Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-06-03 · 22 (3.6.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
22 (3.6.1927)
Date
1927-06-03
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4876568-5968785-5968967--1176-4878864
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 2 3. Jahrgang Sammlungen dar, sondern hüten ein kompliziertes historioi graphisches System, in dem die Ereignisse durch einen streng durchgeführten religiösen Pragmatismus miteinander verknüpft sind, wobei alles auf Belehrung, Ueberredung und bestimmte religiös-sittliche Schlußfolgerungen hinzielt. Es ist dies weniger Geschichte als Geschichtsphilosophie, eine bestimmte l ehre, eine lhora. Simon DubnOW. Ks gehl durch das Judentum eine doppelte (icistesströmüng: eine priesterlich-gesetzliche Richtung, die Staat und Tempel durch Rechts- und Ritualbestimmungen ordnen, also das Volks- und Privatleben gesetzlich regeln will, und eine prophetisch-ethische Richtung, die das sittlich-religiöse Bewußtsein des Menschen und der Menschheit wecken und lieben will. Je nachdem die eine oder die andere vorherrscht, ist die Thora abwechselnd Gesetz und Lehre. Dr. Kaufmann Kohler. Und es tritt in die Gesellschaft und legt das „Recht" als Grundlage der Gesellschaft, aber das Recht als Selbstzweck, als das unantastbare, göttliche Heiligtum der Menschheit, das seinen Wert nicht erst aus seiner Bedeutung für die Sicherheit und Wohlfahrt der gesellschaftlichen Zustände erborgt, das vielmehr in eigenem Lichte strahlt und um seiner selbst willen zur Achtung und Erfüllung kommt. Scharf scheidet dies (ieset/ das Recht an sich von jeder anderen Rücksicht auf die Sicherheit und die Handhabung des Rechts und zeigt dem Menschen im Menschen das göttliche Ebenbild, dem Gott seine Erdenwelt zur Beherrschung hingegeben, das jedem Wesen, das er aus der freien Natur sich aneignet oder mit seinen Kräften schöpferisch erzeugt, den göttlichen Weihetempel iles Eigentums aufprägt und darin seine Rechte und Pflichten erzeugt; das Gottesebenbilder zu achten verpflichtet ist, \\u es \->n ihnen als solches geachtet z\i werden Berechtigung trägt. Es kenn! kein Recht ohne Pflicht und keine Pflicht ohn< entsprechendes Recht. Rabbiner Dr. Samson Raphael Hirsch. \\ is die Propheten au religiösen Wahrheiten übermitteln, h.it zumeist das Gleiche /um Inhalt: die alte in der Thora niedergelegte Lehre Mosches. Was sie unterscheidet und lern I in/v nu n -.ein Gepräge gibt, das ist die Form, in die <.: di< Wahrheit kleidet. W irken wollten die Propheten, wirkeu auf das gottentfremdete Volk, packen und ergreifen sollte ihr Wort, aufrühren du schlummernde Empfindung, aufjauchzen lassen die trauernde Seele, zu Tode betrüben die in Sünden verstockte, l ud darum redeten sie in Gleichnissen und sprachen in Bild.ru. war Anmut ausgegossen auf ihre Lippen. Darum ihre Bedenken, der Berufung zu folgen, wenn sie glaubten, sie verstünden nicht zu reden. Und darum schwebt über der Bibel der Hauch der erhabensten Poesie, ein Hauch von jener Welt, die mit ihrem göttlichen Zauber Jeden berückt, wes Alters, wes Standes, wes Volkes er sei, die mit ihrer Macht das Gefühl bezwingt und durch das Gefühl auf den Willen wirkt. Seminardozent Dr. Josef Wohlgemuth. In seiner Abschiedsrede hat Moses zu den Kindern Israels gesprochen ..die Thora ist nichts Leeres für euch". Diese Worte haben unsere Weisen näher erklärt