Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 25 (14.6.1927)
- Date
- 1927-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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3S'r. 25 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 5 schon wirkt sich ihre Gehässigkeit mehr am politischen Konkurrenten als am vermeintlichen Feinde aus. — Die (ieschichte lehrt, daß mit Antisemitismus irgend eine Erneuerung im wirtschaftlichen, geistigen •oder stattlichen Leben nicht herbeizuführen ist. Als /weiter Redner sprach Regierungsrat Dr. Steiger, Berlin, über „Antisemitismus im Lichte des Christentums". Das Judentum ist die Hasis des Christentums; Jesus selbst sagt, dalt er das alte Testament erfüllen, nicht auflösen wolle. 2H Stellen im Neuen Testament sind wörtliche Zitate aus dem Alten Testament und das höchste Oebot des Christentums, das „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" ist schon Im dritten Buch Moses aufgestellt, (ierade von diesem zur ersten Maxime erhobenen Gebot der Nächstenliebe aus ist Antisemitismus für einen Christen unmöglich. Andererseits führt mehr oder wengier zwangsläufig der völkische Kampf gegen das Judentum letztlich zu einem Kampf gegen das Christentum. Nach einem Rückblick auf die I [altjing der katholischen Kirche, die mehrmals in Konzilien und durch ihre Päpste sich für Schutz und Duldung der Juden einsetzte, wies der Redner auf die Kampfstellung seiner Partei, des Zentrum^, gegen den Antisemitismus hin. Als letzter Redner entwickelte Rabbiner Dr. Salzherger, Frankfurt a. M., einen Ahriii der (ieschichte der Juden in Frankfurt a. M. Vom Preußischen Landesverbände Maßnahmen gegen Taufen, Austritte und Mischehen Am Sonntag, den Vi. Juni ds. Js. fand unter dem Vorsitz, des Herrn Prof. Dr. Türk eine Sitzung des Wohlfahrts-Ausschusses statt. Linen großen 1 eil der Beratungen nahmen bevölkerungspolitische Fragen in Anspruch, wozu als Sachverständige die Herren Dr. med. Theilhaber und Dr. med. Tugendrekh hinzugezogen waren. Der Wohlfahrts- Ausschuß wird, unabhängig von dem Beschlüsse des Rates, eine Konferenz, aller Organisationen zu einer Beratung über Maßnahmen gegen Taufen, Austritte und Mischehen einberufen, eine Aufklärung der judischen Bevölkerung besonders über die Gefahren des Geburtenrückganges in die Wege leiten. Ls sollen Flugblätter an die jüdische Bevölkerung versandt werden und insbesondere die Mitwirkung des Rabbiner- und Lehrer-Verbandes in Anspruch genommen werden. Eine Kommission, bestehend aus Frau Wronsky, Dr. Peyser, Dr. Eschelbacher und Dr. Theilhaber hat es übernommen, Vorbereitungen dafür ZU treffen. Dem Rate wird ein Antrag übergeben, seinen Einfluß dahin geltend ZU machen, daß die jüdischen Gemeinden, besonders die (iroßgemeinden, durch die Gründung von Kommissionen für Wohnungsfürsorge und Wohnungsbeschaffung, durch Unterstützung öffentlicher Wohnungsfürsorgemaßnahmen den schweren Mißständen, die aus der Wohnungsnot innerhalb der judischen Bevölkerung entstanden sind, abzuhelfen suchen. Die von Herrn Caspary und Dr. Ollendorff ausgearbeiteten Riehtlineiu für die Verteilung der Subventionen wurden mit wenigen Acnderungen angenommen. Danach werden nur überörtliche Organisationen, nicht lokale, unterstützt. Bei gleichberechtigten und verwandten Einrichtungen ist allmählich und organisch auf engere Zusammenarbeit hinzuwirken. Bewilligt wurden Vorschüsse für die Zentralwohlfahrtsstelle de* deutschen Juden, die Hauptstelle fur Wanderfürsorge, den sozialen Ausschuß des Rahhinerverhandes für (iefangenenfürsorge, den D. J.O.B., für das Arbeitcrfürsorgeamt und eine Anzahl jüdische' Wohlfahrtseinrichtuagen. Endlich beschloß der Wohlfahrts-Ausschuß, eine Kommission zur Verteilung von Stipendien an junge Mädchen, die sich für