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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-06-10 · 23 (10.6.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
23 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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ieiie 2 3 )ahrganc Die Einnahme des Tnberkulosefonds waren folgende: Bestand am I. |anuar 1926 Mk. 10120. — Zuschuß Preuß. Landesverband (1925 u: 1020) „ 10000. - üroßloffc . » 2 500. - ., 1000. SOIIStli D.I.G.B. jüdischer Frauenbun« Zuschüsse 3 904. - 2403.50 insgesamt: Mk. 30017.50 Die lüdische Tuberkulosefürsorge hat einen Bestand von Mk. "710.65 in das Jahr 1«>27 herübergenommen. Die gewährten Zuschüsse sind also restlos verbraucht und darüber hinaus .Mk. KHK ausgegeben worden. Waren die Zuschüsse größer gewesen, so hätte noch eine ganze Anzahl verschickungsbedürftiger Personen bedacht werden können. i in Heilverfahren für tuberkulös erkrankte Sehweste«-'' sind auch 1926 wiederum Mittel vom Reichsarbeitsmini- Stenum zur Verfügung gestellt worden und zwar standen 1926 Mk. 21 761.38 für diese Zwecke zur Verfügung. Hiervon wurden nur Mk. 6650.7'J für 6 Schwestern verausgabt, so daß ein Bestand von Mk. 15110.65 in das Jahr 1927 herübergenommen wurde. Dieses Geld darf lediglich für Heilstättenkuren von tuberkulosekranken Schwestern, Pflegepersonal, eventuell auch Anstaltspersonal verwendet werden. Das schon seit langer Zeit bestehende Vorhaben, eine Heilstätte für tuberkulosekranke Kinder zu errichten, wurde im Laufe des Jahres 1926 verwirklicht. Der Jüdische Frauenbund erwarb in Wyk Föhr ein passendes Grundstück, das zweckentsprechend umgebaut wird. Das Heim ist im Juni ds. J. eröffnet worden. Die Zentralwohlfahrtsstelle konnte den Erwerb lies Hauses durch Bereitstellung größerer Reichsmittel, teils in Darlehn teils in Zuschußform, erfreulich fortlern. Jüdische Verbände u. Gemeinden Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums \r Mittwoch, den IS. Mai fand im Logenhaus zu Berlin dii stark besuchte Jahresversammlung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums Matt. Vertreter hatten entsandt: j Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, die lüdis h ütmeindi Berlin der Deutsch-Israelit sehe Ciemeindebund, die tiroßloge und die Logen des U.O.B.B., die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und das Rabbinerseminar, die < icscllschafl zur Förderung der Wissenschaft des; ludentums. der - entral-Verein deutscher. Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Zionistische Vereinigung für Deutschland, die Vereinigung für das liberale Judentum, der Hilfs- \ verein der deutschen Juden, die Zentralwohlfahrtsstelle der deutscheil Juden, der Verband russischer Juden, der Verband ii Orga lisat men, die Rabbiner-, Lehrer- und Kantorenverbände, die Freie jüdische Volkshochschule, der Jüj dische Frauenbund, wer Jüdische Schulverein, die Oesellschaft ... Fainilientorschung, die Soncino-Gesellschaft, der Hilfsverein für Studierende und eine Anzahl studentischer Organisationen. 11 Versammlung leitete der Vorsitzende des Verwaltungsvorstandes der Akademie, Herr Dr. Aron Hirsch, den Beruh; des Forschungsinstituts erstattete dessen Leiter Herr Prof ssor Julius Guttmann, den Geschäftsbericht der erste Schriftführer Sanitätsrat Dr. Ousta\ Bradl und der Generalsekretär Dr. Israel Auerbach. Dem Vontande wurde einstimmig Entlastung erteilt und der abtretende l :,' nausschuß in corpore wiedergewählt. Dii Referate gaben einen Ueberblick über die günstige 1 ntwicklung der Akademie im Jahre 1926. Das Forschungeinstitut schritt in der Realisierung des großen, ihm von Profi ssi ir I u g e ii I ä u!