Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 25 (14.6.1927)
- Date
- 1927-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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>eite 4 3. Jahrg»n C,m , Si oiiücn......eld odc. Spielzeug bitten wir »» Frau Ros , | 12h zu richten. I henso werden alle, »Ii«' Heren Schokolade F.iei zu spenden, gebeten, baldigst schriftlich an Prau Krause gelangen zu lasstu, aul liestimmle Page durchgeführt werden kann. K i .i ii s e . I a ii e s sind, Kuchen, < ibsl Mitteilung darüber damit die I inteilunf jüdisvfte Verbände u. Gemeinden Juristentagung des Zentral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V \m Sonnabend, den 18 und Sonntag, den IQ. Juni ds. Js., vorlei Zentral-Verein deutscher Staatsbürger indischen Glaumnähernd 100 jüdischen Juristen aus Berlin und aus l,t, ragung, die sich mit den Fragen dei deutschen |, tj i sii luden und Judentum betreffen, in eingehender Beratung beschäftigte. I„ 5ein, Eröffnungrede betonte der Vorsitzende, Jusii/rat Dr. Rrodnitz, daß dei Zweck dei Zusammenkunft nicht eine von : Lsgesichlspunkten veranlaßte Demonstration unter dem eines Schlagwortes sein, sondern daß das Material in ernstei Arbeit geprüft und /ur Förderung der deut- [lege ausgewertet werden soll. Selbstverständlich beragunj keine Absonderung dei jüdischen Juristen von ihren nichtjüdischen Kollegen. Landgeiichtsral Im Jacques Stern-Berlin zeichnete in leidenschaftslose! und geistig durchdachter Weise das Itild dei „vorkisclu und Staatsjihilosophie" unter besonderer Würdigung ihrei führenden Köpfe, Er kam zu dem Ergebnis, eine völkische ils (Grundlage \>>n Recht und Staat mit dem Ziele ler IZnl dei deutschen Juden sei weder philosophisch noch runden Ihre Durchführung würfe Deutschland um; zurück, isoliere es im Kreise der übrigen Nationen und seinen Wiederaufstieg für alle /.eilen unmöglich. |usii/rai Dr. Siegfried I öwenstein Berlin beleuchtete den „Entwurf ein« Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuches" und wies .ml idi keil hin, gewisse Bestimmungen, wie /. B. „Anreizung .im Kla nkampf" so zu formulieren, wie die < iesamtinteressen des und damit auch dei jüdischen Deutschen es auf Grund unserei Erfahrungen verlangen. nwall Dr. I rieh Eyck-Berlin beleuchtete in seinem Referat Rechtspflege zu Juden und Judentum*' an Hand rroßen Zahl von Einzelfällen, die einer eindringenden juristischen Würdigung unterzogen wurden. Ii lehnte jede unzu- . .. gemeinefung bewußt ab, suchte aher die Oründe zu rmitteln die /u den festgestellten Fehlgriffen geführt haben. Der ipfelti in dei Forderung unparteiischer Gerechtigkeit, nicht nur .im dei deutschen Juden, sondern um des gesamten grollen deutschen Vaterlandes willen. i echtsanwalt Dr. Bruno Weil-Bcrlin schilderte m glanzvoller Rede breitet geschichtlichei Qrundlage Wesen und Bedeutung des n Prozesses" Ei \\u^ daraul hin, daß dieser mehr und Revolution auch in Deutschland ein Faktor des politischen Lebens geworden sei. Diese Tatsache erfordere die Heran-; Verteidigern, die die besonderen I rfordernisse des polin Prozesses zu meistern verstünden Wer in politischen Pro- »ei, in denen es sich um deutsche und jüdische I tauen sich bewußt bleiben, daß sittliche Eigenschaften, n und Pflichterfüllung, nuht zum mindesten aber i>' Empfinden dem deutschen Juden das Recht und ■ ii ihre tatsächliche und rechtliche Gleichstellung mit allen nichtjüdischen Deutschen /u erkämpfen. " $8ss&mss&masBMB8sa§maxMi J,C. Hamich, Leipzig . Grimmaische Slr.29 und Hauplbahnhof Westhalle Gegründet 1836 Ferwpr. Nr. 20016, 21173 H Frische Blumen zu jeder Gelegenheit I ine vielstündigc Auasprache, an der Juristen aus allen Teilen des Reiches, darunter auch Universitätsprofessoren und zahlreiche Richter, (eilnahmeu, brachte eine Fülle neuen Materials /u den behandelten