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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-05-20 · 20 (20.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
20 (20.5.1927)
Date
1927-05-20
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3 Jahrgang kaiserliche Ungnade zu fühlen bekam. Line solch unhöfliche Behandlung seiters des kaiserlichen Hofes ließ Agobard, der bis zum letzten Augenblick nicht rachließ. die luden in Wort und Schrift zu verfolgen, nach Riehe sinnen, die er zu üben bald Gelegenheit fand, denn in dm Sireitiykeiten, die zwischen Kaiser Ludwig und seinen Söhnen abgebrochen waren, nahm er o'fen für die letzteren Partei. Nadt der Zeit der Karo! nger lebte der jüdische Stamm namentlich in Deutschland s'il und ruhig dahin. Se;ne Be liebtheit in den höchsten Kreisen halte sidt zwar verloren, doch hörte man nicht über Bedrückungen klager. Überhaupt ist anzunehmen, daß der Jude in jenen frühen Zeiten des .Wittelalters, solange sich der Germane nur auf Ackerboden, Viehzucht und aufs Kriegshandwerk verlegte, auf den Meierhöfen jeweils ein gerne gesehener Gast war, da er damals den großen und kleinen Handel fast noch allein in den Händen hatte und fremde Waren, Seidenzeuge und Spezereien, die Kostbarkeiten des Morgenlandes anbietend und anpreisend durch Deutschlands Wälder trug. Als jedoch die deutschen Städte zu erblühen und wichtiger zu werden und die Bürger selbst sich dem Handel zu widmen beganner, wurde der Jude immer mehr mit scheelen Augen betrachtet und den Geldgeschäften zugetrieben. Von da an wurde er immer mehr und mehr Gegenstand des Hasses, was früher nicht der Kall ge wesen W. Aus unserer Gemeinde Mädchenkont'irmation Am Sonntag. 29. Ma 1!»27, findet voimittags 10 Uhr in der Gemeindesynagoge, Gottschedstraße 28, die Konfirrra'ion der Mädchen siatt. Studentenhilfe An alle Mitglieder unserer Gemeinde, welche imstande sind. W ohltut /n üben, und welche von der Notwendigkeit der Fürsorge für die geistigen Berufe über/engt sind, richten wir unsere herzliche Bitte um Unterstützung der Studentenhilfe. In den letzten Jahren waren es vornehmlich die ausländischen Studenten, welche wegen des Antisemitismus und der Verfolgungen in ihren östlichen Heimatländern (numerus clausus) in Deutschland studieren mußten. Ihre Zahl ist stark zurückgegangen, weil viele von ihnen ihr Examen bestanden haben und Nachwuchs kaum zu verzeichnen ist. Dagegen beginnen wieder in Deutschland normale Verhältnisse einzukehren, die Anzahl der deutschen Studierenden wird immer größer, ihre Lage ist in der Zeit wirtschaftlicher Not sehr schwierig, so daß also die Aufgaben sich gleich bleiben. \<>r dein Kriege gab es grolle Stiftungen in Leipzig, welche diesem Zweig der Fürsorge sich widmeten. Durch die Inflation sind sie alle entwertet und verschwunden, so daß von Organisationen und Einzelpersonen die Aufgaben geleistet weiden müssen. Nach alledem bitten wir ganz her/lieh und dringend, unserem Ritt Folge zu leisten und uns einen möglichst großen Se. lest rl eitrag für die Studentenhilfe zur Verfügung zu stellen. . ■ t ig( h ' man an den mitunterzeichneten Herrn Dr. \ . .... ' nkfurter Str. <>, oder Herrn Rabbiner Dr. Goldmann, K aig-Johann-Str. 17, senden. Dr. ^belsohn, Rabbiner Q. Cohn, Llse Cohn, Dr. Goldmann, Dr. Richard Groß, Emil Joske, ,\\. Nussenow, Dr. Solow eetschik, Fanm Rosenthal, Dr. Wohrizek. Aus anderen Gemeinden und Verbänden Ein Aufruf des deutschen Pro - Falascha - Komitees. Das deutsche Pro-Falascha-Komitee erlaßt den folgenden Aufruf: „Seit .Ml Jahren ist der Blick der Judenheit wieder auf die Falaschas