Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-06-17 · 24 (17.6.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
24 (17.6.1927)
Date
1927-06-17
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4876568-5968785-5968969--1203-4878889
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sitte 3 3. jan^ar*: 172 672 Juden leben in Berlin Die Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jüdischen Wissenschaftlichen Institutes ZU Berlin veröffentlicht sehr interessante Ziffern üher die jüdische Bevölkerung in Berlin. Danach zählte die jüdische Bevölkerung Berlins am Volks/ithlunKstatfc 1925 im ganzen 172672 Seelen, d. h. bloß um 28007 Seelen oder 20"» mehr als im Jahre 1010. Diese Ziffern zerstören die sehr verbreitete Legende über das Vorhandensein von einer Viertelmillion Juden in der Rcichshauptstadt, eine Legende, die sehr oft auch von verantwortlichen jüdischen Institutionen wiederholt wurde. Die Zahlen zerstören auch die Legende über eine auf Zehntausende sich belaufende Masseneinwanderung von Ostjuden. Sie zeigen auch, daß das angestammte Judentum Berlins in weiterer Abnahme begriffen isl und dali der ganze Zuwachs <lcr Berliner Jüdischen (iemeinde während der letzten 15 Jahre fast ausschliellich auf die Zuwanderung aus der Provinz und die Einwanderung von ausländischen Juden zurückzuführen ist. Auf die einzelnen Bezirke verteilt, beträgt die Zahl der Berliner jüdischen Bevölkerung: Berlin-Mitte: 30077 ((iesamtbvvölkerung 205 8 J7); Charlottenburg: i(>55'i ((iesamtbevölkerung 315130); Wilmersdorf 22 70» (174 884); Prenzlauer Berg: 2041«) (326311); Schöneberg: 17785 (231 004); Tiergarten 15043 (283 581); Kreuzberg: 8167 (377253); Lriedrichshain 8()(>1 (330 338); Wedding; 3 005(351 708); Neukölln 2 832 (290327); Steglitz: 2 475 (160580); Lichtenberg: 1018 (108832); Pankow: 1566 (100825); ZeMendorf: 1513 (44 288); Tempelhof 021 (68009); Weißensee: 021) (58 1 14); Treptow: 661 (07 524); Reinickendorf: 554 (105467); Spandau: 514 (111620); Köpenik 404 (05 705). Die jüdische Bevölkerung Berlins macht 4.3% der Gesamtbevölkerung aus, gegen 3.9«/o im Jahre 101(1. In einzelnen Bezirken ist der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung bedeutend höher als der Durchschnitt. So beträgt er z. B. in Berlin-Mitte 10.5".., in Charlottenburg 8.0",,, in Wilmersdorf 13"», in Schöneberg 7.7 "(), in Prenzlauer Berg ö.3"„. In diesen fünf Bezirken wohnen 70.8",, der gesamten jüdischen Bevölkerung Berlins. Im Vergleich zu 1011) hat die jüdische Bevölkerung C.liarlottenburgs um 35.3 o/o, die Wilmersdorfs um 134.1 «/o, die Schönebergs um 52.7",, zugenommen. Die Sektion für Wirtschaft und Statistik veröffentlicht auch genaue Zahlen über die jüdische Bevölkerung Deutschlands einschließlich Preußens nach der Volkszählung vom Jahre 1025. Die Zahlen wirken überraschend. Die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung in Deutschland beträgt nach offiziellen Angaben nicht mehr als 555 000, sie hat sich also gegen 1010 vermindert. Besonders fallen die Zahlen betreffend Preußen auf, dessen jüdische Bevölkerung etwas mehr als 400 000 ausmacht. Bekanntlich sehätzte man die jüdische Bevölkerung Preußens auf 451)000. Zu diesen vorstehenden Angaben bemerkt das „Israelitische Familienblatt" (Mamburg), daß die Ergebnisse dir Volkszählung vom Jahre 1025 bedauerlicherweise kein vollkommen schlissiges Bild von der wirklichen Zahl der jüdischen Bevölkerung in Berlin ergehen. In die Ermittlungen hätten sich Fehlerquellen eingeschlichen, die