Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 29 (22.7.1927)
- Date
- 1927-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN REI.IGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3 jahrgtn« als ordentliches I ehrfach einzurichten, wenn durchschnittlich mindestens zwölf Kinder des betreffenden Minderheitsbekenntnisses in der Schule vorhanden sind, die am Religionsunterricht teilnehmen, 3, Die Bestimmungen über Lehrplan, Lehr- und Lernbücher für den Religionsunterricht werden im Einvernehmen mit der Religionsgesellschaft erlassen. Auch bei der I estsetzung der Zahl der diesem Unterricht zur Verfügung stehenden Wochenstunden wirkt die Religionsgesellschaft mit k 15, Privater Religionsunterricht. I. I alls in einer Qetncinschafts- oder Bekenntnisschule für die Bekenntnisminderheit wegen zu geringer Schülerzahl Religionsunterricht nicht erteilt wird, sind auf Wunsch der Erziehungsberechtigten /ur Frmöglichung eines privaten Religionsunterrichts Schul räume nebst Heizung und Beleuchtung unentgeltlich bereitzustellen. DU weiteren Voraussetzungen und den Umfang der Bereitstellung bestimmt das Landrecht. 2. Für Kinder, die einem Bekenntnis angehören und eine bekenntnisfreie Schule besuchen, ist auf Wunsch der Erziehungsberechtigten in gleicher Weise ein privater Religionsunterricht zu ermöglichen, es sei denn, dafi innerhalb der Gemeinde die Möglichkeil zum Besuche des ReHnonsunterrichts in ihrem Bekenntnis au einer Gemeinschafts- oder Bekenntnisschule besteht S K>. Einsichtnahme in den Religionsunterricht Zur Einsichtnahme in den Religionsunterricht bestellt der Staat im Schulwesen erfahrene Beauftragte, die von der Religlonsgeseüschafl vorgeschlagen werden. Den obersten Stellen der Religionsgesellschaften ist Gelegenheit zu geben, sieh davon zu Uberzeugen, ob der Religionsunterricht in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen der Religion*- gesellschaft erteilt wird. \ (Der vom Kabinett einmütig beschlossene Entwurf findet schärfsten Widerspruch in den Kreisen der Deutschen Demokratischen Partei und der Sozialdemokratischen Partei, die ihn als rückschrittlich und den Grundsätzen der Weimarer Verfassung widersprechend bezeichnen. Gegen den Entwurf wird eingewendet, da!i sich in ihm der Qedanke der Konfessionalisierung hemmungslos durchsetzt und daB er juich die freie Entfaltung der Lehrerpersönlichkeit behindern wurde. Der flntwurl wird den Reichstag in seiner nächsten Session beschäftigen; es stein fest, daß Zentrum und Deutschnationale Volkspartei für ihn stimmen werden; die Haltung der dritten Regierungspartei, der Deutschen Volkspartei, steht noch nicht ganz fest, so daB mit einer Qesetzwerdung des Entwurfs noch nicht sicher gerechnet werden kann.) (j.r.A.) Die Investierung von privatem Kapital in Palästina Von Dr. Ernsl Wöllstein Du Verfasset dieses Artikels ist der Leiter der rreuhandstelle Haomen in Haifa, die sieh mit der Anlage und Verwaltung von Kapitalien in Palästina für außerhalb Palästinas wohnende Juden beschäftigt. Zur Zelt ist er in Berlin. Der Besit voi I igentum in Palästina war von je her für die Juden hu Golus eine der vornehmsten Pflichten. Für den Bodenkaut in Palästina gibt es viel« erleichterte Vorschriften im jüdischen Schrifttum. \u.h heute besteh! bei sehr vielen Juden, besonders bei den traditionellen, der V. unsch nach einer Anlage eines Kapitalteils in Palästina. Gibt es rentable Anlagemöglichkeitcn für Kapital in Palästina? Und welche sind es? Man muß hier J Kategorien von Anlagen unterscheiden die eine von der hier nicht ausführlich geredet werden soll, im un Anlag« von Kapital sei es in Fabrikation, sei es in der Landwirtschaft, od« .iii Handel oder Verkehrswesen, wenn der Anlegende seihst als Fachmann Jas Kapital beaufsichtigt und verwaltet. Hier niht es »t vieh Möglichkeiten, daß auf Einzelheiten nicht eingegangen werden soll. Es kann nur gesagt werden, daß Beispiele genügend vorhanden sind, daß tüchtige Fachleute, wie uberall so auch in Palästina reüssieren. Die zweit« Kategorie, die gerade für den Juden außerhalb Palästinas von speziellem Interesse ist, sind die Anlagen rein kapitalistischer Natur, I h sokhe bei denen Mitarbeit t|e< Kapitalisten nicht in Frage kommt. Ich möchte hier wiederum eine Kategorie von Kapitalinvestitioii nicht im ein/einen behandeln, das sind sogenannte Luxusinvestitionen. So wenn jemand ein Eigenhaus an einer schönen Melle Palästinas aul dem Karmel oder in Talpioth