Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 23 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968785-5968968--1190-4878877- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sstte 3 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. janrgarg schätzig gegenüber irgendeinem Wesen, das Mcuschenantlitz trägt. Dem Judentum ist die Schöpfung als Symbol der Schaffung von Wechselbeziehungen Gott - Mensch die Urzclle sittlich-sozialen Lebens und Verantwortungsbewußtseins, das geschult wird durch das Gesetz und den Sejog lathorah •den „Zaun um die Lehre", das heilige Mittel zum heiligen Zweck. — Die Mystik dagegen führt zur Einschmelzung des Individuums ins absolutum, in den Schöpfer, dem der Mensch nicht gegenübersteht, der vielmehr einen Teil seiner Allseele ins Irdische gesandt hat, von wo sie sich so bald wie möglich wieder lösen muH, um gottgleich zu werden. Darum ist hier Gefühl, Exstase alles, Gestaltung und verstandesmäßige Erforschung irdischen Lebens nichts. — So konnte die zeitweise sehr starke jüdische Mystik der Kahbala, die sich nur im Weg, nicht im letzten Ziel, von der allgemeinen Mystik unterschied, nur das rabbinische Judentum bekämpfen oder sich selbst aufgeben. Die letzte Konsequenz der Mystik konnte innerhalb des Judentums nicht gezogen werden und man zog sie auch nicht. Dem Kind der Mystik, dem Uiassidismus, blieb das „Ol mizwoth", und damit die Konsequenzen der thorah-rabbinischen Weltanschauung verbindlich. Das Judentum mit seiner Lebensbejahung und sozialen Verantwortung des irdischen Menschen als eigenlebenden Gottesebenbildes überwand die Mystik, die auch der vielfach ästhetisierende und übertreibende Ncuchassidismus mit dem Judentum nicht in eine Synthese bringen kann." Haupt v'orstandssitzung des Zentralverbands jüdischer Handwerker Deutschlands Der Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands hielt am 23. Mai IU'27 seine diesjährige Hauptvorstandssitzung in Berlin ab, zu der Delegierte aus Frankfurt, Düsseldorf, Cöln, Krefeld, Hannover, Leipzig, Breslau und Betithen erschienen waren. Einführend gab der Verbandsvorsitzende Herr Wilhelm Marcus einen kurzen Bericht über die Tätigkeit des Verbandes in den letzten Monaten, um sich dann mit den Fragen zu beschäftigen, die den Zentralverband aus sozialen Motiven besonders berühren, wie Berufsumschichtung und -Beratung. Bei der Berufsumschichtung zur Landwirtschaft in Deutschland lägen die Dinge besonders schwierig und würden in absehbarer Zeit voraussichtlich kaum Ertolge zeitigen, da zur Ausiedluug Generationen gehören und die Voraussetzungen ganz andere sind, wie in den Siedlungsländern. Weitaus stärker interessieren die Handwerksberufe. Hier sei, auf Tatsachen und statistischem Material bauend um der Proletarisicrung des Handwerks vorzubeugen festzustellen, welche Berufe noch aufnahmefähig und welche dagegen eine Unterbringungsmöglichkeit nicht mehr gewährleisten. Nicht nur durch Kreditbeschaffung und weiteren Ausbau der Darlehnskassen seien schwächere Betriebe zu stützen, andere zu fördern, vielmehr müßte die jüdische Öffentlichkeit immer wieder angehalten werden, sich ihrer Pflicht bewußt zu sein, bei Arbeits Zuteilung Glaubensgenossen zu berücksichtigen, wie es /um größten Peil bei Gemeindebehörden bereits geschieht. Jedoch nicht nur für handwerkliche Berufe sei zu sorgen; der Referent glaubt vielmehr, auch die große Zahl der