den amtlichen Ergebnissen die absolute Gültigkeit nehmen. Bei der letzten Repräsentantenwahl im Jahre 102h betrug die Zahl der Wähler, also der über 21 Jahre alten Gemeindemitglieder, etwa 130000. Unmöglich können also bei 130 000 wahlberechtigten Personen nur etwa 172 000 jüdische Seelen in Berlin leben. Zu einem Teile lassen sich die Felder bei der Zusammenstellung der Volkszählungsergebnisse nachweisen. Nach der Verfassung besteht keine Verpflichtung, amtlichen Stellen gegenüber das Religionsbekenntnis anzugeben. In mißverständlicher Auslegung dieser Verfassungsbestimmung haben nicht unerhebliche Teile der jüdischen Bevölkerung in den Fragebogen bei der Volkszählung die Rubrik ..Religionsbekenntnis" nicht ausgefüllt. Dadurch sind diese Personen dem jüdischen Bevölkerungsteil natürlich nicht zugezählt worden. hin weiteres Argument bildet die Zahl der steuerpflichtigen Mitglieder der Berliner (iemeinde, die gegenwärtig etwa 110000 beträgt, was unmöglich wäre, wenn die Seelenzahl tatsächlich nur etwa 172 000 ausmachen würde. Die Zeitung hofft, daß die Berliner Jüdische Gemeinde all« Anstrengungen machen wird, um die wirkliche Zahl der i,; Berlin wohnenden Juden zu ermitteln: bis dahin müsse i1 u festgehalten werden, daß auf Grund der Zensiten-Zahl un< der Zahl der Wahlberechtigten die jüdische Bevölkerung ii Berlin mit 200000 bis 250 000 Seelen zu veranschlagen ist. Vom Preußischen Statistischen Landesami wird ferner mitgeteilt: Nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung vom 10. Juni 1025 sind im Freistaate Preußen 106448 männliche, 207521 weihliche, zusammen 103060 israelitische Personen ermittelt worden. judische Verbände u. Gemeinden Tagung des ZcntralausschuUes des Rabhinerverhandes in Deutschland. Am '21. und 25. Mai fand in Cassel die gatzungsgemäfk Sitzung lies Zentralausschusses des Rabbinerverbandes in Deutschland statt. Dir Vorsitzende Dr. Ba eck -Berlin eröffnete am Dienstag Nachmittag die Sit/im^ mit Worten der Begrüßung an alle Erschienenen. Ein Vertreter des Vorsteheramtes der Israeliti n und Herr Dr. Katzenstein als Vorsitzender di r Qemeindeältesten entboten den Versammelten die Grüße ihrer Körperschaften, die zu dem wissenschaftlichen Teil als Oiste geladen wann. Dieser wissenschaftliche teil war dem Andenken des Rabbi Jacob Mölln Halevy (Maharil) aus Vnlaß seines »00 fodesjahrea gewidmet Levy-Mainz berichtete über ..l eben und Bedeutung des Maharil", Rosenthal-Köln sprach /u dem Thema ..Ans Maharils Schriftwerk". In dei Mittwoch-Sitzung erstattete Dienemann-Offenbach den Geschäftsbericht. I r wies darauf Inn. dali ih r Verband seinen Mitgliedern in allen Angelegenheiten der geistigen und wirtschaftlichen Förderung zur Seite stehe, und dar) er in steigendem Malle von < iemeinden und Amtsbrüdern als die maßgebende Stelle für die Regelung aller gemeinsamen Angelegenheiten betrachtet und in Anspruch genommen werde. Baeck-Beriin berichtete über die durch ihn Landesverband in Preußen erfolgten Subventionierungen leistungsschwacher Gemeinden zum Zwecke der Erhaltung des Rabbineramtes und übet die von der Regierung aufgestellten neuen Richtlinien für die Subventioaierung. Aus ih r an den Bericht sieh anschließenden ausgiebigen Aussprache ergaben sich mancherlei Anregungen für die weiten »TÄGLICH ÜBER 100000 AUFLAGE CS t> C5 *l Jeittj:si& BBZUGSPRi (S :>■-■ MONATLICH IM PQS1BLZUÜ X4Z USo-tiL. LLi-GELD :=D CD .TÄGLICH ÜBER 10000C AUFLAGE ÖO m sc o C2 O 3> er; m

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.