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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-07-08 · 27 (8.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
27 (8.7.1927)
Date
1927-07-08
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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3. Jahrgang wurde bedeutend besset gesungen. Eine Uraufführung des Dirigenten des jüdischen (iesangvereins München Josef Ziegler für gemischten < hör, Orgel und Soplransolo ließ keine neuen Weife erkennen. Frau Sonja Ziegler mühte sich, ihrer Partie gerecht zu werden, losel Ziegler, der ein tüchtiger Dirigent ist, konnte leider mit seinem Gesangverein keine grobe Ehre einlegen. Der zweite Abend wurde von den Frankfurtern selbst bestritten. Zuerst sang der Knaben- und Männerchor der konservativen Qemeindesynagoge am Börne-Platz im Bach-Saal. Qleicv die < i<n Komposition „Mah towu" von Sulzer ließ ein gutes Stimmaterial erkennen. I>r. Ehrenreich liai dem Chor eine gute Schulübung gegeben; mit feiner Nuancierung, guter Aussprache und präzisen Zusammensingen hat er in den zwei Jahren seiner Leitung viel erreicht. < Iberkantor Cirofl schmiegte sich mit seinem hübschen Tenor in den Rezitativen mit viel Oeschmack an. Danach sangen die Vereinig- Kann man von einer physischen Degeneration des Judentums sprechen? In den letzten Jahrzehnten und noch heute wird seitens jüdischer und nichtjüdischer (ielehrter die Ansicht vertreten, dal! das Judentum physischen Degeneration entgegengeht. Der bekannte judische Statistiker Dr, Jakob Lestschinsky versucht in einem „Probleme der Bevölkerungsbewegung unter den Juden" betitelten, im Internationalen Statistischen Verlag „Metron" zu Padua erschienenen Werke die Ansicht zu widerlegen. \n Hand eines reichen Materials über Geburten, Sterblichkeit (Kindel- und Säuglingssterblichkeit) unter den Juden in den Ländern mit dichterer jüdischer Bevölkerung aH>\ Lestschinsky eine eingehende Analyse des Problems und kommt zu dem folgenden Schluß: „Mit einem ruhigen < iewissen können wir behaupten, daß die Stimmen über eine Degeneration des Judentums in der Diaspora, welche die jüdische (leffentlichkeit schon ein halbes Jahrhundert lang beunruhigen, biologisch nicht begründet sind. Gewiß sind am jüdischen nationalen Lebensbaum verdorrte und allmählich verdorrende Zweige vorhanden, das sind aber jenen dürren Zweige, welche sich von der Wurzel des nationalen Lebensbaumes zu weit entfernt haben und aufgehört haben, frische nationale Lebenssäfte in sich aufzunehmen; der Stamm des Raumes aber, die ostliche Judenheit, rrwest Büch gesund und fruchttragend/'. I estschinsky «eist nach, daß vor dem Weltkriege das osteuropäische ludentum einen natürlichen Zuwachs zu verzeichnen hatte, der nicht geringer war als die Vermehrungsquote des deutschen Volkes. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte das europäi- Leopold Lyssow Steckner Passage, Tel. 29183 Spezial-Geschäft feinsterSchoko laden Heller — Kohler Hamann Rumpelmayer neu aufgenommen * ten Chöre der liberalen Oemeindes^y nagoge in zewi Ab teilungen unter ihren beiden Dirigenten Studienrat F. Rothschild und Artur Holde. Dieser Chor zählt zusammen ungefähr 7ti Sänger, die über gute Stimmen verfügen. Sie leisteten unter Leitung der zwei tüchtigen Dirigenten Vorzügliches, Besonders der Psalm 82 und K'duschoh von Salanone de Rossi winde im echt klassischen Stii gesungen. Von den Kantoren Saretzki, Fleischmann und Scheuermann fiel vor allem Herr Fleischmann mit seinem weichen Harriton auf. I ouis l ewandowskis frisch gesungenes „Hallalujoh" beschlob das herrliche Konzert, das über 2l/> Stunden dauerte und von der jüdischen Zuhörerschaft mit tonendem, nicht endenwolleiMeni Heifall aufgenommen winde. Hoffentlich ist es in Zukunft möglich, auch in Leipzig ein jüdisches Publikum heranzuziehen, das für Synagogenkonzert Musikinteresse bekundet. Harnet Licht. sehe Judentum einen jahrlichen Zuwachs von 1 JIM Hl bis 140000, im Jahre 1900 sogar von lööotK) Seelen, zu verzeichnen. 1914 aber betrug der Zuwachs nur llöoixi Seelen. Die Verminderung der Ziiwachsquote in der letzten Periode ist durch die Auswanderung nach Uebersee, die ungeheure Massen des europäischen Judentums betraf, zu erklären. Das westeuropäische Judentum steht im Wachstum hinter dem osteuropäischen Judentum zurück. Auf je HMKI Seelen ist folgende Vermehrungsziffer zu verzeichnen: In den Stier Jahren des vorigen Jahrhunderts beim (tetjlldntum 17 bis IS, heim Westjudentimi (> bis 7; unmittelbar vor dem Weltkrieg beim Ostjudentum 12 bis 13, beim Westjudentum 2 bis 3. „In Mol! ib Jahren von ISS0 bis 1«M4 — hat sich die östliche Judenheit fast verdoppelt, wenn man die < )stjuden in Amerika hinzurechnet. Die günstige Bevölkerungsbilanz der Ostjuden ist auf dem vorteilhaftesten Wege zustandegekommen durch eine sehr niedrige Sterblichkeit und eine verhältnismäßig hohe Geburtenziffer", Besonders günstig war die Entwicklung bei jenem Teil des Ostjudentums, der nach Amerika ausgewandert war. Es scheint mir — sagt Lestschinsky als oh das amerikanische östliche Judentum eine einzigartige Erscheinung in der Bevölkerungsbewegung ist; hei , einer sehr hohen < iebiu lenzift'er weist es eine auffallend geringe* Sterblichkeit auf. Lestschinsky schließt: „Biologisch hält das Ostjudentum einen Ver- Hotelpension Parkhaus Bad Harzburg *nt&3 Fernsprecher 71 SO Zimmer IWmJ Fließendes Wasser Bäder in jeder Etage | Zentralheizung Eigene Synagoge Volle Pension von M 8.50 an mit berühmter Verpflegung Hohe luftige Speise- und Gesellsdialtssale Halberstädter Rabbinatsaufsicht Wunderbare Lage an Wald und Promenade, sowie Kasino undStadtpark Der gewiegte Arbeitgeber sucht heute seine Arbeitskräfte jeglicher Art durch den ÖFFENTLICHEN ARBEITEN ACH ff EIS LEIPZIG U. Uli GEH. Ruf: 72111

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