Kleingewerbetreibenden in sozialer Hinsicht mit einbeziehen ZU müssen, da diese sich planlos im jüdischen Leben bewegende Bcrulsschicht bisher ohne jede Interessenvertretung sei. Aus den Berichten der Ortsgruppenvertreter war zu entnehmen, daß dir größte Teil der Ortsgruppen im letzten Jahre bemerkenswerte Erfolge erziel! hat. So sind in vielen Orten I landwerksmeister in die (iemeindevertretung, Repräsentanz und andere besonders interessierende Commissionen gewählt worden. Der Mitgliederbestand hat sich, besonders in Berlin, nicht unwesentlich vergrößert. Neugründungcii von Ortsgruppen sind in die Wege geleitet, /ur Lehrstellen Vermittlung gibt Herr Marcus an Hand von Unterlagen eine Uelursicht der Frequenz und erfolgter Unterbringung und teilt mit, daß eine Zentralstelle bereits besteht, die auch im Reiche demnächst Vermittlungsstellen einrichtet. Betreffs der Tätigkeit der .,<) K T"-(i e s e 11 - schaff wird auf die in Berlin bestehenden Einrichtungen, wie Schneiderlehrwerkstatt und Chauffeur- Schule, sowie auf die Einkaufsgesellschaft hingewiesen, die Interessenten durch Anschaffung von Maschinen zu günstigen Preis- und Kreditbedingungen Existenzerrichtung oder -Ausbau ermöglicht. Zu begrüßen seien die Bestrebungen, die produktiven Kräfje in Rußland im Handwerk und der Landwirtschaft unterbringen. Eine Ideenverbindung mit Auslandsgruppen sei erforderlich und ist bereits mit maßgebenden Stelleu in Polen, Oesterreich und der Tschechoslowakei aufgenommen worden. Es wird beschlossen, die internationalen Fäden weiter zu spinnen und die Vertreter der ausländischen Verbände zu der im nächsten Jahre stattfindenden Verbandstagung einzuladen, zu der auch eine Fachausstellung geplant ist. (ITA) Unsere Gemeinde Der Vortrag Jacob Rosenheim verschoben Der in der vorwöchentlichen Nummer angekündigte öffentliche Vortrag des Führers der Orthodoxie, Jacob Rosenheim, Frankfurt a. M„ muß auf einige Zeit verschoben w erden. Der neue Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben. Unsere Jugend in Palästina Wir machen auf die am Sonntag, den 12. Juni a. c. vormittags 11 Uhr, im Königspavillon, Promenadenstr. S. statt - findende Vorführung des neuesten Palästina-Films „Unsere Jugend in Palästina" aufmerksam. Kinderfest Mittwoch, den 15. Juni, findet im „Waldkaffee", Connewitz, ein Kinderfest statt, das von einer Gruppe zionistischer Frauen veranstaltet w ird. Es soll hier einmal auch jüdischen Kindern Gelegenheit geboten werden, sich auf einem fröhlichen Gartenfest zu tummeln. Dies ist der einzige Zweck des Festes, auf dem Wettspiele mit schönen Preisen. Kindertanzaufführangen, Kasperletheater, Lampionpolonaisc und andere Überraschungen geboten w erden. Der Abend soll die Erwachsenen bei fröhlichem Tanz vereinen. Elte nahend der Religionsschule I Der Verlauf des letzten Elternabends (Montag, 2i. Mai) bewies, wie bedeutsam der Gedanke dieser Einrichtung ist. Das mit lebhaftem Beifall aufgenommene Referat des Herrn I Lehrer Peckel: Autoritätsschule und kindlicher Wille, setzte sich mit den neuzeitlichen schulrcformerischcn Betrachtungen auseinander. Während für das alte Schulwesen der Gedanke der Autorität der Schule und seiner Organe die mm^s^^mKmmmmmmmmtmmmmmmmmmmmmmmmm^ Bestellungen für feine COB.SO KONDITOREI KAFFEEHAU/ unter Tel. 20214 eder im Laden Aujjustusplati erbeten. Inn: Ernst Fischer trüher langjähriger Pichtet der Konditorei .Fürst Reichskanzler'