Weizmann wandte sieh zum Schlüsse sehr entschieden gegen die gegen die zionistische Beamtenschaft vielfach erhobenen Vorwurfe. Nach Weizmann ergriff der Präsident der Zionistischen Wciteexkutive \ ,i h u m Sokolow das Wort. Er unterstrieh die wichtige rätigkeit der englischen Zionistinnen und der Jugend, wogegen die Zionistische Organisation Englands hinter den an sie gestellten Erwartungen zurückbleibt. Der französische Zionismus ist im Aufstieg begriffen Südafrika hat in diesem Jahn' Grolles für Palästina geleistet. ilow gedachte auch der Arbeit nichtjüdischer Zionistenfreunde, besonders des Generals Sir Wyndham Deedes. Auch in Amerika hat der Zionismus große Fortschritte gemacht. Beweis: die große amerikanische Delegation auf diesem Kongreß. Die Krise in Palästina werde in der Presse zu sehr ubertrieben. Die Arbeitslosigkeit wird bei gutem Willen überwunden und das Aufbauwerk weitergebracht werden. Es wird dann einem neuen Aufschwünge der zionistischen Bewegung der Weg gebahnt sein. Ms erster Redner in der Generaldebatte sprach für den Mi s räch i Rabbi Meir Herlin. Die Krise sei nicht in Palästina, sondern in det zionistischen Bewegung. Die wichtigste Qrundlage des Zionismus sei die religiöse Die Leitung habe für die vierte Alija nichts getan, und dieses ihr Verhalten komme letzten I ndes am dem Fehlen einer originalen jüdischen Anschauung. Dem Misrachi stelle über allem der Qlaube, die Lehre und die Heiligkeit Israels. Wir wollen eine Erziehung, die begründet ist auf dem Qlauben Israels. Wir müssen zu Oott und /ii Ire/ Israel zurückkehren." \]s zweitei Debattenredner sprach für die Arbeiterpartei Hitachduth Dr Arlosoroff. Ii wolle glauben, daß es auch un Misrachi Menschen gebe, die wissen, dall da*, was auch im jüdischen Felde heut* geschieht, in der l andwirtschaf! und in den Gemeinschaften aufwächst, dem Geiste der jüdischen Religion vielleicht nähet steht als ein politischer Klerikalismus, der sich auf diesem Felde dis innerzionistischen Qruppcnkampfes seine Triumphe holen will. Arlosorofl trat sehr scharf dem gegen die Arbeiter und die Arbeitskolonisation si, ii bemerkbar machenden Kurs entgegen: ohne den Idealismus und den < »pierw illcn der Arbeiterschaft sei ein Aufbau Palästinas einlach undenkbar. Für die amerikaniseschen Zionisten spricht Dr. Stepn.in 5. \X'i s i-. Die amerikenischen Zionisten fragen sich doch manchmal, ob nicht ein allzu großer Teil der Hürde ihnen auferlegt wurde. Die europaischen Juden dürften SO keineswegs in ihren Anstrengungen nachlassen. Die Palästina-Regierung hatte einen Budgetüberschuss von einer Mikron Pfund erzielt, der durch jüdische Opfer und durch judische Leistung crmögfkhl worden ist. Der Redner appellierte an die britische Regierung, den Aufbau des jüdischen Nationalheims aktiv zu unterstützen, und sagte, es sei für die Pili« itina-Regierung eine Diskretierung, wenn si.- angesichts einer im Lande bestehenden scharfen Krise die gemachten Ersparnisse nicht zum Wohl« v i andes verwendet Im Namen seiner amerikanischen Freunde warnte er von Nervosität. Hysterie und Defaitismus. Für den Verband der Poale Zion kritisierte Herl Katsnelson in .um großangelegten Re h die Methoden der britischen Verwaltung und der Behörden in Palästina, die, statt die Aufbauarbeit zu fördern, s,,- durch Unverständnis und Chikane hindern. Bei einem leii der Beamtenschaft macht sich sogar ein ausgesprochener Antisemitismus bemerkbar. Die gegenwärtige Krise, fuhr der Redud fort, ist mehr eint Krise dei zionistischen Bewegung als da» Krise der