Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 29 (22.7.1927)
- Date
- 1927-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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29 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seile 3 Publikum, mit heinahe unbeschränkter /Vit (wir in Leipzig hatten mit Vortrag und Gesängen nui « in-' Stunde ror Verfügung) bätl«- man iiik h ungleich mehr Wortvolles und Schöne« bieten können. Man wird uns diese kritischen Bemerkungen nicht verargen dürfen; <it um wii sind die Anreger der jüdischen Musikwoche im Rahmen der „Musik im Leben üer Völker" in Prankfurt a. M.'und hatten uns die Vorführungen nach den angedeuteten Richtungen hin ergibiger gedacht. Aber alle Choristen der aufgetretenen (.höre waren Juden. Frankfurt hat eben eine jüdische rradition. Zu den Feiertagen (besonders zu .im hohen Feiertagen) stellen sich ehrenhalber so viele musikalische Damen und Herren zur Verfügung, daß stets ein wahrhaft impoanter, klangvoller Chorkörper vorbanden ist. (Sollte etwas ähnliches in unserer Gemeinde wirklich nicht möglich sein?) \ in Ii die jüdische Abteihing im Ausstellungsgelände war ZU wenig beschickt. Und doch gibt es in Frankfurt selbst ein jüdisches Museum, welches, obgleich noch klein, doch schon allerlei Dinge, die jüdische Musik betreffend, besitzt. Soviel über das Musikalische. Ich kann es mir abet nicht versagen, etwas von der wirklichen l eierstunde mitzuteilen, die wir in Frankfurt erlebten, ich meine die Stunde auf dem alten jüdischen Friedhofe. Von dem besten Kenner auf diesem Gebiete, Herrn Prof. Dr. Hülsen, dem weitbekannten und geschätzten Steinkonservatoi geführt, konnten wir (die Mitglieder des Allgemeinen deutschen Kantoren-Verbandes, der in diesen Tagen seine Generalversammlung abhielt und zu der dankenswerterweise unsere < iemeinde auch mich gesandt hatte) eine Andachtsstunde erleben. Dieser alte, alte, ehrwürdige Friedhof! Der älteste Stein zeigt das Jahr 1272, und das ist ein Grabstein, der ZU tage liegt. Darauf angewiesen, ihre lieben nur an diesem Orte zu begraben, haben die luden Frankfurts, sobald der Friedhof vollbelegt war, eine neue Erdschicht auftragen müssen, und so hat der forscher bis zu sieben ichichten gezählt. 7uhi Steine liegen zu tage, nach vorsichtiger Schätzung 20000 unter dei l rde. Wie alt also mag wohl der älteste siein sein?! Welche Vergangenheit! Welche Tradition! Vtit I lanke Worten von dem Führer Abschied nehmend, wandten VS II Ulis den I eilenden zu. (Ilaupikantor S. I.ampel.) iiund der jüd Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands Km ( Juli d. J. fand in Köln a. Rh. die gut besuchte diesjährige Generalversammlung des Hundes jüdischer Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands unter tatkräftiger Mitwirkung der Zentralwohlfahrfsstelle der deutschen Juden statt. Anstelle des ausgeschiedenen Herrn Kareski-Berlin wurde Herr Dr Philipshorn zum Vorsitzenden gewählt. Fernerhin wurde Herr Prof. Dr. Seligmann-Berlin in den Vorstand zugewählt, \.i>b Erstattung des Geschäftsberichtes, der sich mit dem Ausbau des Bundes und mit der Fortführung der in Düsseldorf im Vorjahre begonnenen Arbeiten auf den Gebieten der Chefarztversicherung und insbesondere der sozialen Krankenhausfürsorge beschäftigte, wurde das Hauptthema: „Wie werden Pfleglinge ritueller Anstalten nahrhaft, abwechslungsreich und dabei sparsam ernäjirt?" eingehend behandelt. Den vier Referaten über die I rnährung in Krankenhäusern, in Altersheimen, in Kinderheilstitten und die Wirtschaftsführung, unter besonderer Berücksichligung der Peüachwoche, dienten die von Anstalten beantworteten i ragebogen und eingereichten Speisezettel als wertvolles praktisches Material. ' Herr Geheimrat Prof. Dr. Strauß-Berlin betonte die Wichtigkeil dei Beobachtung neuzeitlicher wissenschaftlicher Ergebnisse der I mahl Hilfswissenschaft und der Diätvorscbrifleu. Er empfahl an Stelle der für Kleinbetriebe zu kostspieligen Diätküchen, wenigstens die I inStellung speziell vorgebildeter Diätschwestern. Ferner