soziale Berufe ausbilden wollen, einzusetzen. Die deutsch-jüdische Vertretung auf der Londoner Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels Auf Einladung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden fand im Hause der Jüdischen Gemeinde in Berlin unter Vorsitz von Herrn Rabbiner Dr. Horovltz, Frankfurt a. M., eine Vorbesprechung für die vom 22. bis 24. Juni in I ondon stattfindende; Internationale Konferenz über Fragen des Kinder- und Lrauenschutzes statt. Die Konferenz wird von der „Jewish Association for the Protection of (iirls and Women" veranstaltet. An der Besprechung nahmen ein großer Teil der von jüdischen Organisationen in Deutschland zu entsendenden Vertreter und Vertreterinnen teil. Zu den einzelnen Fragen der Tagesordnung wurde eingehend Stellung; genommen. Zu den Vertretern der deutschen Juden gehört auch unser Gemeinderabbiner Herr Dr. Gold mann, der sich vor einigen Tagen auf die Reise nach London begeben hat. Die „Judische Musik woche" der Frankfurter Internationalen Musikausstellung Im Rahmen des „Sommers der Musik" in Frankfurt a. M. finden bekanntlich auch jüdische Musikveranstaltungen statt. An die Woche für katholische Kirchenmusik schließen sich vom 26. bis 28. Juni Aufführungen religiöser und volkstümlicher jüdischer Musik an. Als Oesangsinterpreten sind Rahel Ermolnikow (Berlin) und Oberkantor Alter (Hannover) gewonnen. In den zwei Chorkonzerten werden der von Josef Ziegler geleitete jüdische Gesangverein aus München und die drei Frankfurter Synagogenchöre unter Dr. Ehrenreich, Frank Rothschild und Artur Holde auftreten. Solopartien: die Kantoren Saretzkl, Raumow-Fleischmann, Scheuermann und (iroß. Es werden alte Gesänge von Rossi (um 1600) und neuere von Sulzer, l.ewandowski, Naumburger, Birnbaum, Dunajewski und Schorr erklingen. Ein neues Altersheim <Ut> Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden teilt mit, daß in Landsherg (Warthe) noch in diesem Jahre ein neues und nach modernen Grundsätzen eingerichtetes, rituell geführtes jüdisches Altersheim eröffnet wird. Als Insassen kommen Personen aus den Provinzen Brandenburg und Qrenzmark, den abgetretenen Gebieten, aber auch aus Berlin in Frage. Auch aus anderen Bezirken ist der Vorstand bemüht, soweit der Platz reicht, Aufnahmen zu ermöglichen. Es ist aber für Anmeldungen dringende Eile geboten, da die zunächst zur Verfügung stehenden 42 Einzelzimmer aller Voraussicht nach schnell besetzt sein werden. Hingewiesen sei nur noch darauf, daß die gesamte Unterbringung, Verpflegung und I ebenshaltung allen Ansprüchen gerecht werden will, und daß das Heim eine überaus behagliche Ruhestätte bietet. Anmeldungen sind sotort zu richten an Herrn Rabbiner Dr. Martin Salonionski, Berlin W Kl, Bendltrstr. 18, der alsdann die näheren Aufnahmebedingungen mitteilt. Neue Bücher £mat}u*l biij fforion. „Vom Ursprung der israelitisches Religion." Vortrag auf Grund des Werkes Sinai und Garizim, gehalten in der Vorderasiatisch-Aegyptischen Gesellschaft. Berlin (Morgenland-Verlag). Micha josef bin Corion, der hervorragende Kenner der jüdische« SageaBteratur, hat neben der ganzen Reihe von Sammlungen „Sagen der Juden", die er veröffentlicht hat, ein handschriftliches Werk Hotelpension Parkhaus Bad Harzburg: ^rrjn Fernsprecher 71 50 Zimmer IwaJ Fließendes Wasser | Bäder in jeder Eta^e / Zentralheizung Eigene Synagoge Volle Pension von M 8.50 an mit berühmter Verpflegung Hohe luftige Speise- und Gesellschaftssäle Halberstädter Rabbinalsaufsicht Wunderbare Lage an Wald und Promenade, sowie Kasino undStadtpark r SPFilALGFSCHAM V\jU M WUMPF Vv/\*t N ■ •■•« führt nur Qualifäfswaren in allen Preislagen in ausschließlich 1. fehlerfreier Wahl Bitte bearhfen Sie meine beiden SchaufenfTer Reichssfraße 4—ö, Specks Hof J