baut, sich t im n schönen Ziergarten anlegt und nicht soviel Gewicht darauf legt, daß tl.t- Haus ihm. solange er nicht darin wohnt, besonders hohe kenien einträgt. Ms rentable Investitionen haben sich In Palästina speziell Pflanzungen hu bewässerten Böden erwiesen. Im großen und ganzen spricht in,m heute -ihr viel von Orangen. Aber auch Bananen sind ertragreich und jede Art von bewässerter Kuhur, mag es sieh um Viehfuttei oder i lemüse handeln Spe/iel! die I Irangen haben seit dei (Irganisierung des Absatzes, die von der Orangenpflanzergesellschaft Pardes durchgeführt worden ist, teilweise phantastische Erträge gebracht. Gärten, deren Ncu-r anlagekosten bei heutigen Preisen einschließlich Boden 70 Sil engl. Pfd. pro Dunam (1 Dunam 919 um) betragen, brachten Erträge von du 70 engl. Pfund., was Nettoerträgen von über 5(1 engl. Pfund entspricht Der vorsichtige Rechner wird selbstverständlich nicht mit den phantastischen Zahlen dieses Jahres rechnen dürfen, sondern zufrieden sein, wenn er a longue für seine Orangen Nctto-Frträge von 20 -'"-> engl. Pfd., was auch noch einer 25prozentigen Verzinsung entspricht, erzielen kann. Die Frage ,1er Bananenpflanzungen ist aus verschiedenen Gründen noch nicht abgeschlossen. Obwohl der Export noch nicht organisiert ist, hat man bei Bananen recht hohe Nettoerträge im Verhältnis zu den Investitionen (Hhi »/o und darüber) erzielt. Allerdings gab es auch Bananen, in denen der Wind di< Blatter gespalten hatte und die keinen großen Ertrag brachten. Die Frage des Windschutzes der Bananen steht jetzt im Mittelpunkt palästinensischer Diskussion. Was sonstige Anlagen auf bewässerten Boden betrifft, (Heu, Gemüse, Viehzucht) so scheinen mir diese Anlagen bei aller guten Kentabilit.il doch mehr in den Bereich derjenigen zu lallen, bei denen mau persönlich seinen Manu stellen muß. Die Anlage von Kapitalien in Rentenhäusern ist /.. Zt. eine fragliche Angelegenheit. Es besteht die Gefahr, daß die .Wielen, die in Tel Aviv bereits gesunken sind, auch in Haifa und Jerusalem sieh so senken werden, daß keine besonders gute Verzinsung herauskommt Dagegen findet mau mit Rücksicht auf die Kapitalknappheit in Palästina sehr gute Objekte für die Beieihuug in Form von Hypotheken aul Häuser oder Orangenpflanzungen, iiier wird noch ein ziemlich hoher Prozentsatz für die Zinsen erzielt, was zusammenhangt mit den allgemein höheren orientalischen Zinsniveau. Man findet Hypotheken, die kaum ein Drittel lies Wertes des belieheuen Objektes darstellen. Obwohl in Palästina /. Zt. eine gewisse Krisjs herrscht, so kann mau sagen, daß speziell der Pflanzungsbau innerhalb der Krisis eine gewisse (läse darstellt, und dall die Investierung m Orangengärten, wenn sie sachgemäß angelegt ist, auch heute noch eine recht rentable Anlage darstellt. Wenn sich die Juden wieder der Gewöhnheit ihrer Eltern, Oeld in Palästina anzulegen, erinnern werden, so gibt es genug Möglichkeiten für sie, diese ihre Pflicht zu erfüllen. Jüdische Verbände u. Gemeinden Jüdische .Musikwoche in Frankfurt a. M.!:: der vorigen Nummer de« Grmeindeblattes hat Herr Licht bereits ausführlich über die jüdische Musikwochc in Frankfurt berichtet. Fs sei mir nur gestattet, etwas allgemeines hinzuzufügen: Hakenbekreuzte Jünglinge oder ähnliches haben wir in Frankfurt erfreulicherweise nicht gesehen, dafür desto häufiger die Fahne der Republik. In den drei beschriebenen Konzerten, die lange vorher ausverkauft waren, sah man jüdisches und christliches Publikum erwartungsvoll und aufnahmefreudig friedlieh nebeneinander; alle hielten musterhaft auf ihren Plätzen bleibend, bis zum Schlüsse aus, obgleich die Programme mehr als lang waren. Fs war den Frankfurter Juden eine Ehrensache, die jüdische Musikwoche zu besuchen. Vom künstlerischen Standpunkte aus hätte man gewünscht, die Frankfurter Chöre vereinigt ZU sehen. (Wir waren in Unseren Vorschlägen noch weiter gegangen und wollten durch Hinzuziehung der Synagogenchöre von Mainz und Wiesbaden einen Kiesenchor aufstellen, um Hervorragendes in der kiesenhalle auch künstlerisch vollendet zu Qebör zu bringen. Leider hat man dem nicht Rechnung getragen. Auch die Aufstellung des Programms entsprach durchaus nicht unseren Wünschen; denn wir hatten eine historische Entwicklung der Synagogenmusik vorgeschagen, eine Reihenfolge, wie wir selbst sie in unserer neulich ah^ehaltoncn Rundfunkstunde i in Leipzig geboten haben. In Frankfurt, vor einem internationalen