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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-07-08 · 27 (8.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
27 (8.7.1927)
Date
1927-07-08
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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;«lle 1 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMKINDE, LEIPZIG 3. JanrganK Nicht immer aber sind die Erzählungen, die im Volksmunde umlaufen, einfache Erfindungen. In den Lippeschen Akten linde! sich folgende Geschichte, die damals im Delmoldischen passiert ist. Vor der Kommission erscheint eine jüdische Witwe und erklärt, daß sitden Wunsch habe, mit ihren Kindern den Namen Fixamis zu tragen, und auf die Frage, wie sie denn auf diesen sonderbaren Namen verfallen sei, antwortet sie, Gott habe ihr das im Traume eingegeben. Kr habe ihr mehreremals zugerufen: „Du sollst Kxames hei« Ben!", und sie wolle (iottes Willen erfüllen, und sei fest entschlossen, diesen und keinen andern Namen zu tragen. Und sie hat dann nach Ausweis der noch vorhandenen Akten diesen Familiennamen bekommen. Wenn wir mit der Bahn nach Detmold kommen, so begrübt uns gegenüber dem Bahnhofe eine Fabrik der Firma Examtis. Dagegen konnte ich gelegentlieh einmal beobachten, wie eine Namensanekdote im Entstehen ist. Ein Bekannter bittet mich, wie das oft geschieht, um Material zu einem Vortrage Über jüdische Namen. Dabei erzählt er mir auch von den Indischen Namen seiner Heimat. Da sei eine Familie Kunz und eine mit Namen Hopp. Als bei der Namensgebung in Schlimm eine Weihe von Juden in das Amtszimmer getreten seien, habe der Amtsvorsteher gezählt: „jedin,d\va,tri,cz\voro, koniec" (polnisch: „eins, zwei, drei, vier, Schluß!"). So habe man verstanden, daß der zuletzt Eingetretene Koniec (ausgesprochen kunetz) genannt werden sollte, und auf diese Weise habe er den Namen K u n z bekommen. In gleicher Weise sei der Name Hopp entstanden, da Hopp die polnische Form sei für das deutsche „Halt". Da die Behörde, die die Namen in Schrimm festgelegt hat, keine polnische, sondern eine preußische, und zwar deutschsprachige gewesen ist, so fragte ich den Erzähler unter Hinweis auf diese und andere Bedenken sofort: „Wo hat man das erzählt, und wer hat das berichtet?" „Das hat mir niemand erzählt. Das denke ich mir so", lautete die Autwort, „denn das kann doch gar nicht Mindere gewesen sein!" Wahrscheinlich haben die Namen Hopp, auch Happ und Hoppe mit dem Handel mit Hopfen (ud. Hopp und Hoppe) zu tun. Falsche Etymologien sind etwas anderes. Wenn z.B. der Name Struck auf französisches Astruc zurückgeführt wird, so ist das einfach ein Irrtum. Der Name gehört zusammen mit Strick und Stricker und weist auf das Uewerbe oder den Handel mit Seilerwaren hin. Wenn dar gegen die Familie Dalberg erzählt, daß sie nach den Grafen Dalberg wegen deren besonderer Judenfreundschaft benannt ist, so liegt hier ebensoviel Grund vor, ihr zu glauben, wie wenn umgekehrt die Familie Wertheimer in Wcrtheim wegen des Widerspruchs eines Fürsten von Wertheim diesen Namen ablegen mußte und dafür den auf ihren Vater hinweisenden Namen Benario annahm. Der bekannte Künstler S c h m u 11 e r in Amsterdam wurde gefragt, wie er zu dem komischen Namen gekommen sei, ob es denn keinen schönem gäbe, den er annehmen könnte. Er erwiderte schmunzelnd: „Aber das ist doch schon mein Künstlername." Die wunderlichsten Namensänderungen kann man in Amerika erleben. Dali ein Weibmehl aus Polen in Chicago zu einem einfachen Weib, ein Schwartzhaarzu einem Schwartz, Lubranecki und Lubrzynski zu einem Lubin wird, ist eine Kleinigkeit. Die Namen ändern sich dort ja schon durch ihre Aussprache. So wird der Nachkomme des Hamburger Loewenstein ohne orthographische Aenderung „Lauenstien", der bekannte Loch „Loob" Lewi