Palastinaarluit Die vierte Alijah wurde von der zionistischen Leitung nicht kontrolliert, man Überließ sie der Spekulation; dies ist mit ein Grund, warum sie scheiterte. Der Aufbau sei nur im Einvernehmen /w ischen den Pionieren und den anderen Elementen möglich. Es muH ein Kontakt /wischen allen Kräften und Teilen der Bewegung herrschen. I eider w ird der Kontakt meist durch die Zionistische Administration gehemmt. In einer /.reit, in der in Palästina die Arbeiter treu auf ihrem Posten wie in Schützengräben leben, hielt es ein Teil der Zionistischen Organisation für passend, die Arbeiter /u beleidigen. Die Zionistische Organisation müsse beschließen, ob sie mit der Arbeiterschaft oder ohne sie zu arbeiten gedenkt. Wir glauben, daß die reine Logik ihr den richtiigen We<j zeigen wird. Es spricht sodann namens der radikalen Zionisten Jize Ii a k (irünbaum. In den Programmroden der beiden Präsidenten sei eine gewisse Müdigkeit /um Ausdruck gekommen. I>ie Leitung sei von dem Zweifel au die Möglichkeit befallen, daß die zionistische Wahrheit das ganze Volk erobern werde. „Wenn wir sagen, wir wollen nicht allein aufbauen, so heillt das, daß wir nicht au den Sieg der zionistischen Wahrheit glauben. Ein Zionist darf oeni Nichtzionismus nicht das gleiche Recht zuerkennen, wie dem Zionismus." Weizmann stehe /wischen zwei Feuern, dem von rechts und dem von links. Bisher sei es ihm gelungen, die beiden Flügel zu verbinden. Diese Verbindung könne nicht weiter existieren. Weizmann habe zu wählen, ob er mit Hitachduth gegen I th Liwnoth oder mit Eth Liwnoth gegen Hitachduth gehe. Beides zusammen könne nicht sein. Linen Höhepunkt in der Generalaussprache bildete die j>rolle Rede Jabolinskys, des Begründers und Führers der Zionisten-Revisionisten. In seiner Rede kam er zu eleu folgenden Schlüssen: Größer als du- Tragödie der 8000 arbeitslosen und vielleicht hungernden Menschen iu Palästina ist die Tragödie des jüdischen Volke., dem die Tore Palästinas gesperrt sind. In den letzten sieben Jahren sind insgesamt 72000 Juden in das I and gekommen, also im Durchschnitt jährlich etwa 10000. Die natürliche Zunahme der arabischen Bevölkerung betrug aber mehr als diese Zahl, so daß die Hoffnung, daß die Juden in Palästina einmal die Mehrheit der Bevölkerung bilden werden. begraben werden müßte. Jetzt aber ist die Stagnation vollkommen, die Einwanderung ist gestockt. Dies ist du- Frucht einer Regierungsmethode, die. statt kolonisatorisch /u sein, alles getan hat, tun dem kolonisatorischen Element die Lebensmöglichkeil zu unterbinden. Durch das System der Steuern, Zolle und Verkehrstarife hat die Regierung der Industrie den Atem genommen. Große Fabriken wie die des Wieners Delphiner und des Amerikaners Bloom mußten geschlossen werden. Als es schon zu spät war. schenkte die Regierung den Forderungen nach einem Zollschutzsystem (iehör. Die Silikatfabrik findet keinen Absatz für ihre Erzeugnisse im lande, da der Ziegeltransport von einer Station Palästinas zur alliieren teurer zu stehen kommt, als z. B. der Transport von Inest nach Ilaila. Nur eine radikale Umstellung der Administration zur einheimischen Industrie wird Arbeit und damit Einwanderungsmöglichkeil schaffen. Mit Notstandsarbeiten wird i EUGEN KELHETTER Inhaber: Carl Koch LEIPZIG Während des Neubaues: l'etersitralk 17 Grimmaisdie Sir 17 B (neben Salomo-Apoilieke) Fernsprecher 25113 ® Erstklassiges Geschält feiner Herren-Mode-Artikel Slets das Neueste in Krawatten Spez.: Oberhemden nach Mali

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