Fragen. Justizrat Brodnitz konnte in seinem Sclilullwor) darauf hinweisen, daß die Tagung, wie erwartet, nicht dem spezifisch-jüdischen Interesse, sondern dem großen Rechtsinteresse unseres gesamten Vaterlandes gedient habe. Hauptversammlung des Vereins zur Ab,wehr des Antisemitismus Am J0 Mai hielt der Verein zur Abwehr des Antisemitismus seine vom Vorsitzenden, Reichsmiriistcr a. D. Dr. Gothein, geleitete Tagung in Frankfurt a. M. ah. Aus allen Teilen Deutschlands, sogar von Königsberg in Ostpreußen, Waren Vertreter anwesend. Der Geschäftsbericht stellte das starke Anwachsen der Bewegung und die erfreuliche Steigerung ihrer Wirkung fest. Aus den wertvollen Anregungen der Ausspiache klang vor allem die Forderung nach. Gründung von weiteren Ortsgruppen heraus. Neugewählt wurden in den Vorstand: Prof. Dr. Trumpler, Frankfurt a. M., der Zentrumsabgeordnete Dr. Heinrich Kinne M. d. R. und Justizrat Dr. Philipp Salomon, Berlin. Dein Ausschuß des Vereins wurden zugewählt: A. Arnold, Dresden, Vizeadmiral a. D. Dr. Garster, Wiesbaden, Rechtsanwalt Gentil, Mannheim, Unlversitätsprofessor Geheimrai Dr. Walter Goetz, M.d. R., Leipzig, Vizepräsident v. Harnack, Köln, Rechtsanwalt Johannes Henry Bonn, Rechtsanwalt Kellner, L rfurt, Reichsminister a. D. Külz, M. d. R., Dresden, Studienrat Dr. Michael Müller-Claudius, Berlin, Schriftsteller Hans Reyhing, Ulm, Kaplan Rdedel, München Pasing, Prof. Geo[g Schumer, Magdeburg. Mit der Tagung war ein Vortragsahend vor geladenen Gästen im ßürsensaal verbunden. Reichsminister a. D. Dr. Gothein erinnerte in seiner Begrüßungsansprache an den größten Sohn Frankfurts, Goethe, dessen Menschheit*- und Toleranzprinzip Antisemitismus ausschließen. I indringlich warnte Gothein vor der Rassentheorie, da sowohl die Deutschen wie die Juden Mischvölker seien. Mallgchend für uns muß sein, dal! Deutscher ist, wer'die deutsche Muttersprache spricht, wer der deutschen Kultur zugehört und an ihr mitarbeitet, und wer fürs Vaterland Out und Blut einzusetzen bereit ist. Unehrenhaft und roh ist die antisemitische (lehässigkeit gegen die Angehörigen einer Glaubensgemeinschaft, die im Weltkrieg 12000 Söhne dem deutschen Vaterland geopfert hat. Das Hauptreferai hielt Universitätsprofessor Oeheimrat Dr. Walter (jotz-Leip/ig über „Der Antisemitismus im neuen Deutschen Reiche seit 1S70." Nie hat es vor dem l<). Jahrhundert einen politischen Antisemitismus gegeben; was in früheren Jahrhunderten an Juden- Verfolgungen vorkam, waren Auswüchse religiösen Fanatismus oder blinden Aberglaubens. Der seit den Freiheitskriegen lebendige Libelalismus ließ keinen Antisemitismus zu. Auch das erste Programm der aus den sozialen Nöten der 8(ler Jahre erwachsenen christlich-sozialen Arbeiterpartei des I lofpredigers Slöcker enthält noch kein Wort gegen das Judentum. Zunächst gleich der Sozialdemokratie vom Sozialistengeset/ bedruckt, stellte sich aber Stöcker um, wandte sich statt an die Aibeiter nunmehr an die damals schwerbedrückten Kreise des Handwerks und der kteinen KaufleiHe und benannte diesen den Juden als schuldig an der sozialen Not. Aber mit der durch, die sog. Kathedersozialisten geförderten Erkenntnis der wahren Zusammenhänge der sozialen l äge fielen viele Anhänger von Stöcker ab; gerade seine talentvollen jüngeren Mitarbeitet, deren bester Friedrich Naumann war, suchten neue Wege zur Lösung der sozialen Frage. — Zum zweiten Male entstand ein politischer Antisemitismus, als nach dem Zusammenbruch 1418 viele Deutsche nach den Urhebern der schweren Notstände suchten. Wir alle kennen diese Bewegung aus eigenem Erleben. Auch diese /weite Phase bricht nun an sich selbst zusammen, Leopold Lyssow St eckner Passage, Tel. 29183 Spezlal-Geadiitt feinster Schokoladen c§ 'X'/T-v--^n7 'JTOftsm ®<e5S§§s9W&S Heller — Kohler Hamann Russ. Spezialitäten neu autgenommen