berührte er eingehend die Koatcnfragc der rituellen Wirtschaftsführung. Das Referat vor Herrn Dr. Freimann-Frankfurt a. M. ging aut die in Altersheimen übliche Ernährungsweise ein und schilderte die besonderen Bedürfnisse des Alters und die auf deren Eigenheiten gebotene Rücksichtnahme. Referent gab Anleitungen fttl die zeitliebe I inteiluttg und die Zusammensetzung der Mahlzeiten. Herr Dr. Stahl-Berlin erörterte auf breiter medizinischer Grundlage Fragen zweckmäßiger Ernährung für in Heilstätten untergebrachte Kinder, die der körperlichen Eigenart der Pfleglinge angepaßt sein muß. Besonders wertvoll sind seine nach Art, Metigen, Nährwert und Pi eisen zusammengestellten Nahrungsmittel, die für Kiudcrheilstitten in Frage kommen. Die kegeln der Wirtschaftsführung unter besonderer Berücksichtigung des rationellen Einkaufs sowie Vorschlägen dir eine gute Vorbildung und dauernde Nachschulung des yirtachaftsperaonala, faßte Frl. Lude Laqueur-Frankfurl a. M. in sehr prägnanter und eindrucksvoller Weise zusammen. Die Aussprache ergab folgende Feststellungen: 1. Die rituelle Wirtschaftsführung in Anstalten verteuert den Qesamtbetrieb nicht erheblich. Sie würde sich noch verbilligen, wenn die Koscherwaren-Händler sich zu einer Herabsetzung der zum Teil viel zu hohen Preise verstehen wurden. Der Bund jüdischer Kranken- und Pflegeanstalten wird beauftragt, Schritte zur Abhilfe zu unternehmen, i 2. Die neuzeitlichen Ergebnisse der Ernährungs- und Diätwissenschaft, welche eine gröbere Individualisierung verlange^, sind von den Anstalten mehr zu berücksichtigen. L i. Die Ausbildung von Diätschwestern in Krankenhäusern und ha*iswirtsi halllichem Personal in allen Anstalten der Gesundheitsfürsorge, sowie vertiefte Vorbildung der Anstaltsärzte auf dem Gebiet des Eränährungswesens ist durch lokale Kurse und praktische Unterweisung im Anstaltsbetriebe zu fördern. \ I in ausführlicher Druckbericht über die Tagung wird in Kürze erscheinen und ist zum Preis von etwa Mk. I. beim Bund der jud. Kranken- und Pflegeanstatten, Berlin N i4, Oranienburger Straße Ii 14 ZU beziehen. Unsere Gemeinde Von der Rundfunkstunde am Mittwoch, den 1:1. Juli tiber die in der vorletzten Nummer unseres t iemeindeblatts angekündigte Rundfunkstunde schreiben die „I eipziger Neuesten Nachrichten" : „l iu Abend ohnegleichen aber ging unter dem Titel: Alte hebräische Musik Geschickt und taktvoll konferierte der Leipziger Hauptkantor l auipel die Gesänge. Niemand wird ohne Schauer die uralten Formeln des Priestersegens, niemand ohne Ergriffenheit das Kaddisch gebort haben. Niemand wird die fromme Bezauberuug leugnen, die von den synagogalen Melodien unentrinnbar ausging. Und niemand wird empfindungslos dafür sein, daß hier einer der tiefsten Gründe überhaupt, die Gottseligkeit, sich offenbarte. Lampel war seiner Sache ein hinreißender Anwalt, ein Vorsänger ganz edlem Geblüts, mit einer eminenten, dunkel schimmernden Stimmt. Zwei eigene Kompositionen führten eine uralte Tradition fort, stellten nur die Orgel als drittes Element neben Kantor und Chor (mit gutem Sopran!) mehr in den Vordergrund." — Wir können zu unserer Freude mitteilen, daß diese Kundfunk-, stunde nivbt nur hier in Leipzig bei Juden und ( bristen vollste Anerkennung gefunden bat, sondern daß auch von 'weit und breit (Schreiberhau, Birkenfeld, Bayrische Pfalz) Dankschreiben eingelaufen sind, welche eine baldige weitere l unkstunde erbitten. Mau darf in dieser Veranstaltung also eine Tat sehen, welche dem jüdischen Namen zur Ehre gereichst. Versammlung Dienstag, den 2. August, präzis 8,30 Uhr abends findet im Feurkhsaal, Schulstraße I eine Versammlung des Schekelzahler mit dem Thema: Kongreßfragen statt. Als Redner sind gewonnen worden: die Herren Kurt Blunienfeld, Berlin; Dr. Nach u m Gold mann, (Berlin und Dr. Aron Barth, Berlin. Zionistische Vereinigung, Leipzig. KONDITOREI KAFFEEHAU/ Bestellungen für feine jfljgjgl unter Tel. 20214 oder im Laden Augustusplatz erbeten. leh.: kirnst Fischer trüber langjähriger Pächter der Konditorei „FSrst Ralcäskanilar"