> I e r gegebenen < i rundplanes erfolgreich fort. In einer Reihe von wissenschaftlichen Einzelsektionen (eine talmudischc, historische-, literarhistorische, sprachwissenschaftliche una philosophische) sind 25 meist jugendliche Gelehrte rüstig an der Arbeit. Eine sechste Abteihing wurde mit d< r untei V >isii/ von Prof, ssor Heinrich Silbergleit stehenden Sektion für Statistik und Wirtschaftskunde der Juden im .War/ d. J. gegründet. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten erscheinen in der Reihe der A eröffentlichungen der Akademie". Bis jetzt erschienen! '> Bände, eine ganze Anzahl neuer w ird das Jahr 1927 bringen. Für die Veröffentlichungen ist soeben eine eigene Verlagsabteilung geschaffen worden, die als Akademie-Verlag in die Oeffeirtlidlkeit tritt. Als erstes Werk des neuen Verlages ist am Tage der Versammlung Th. Albei k-. Monographie „Untersuchungen über die halakischen Midrachim" erschienen. Alle jährlichen Berichte über die I ntwicklung der Akademie und gemeinverständliche Aufsätze der Forseher bringt das „Korrespondenzblatt" der Akademie. Her Akademie lose angegliedert ist die Hermann Cohens t i 11 u n g: Edition der jüdischen Werke dieses Denkers, dem die Akademie ihre Gründung verdankt. Drei Bände „Jüdische Schriften ' sind bereits erschienen, zwei weitere „Kleine philosophische Schriften" kommen in wenigen Wochen heraus. Mit der .Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" gemeinsam arbeitet die Akademie an der Schafhing der großen Jubiläums-Ausgabe der „Schriften Moses Mendelssohns", du- \u 12 bis 15 Bänden im Jahre 1929 erscheinen wird. Die Finanzlage der Akademie hat sieh soweit entwickelt, daß im letzten Jahre zum Wiederaufbau eines Grundfonds das erste Fundament gelegl werden konnte, und daß für 1627 die Fertigstellung einer ganzen Reihe wichtiger Werke vorauszusehen ist. Die Ausgaben und Einnahmen Oes Jahres 1926 balanzierten mit Mark 67000, wovon Mark 46000 Gehälter und Honorare au die gelehrten Mitarbeiter gezahlt wurden. Das neue Etatsjahr sieht weit höhere Leistungen vor, für welche Mark 130000 aufzubringen sind. Au der I örderung der Akademie beteiligen sich der preußische Landesverband jüdischer (iemeinden, die (iroßgeineinde Berlin und eine Reihe Organisationen, vornehmlich der Orden „Bnei Brüh" und seine Logen. Mehrcrc Mäzene haben größere Zuwendungen gemacht und weitere Beteiligung zugesichert. Der Gedanke Hermann Cohens, in der Akademie eine Zentralstätte für jüdische Forschung, ein Arbeitszentrum und eine Existenzgarantie für jüdische Gelehrte zu schaffen, eine „Sicherung unseres geistigen Fortbestandes", findet demnach mehr und mehr das Verständnis weitester Kreise im In- und Auslande. Das wird in noch stärkcrem .Wabe der Fall sein, wenn, wie von Dr. Bradt angekündigt, jetzt auch die Grundidee Franz Rosenzweigs, eines der Hauptbegründer des Werkes, energischer verwirklicht wird, nicht nur wissenschaftliche Werke, sondern auch erzieherische Persönlichkeiten aus der Akademie hervorgehen zu lassen, die deren tiefste Absichten wirkend in sich verkörpern. Im Anschluß an die Jahresversammlung hielt I It rr Rabb. I )r. Max W i e n e r-Berlin einen Vortrag über „Judentum und Mystik". Er gab zunächst eine Darstellung dei Grundlagen, des Sinnes und der Hauptthesen des Judentums: Sinn und Ziel des Judentums ist der Mensch als das die göttlichen Gebote bewußt erfüllende Wesin. „Alles liegt in Gottes Hand mit Ausnahme der Gottesfurcht." Gott ist der absolute Schöpfer alles Seins und Qeschehens. Aber des Menschen Wille ist frei ... Qotl und Mensch sind nicht identisch, sondern bedingen sich in wechselseitiger Schöpferkraft. Der Mensch ist dem Judentum stets das geistige und sittliche Ebenbild (iottes. Daher ist der Jude Feind allei Nivellierung, energisch, eigensinnig, kritisch, i Kämpfer, daher aber auch Freund der Menschheit, nie gering-

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