wird Lihwei ausgesprochen, Weib dagegen Wise geschrieben. Aber da gibt es eine Familie Beavantrou, deren Name Biewentrau klingt. Sie hätten früher Bloch geheißen, erzählt man, und wären aus dem Elsall zur Zeit lies ersten Kaiserreichs nach Paris gei kommen. Da hätten sie sich ins Französische übersetzt: Bloch „B vor Loch", also „B avant trou", zusammengesetzt i Beavantrou, und nach der Uebersiedlung des Sohnes nach New York ausgesprochen: Biewentrau. Der Zweck diesei plaudernden Zeilen ist erreicht, wenn solche im Volke umlaufenden jüdischen Namensanekdoten aufgeschrieben werden, noch mehr aber, wenn sie dazu anregen, der Geschichte des eigenen Namens und der Familie nachzugehen. Denn es gibt keine innigere Verbindung mit der Gesamtheit Israels als den Beweis, aus dem eigenen Familienadel heraus, dab wir alle eines Stammes, eines Blutes und Kinder derselben Familie sind. „Musik Im Leben der Völker" In Frankfurt a. M. Tage für jüdische Musik Als ich in Frankfurt den Bahnhof verlief) und von Hotels und Privathiuaern die, in Leipzig sehr dünn gesäten, Schwarz-Rot-Gokl- Fahnen dicht ineinander wehen sah, erwarb mir altem Republikaner dieser Anblick sofort Sympathie für die Stadt. Vor der Ausstellung reihst wallten die Fahnen sämtlicher .. ationen und Lander friedlich nebeneinander; und Schillers Worte, in Beethovens «J. Symphonie vertr.t.t, „Alle Menschen werden Brüder" gingen mir durch den Sinn. — Ea kann nur mit gröllter (ienugtmmg begrüßt werden, dal! es in der Ausstellung auch eine jüdische Abteilung gibt. Nur möchte ich feststellen, daB die Vorbereitung im allgemeinen vielleicht eine gründlichere bitte sein sollen; z. B. hatte die jüdische Abteilung im I listorischcn Museum vollkommener sein können. I )eutschland, Österreich, Frankreich und Belgien waren mit Synagogalmusik vertreten; doch Rufiland und Paten überhaupt nicht. Von interessanten Mucken seien hervorgehoben: das grolle Werk des jüdischen Historikers A. /. IdeIsöhn „Hebräisch-Orientalischer Melodienschat/" (erschienen bei Breitkopl); ebenso der vollständige Jahrgang der Terzett und Chorgesänge aus 18JM; die Werke Salomon de Rossi's aus dem 15. 1<>. Jahrhundert. — Besonders wertvoll war auch die Einrichtung der jüdischen Woche. Zwar haben die Frankfurter Kreise verschwiegen, dali die Anregung dazu aus Leipzig kam; aber die grolle Freude,, dall sie zur Tat wurde, lädt uns dies entschuldigen. Für das Judentum gewann die Veranstaltung jedenfalls grollte, fast möchte ich sagen, historische Bedeutung. nA diesen „jüdischen Tagen" fanden statt: ein Eröffnungskonzert durch den jüdischen Oesangverein München, unter Mitwirkung von Mischa Elmau (Violine); ein Konzert der vereinigten Chore der drei Frankfurter (iemeindesyna gogen; ein Vortrag des Oberkantor Prof. Fmanuel Kirschner „die historische Entwicklung des Synagogengesanges"; ein Abend war dem jüdischen Volkslied gewidmet. Alle Veranstaltungen wurden von den Frankfurter Juden mit Begeisterung aufgenommen, die Säle waren immer voll besetzt, ein Beweis für das Interesse an der Syna- Igogenmusik. — Das F.rö'fnungskonzert erhielt durch Mischa El in ans Meisterspiel einen besonderen (ilanz. Mendelssohns F.. moll. Konzert habe ich schon lange nicht so wundervoll spielen hören. Man hätte aber lieher zu dieser Veranstaltung einen der Frankfurter Chöre wählen sollen, da die Münchner absolut nicht den Erwartungen entsprachen. Das Stimmaterial war für den Saalhau zu schwach; der Frauenchor sang „Sochre'nu l'chajim" von Schimon ziemlich unrein; der Gemischte Chor „Adon olom" mit Orgel von E. Kirschner Bestellungen für feine Honfliiomiaarei unter Tel. 20214 oder im Laden Augustusplatz erbeten. Iah.: Ernst Fischer früher langjähriger Pächter der Konditorei „First Ritcaikaiular"

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