und dahin erläutert: „Und wenn sie euch nun wirklich leer erscheint, so liegt das an euch, weil ihr nicht in sie eindringt", sie nicht in ihrer wahren und ewigen Bedeutung zu verstehen sucht. Wer über die Bibel sich erhaben dünkt, sie nur kritisieren und meistern will, nach Schwächen und Fehlern in ihr sucht, der wird solche genug finden aber die Fehler und Schwächen haben ihre Wurzeln in ihm, nicht in ihr. Wer leer an Geist und au Verständnis an sie herantritt, der wird auch leer davon gehen. Der suchenden Seele, dem gläubigen Gcmüte, dem klaren Blicke aber enthüllen sich heute wie vor Jahrtausenden stets neue Wahrheiten in ihr und neue Weisheit. Rabbiner Dr. Joseph Eschelbacher Wer dem jüdiscen Hause heute das Buch der Bücher wiederzugeben vermochte, der konnte rettender Tat sich rühmen. Wer das Wunder s e h e n will, wie d e r Q U e 11 s p r u n g verdorren und verlechzen kann, während der Strom, der daraus entquollen, alle Länder wässert, der gehe in die moderne jüdische Familie.! Das Werk der Neubegründung einer jüdischen Volksliteratur hat mit der Bibel zu beginnen. Prot. Dr. David Kaufmann Der grolle Vorzug der Bibel besteht hauptsächlich darin, daß sii für alle Völker, für alle Zeiten und für alle Menschen ohne Unterschied des Bildungsgrades und ihr sozialen Stellung gleich belehrend und sittlich erziehlich war und ist. Die grollten Dichter und Denker der neueren Kulturvölker haben ihre Erhabenheit bewundert; aber auch der einfache Mann aus dem Volke hat in ihr Belehrung, Trost und Erhebung gefunden. Die Bibel ist ein heiliges und zugleich das schönste und vielseitigste Buch der Welt. Sie gehört der ganzen Menschheit au und wird überall, wo die menschliche (iesittung vordringt, eifrig gelesen und bewundert werden. Dr. Simon Bernfeld Aus unserer Gemeinde Pcrsonalnachi icht 7". Geburtstag. \m Donnerstag, den 1. Juni beging H Solms Rosen stock in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Seit Jahrzehnten ist II rr Rosenstock mit unserer Gemeinde und deren Leben und Wirken aufs engste verbunden; als Gemeindeverordneter, \ irstandsmitglied und Stellvertreter des Vorstehers der israelitischen Rehgionsgemeindc, als Vorsitzender des Israelitischen Wohltätigkeitsvereins, als Vorstandsmitglied der Che- . Kadischa hat er seine latigkeH der Gemeinde und ihren »titutionen gewidmet. In vorbildlicher treue zum Judentum und mit liebevollem Verständnis für seine religiösen und seine Wohlfahrtsaufgaben Int er alle diese Ehrenämter ausgeübt. W ir wünschen ihm aus voll«mHerzen, daß ihm noch viele Jahn rüstigei Gesundheit und gesegneten Wirkens in seinem Berufe und im Kreise der Seinigen beschieden sein mögen. Glänzende Erfolge der Bar Kochhaner Vom Jim. I umiimi Sportverein I5;ir Kochba wird uns geschnebea: Die Leichtathletik-Abteilung des J. I.V. Bar Kochba hat in der vergangenen Woche zw ei glänzende Erfolge errungen. Beim Großstaffellauf siegte unsere I. Jugendmannschafl ganz Überlegen vor Wacker und allen anderen Vereinen, und erzielte die beste Zeit sämtlicher Jugendklassen. Damit errang unsere Mannschaft den von den „Leipziger Neuesten Nachrichten" gestifteten Ehrenpreis. Auch das Abschneiden unserer übrigen Mannschaften, ist mit Rücksieht auf die große Konkurrenz, als sehr günstig zu bezeichnen. Die Damen und Knaben belegten den 3., die Herren den 4. Platz in ihrer Klasse.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.