gerichtet, jenen Stamm im schwer zuganglichen abessinischen Hochland, der mit vorbildlicher Irene aii der jüdischen Religion festhält. Obwohl seit "2000 Jahren ohne Verbindung mit der Gesamtheit der Juden, haben die Falaschas allen Bekehrungsversuchen christlicher Missionar /ältesten Widerstand entgegengesetzt Erst als um 1870 die in ihnen erweckte Hoffnung auf eine Verbindung mit der Judenheit sieh nicht verwirklichte, hatte die Misüoü Erfolge; aber kaum war 1903 diese Verbindung durch IM. J. Faißovich wirklich angeknüpft, als die falaschas wieder Mut schöpften und mit ihrer erprobten Festigkeit den alten Glauben vertraten. Seitdem hat Dr. Faitlovich wiederholt ihr Land bereist, die Schwankenden gefestigt, ihnen Belehrung und Bücher gebracht Junge Falaschas wurden in Italien, in Deutschland und neuerdings in Palästina als Lehrer der jüdischen Religion ausgebildet, die, in die Heimat zurückgekehrt, die Lehre der Väter verbreiten und bereits viele Abtrünnige wieder zu ihr zurückgeführt haben. Dm die Lehrtätigkeit intensiver und weniger kostspielig gestalten zu können, ist neuerdings in Addis Abeba unter Leitung eines gut vorgebildeten Falascha ein Lehrerseminar eingerichtet. Es ist geplant, einen tüchtigen Fachmann aus Deuschlandt dorthin zu schicken, der insbesondere den hebräischen Unterricht übernehmen soll. Der deutsche Gesandte in Addis Abeba bringt diesem Plan das wärmste Interesse entgegen und beabsichtigt, dem Herrn auch Unterricht an der dortigen deutschen Schule zu übertragen, wodurch die Kosten für seinen Unterhalt sich vermindern. Überdies sind einige junge Falaschas in Deutschland, die eine bessere jüdische und allgemeine Erziehung erhalten und zu Handwerkern ausgebildet werden; alle Stehen, die mit ihnen in Berührung kommen, rühmen ihren Ernst und ihren sympathischen Charakter. Die Hauptkosten des jüdischen Missionswerks unter den Falaschas werden von Amerika getragen. Für uns in Deutschland ist es eine Ehrenpflicht, diejenigen Beträge aufzubringen, die zur Erhaltung der Falaschas in Deutschland und zur Entsendung des deutschen Lehrers erforderlich sind. Sie sind nicht sehr groll und wir müssen unserer Religion zuliebe dieses Opfer bringen. Nichts fordern jene Glaubensgenossen von uns, als religiöse Befestigung und Belehrung; wir dürfen ihnen diese nicht versagen." JTA. Zurzeit weilt auch in Leipzig ein junger Falascha, der hier seine Ausbildung erhält. Eröffnung einer Schächterschule in Berlin. Auf Anregung des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden ist nunmehr in Berlin endgültig die Eröffnung der Schächterschule zum 15. Mai d. J. beschlossen worden. An der Spitze der Verwaltung dieser Anstalt stellt ein Kuratorium, das sich aus drei Mitgliedern des Engeren Rates des Landesverbandes und vier Rabbinern zusammensetzt, von denen je einer in Breslau und Frankfurt a. M. und zwei in Berlin amtieren. Mit der technischen Leitung der Schule wird Herr B.Gcrendasi betraut, der schon früher eine größere Anzahl von Schülern ausgebildet hat, reiche Erfahrungen auf diesem Gebiete und alle erforderlichen Kenntnisse besitzt. Die Schule wird eine ganze Reihe von Schülern aufnehmen können. Die theoretische Ausbildung wird in die Hände eines Rabbiners gelegt, der als Autorität in Schächtfragen gilt. Die Ausbildungszeit ist auf anderthalb Jahre festgesetzt worden, kann aber bei außerordentlicher Befähigung der Zögi linge etwas verkürzt werden. An die Beherrschung der einschlägigen talmudischen i Literatur sowie an das Vorleben der einzustellenden Kandi-

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