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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-04-15 · 15 (15.4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
15 (15.4.1927)
Date
1927-04-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15 bfnt j dische Künstler wieder den Ausgaben Bilderschmuck hinzugefügt, der eigene jüdische Note und ernste Kunstauffassung zeigt. Jahrzehnte waren wir gewohnt, recht dürftigen Schmuck in sehr bescheidenen Ausgaben zu sehen; und meist handelt es sich dabei um geringwertige Nachahmungen älterer und alter Drucke oder Handschriften; ohne Liebe hatte man geistlos und, man darf wohl auch sagen, geschmacklos dieses und jenes übernommen. Daß man in alten Zeiten nicht nur mit ganz anderem Können, sondern auch mit weit größerer Innigkeit an den Schmuck des Pessach-Büchlcins gegangen war, erkannte man erst, als die wissenschaftliche Erforschung der Haggadah immer mehr Handschriften und alte Ausgaben ans Tageslicht zog. Und seitdem vor etwa 15t) Jahren gelegentlich der Ausgabe der „Haggadah von Serajewo" das gesamte damals bekannte Material an illustrierten Haggadah-Handschriften zusammengetragen und in Bezug auf Ritus und lllustration grundlegend erforscht worden ist, hat diese Kenntnis stete Bereicherung erfahren. Und immer wieder tauchen neue, interessante Beispiele auf, so daß noch nicht abzusehen ist, wann ein abgeschlossener Ueberblick über das ganze Gebiet wird erlangt werden können. In die Untersuchungen über die Entwicklung der Haggadah-Illustration läßt eine Handschrift ganz neues Licht fallen, die bisher nur in engsten Kreisen bekannt war, deren Veröffentlichung gegenwärtig bei dem hiesigen Verlag Karl W. Hicrsemann vorbereitet wird, die sogenannte „Darmstädter Haggadah". Der Verlag halte die Freundlichkeit, uns in das in Druck befindliche Werk Einblick nehmen zu lassen, und wir gewannen die Ueberzeugung, daß wir mit großer Spannung seiner Vollendung entgegensehen dürfen. Das Werk wird bei seinem Erscheinen ohne Zweifel allen kultur- und kunstgeschichtlich Interessierten, allen Freunden des Buches, und besonders denen des jüdischen Buches, ein willkommene Gabe sein. Und man wird mit ungeteilter Freude den ungemein wertvollen Textteil begrüßen, in dem der Darmstädter Rabbiner Dr. Bruno Italiener in Gemeinschaft mit dem Kunsthistoriker Prof. Dr. August L. Mayer (München), dem Frankfurter Bibliothekar Prof. Dr. Aron Freimann (dem zurzeit wohl besten Kenner jüdischer Handschriften) und dem Direktor der Darmstädter Landesbibliothek Adolf Schmidt die ganze Frage der Haggadahforschung nach allen Richtungen behandelt. Mit großer Sachkenntnis ist hier ein Bild über die einzelnen Stufen in der Entwicklung des Bilderschmuckes der Haggadah gezeichnet, das alles bisher bekanntgewordene Material zur Grundlage hat und dadurch so außerordentlich schätzenswert sein wird. Solange die Haggadah noch als ein Teil der täglichen oder der Fest-Gebetbücher geschrieben wurde, beziehen sich die Bilder im wesentlichen auf Stoffe, die in loserem Zusammenhange mit dem Seder stehen; es wird beispielsweise gezeichnet, wie der Hausherr am Abend vor Feiertagsbeginn mit Licht und Federwisch mit dem Aufsuchen des Gesäuerten beschäftigt ist; oder es wird das Mazzahbacken dargestellt. Bis auf eine enthalten diese Machsor- Handschriften verhältnismäßig wenig, was auf das eigentliche Sederritual Bezug nimmt. In größerem Umfange geschieht das erst, als die Haggadah in eigenen Handschriften in die Erscheinung tritt. Hier können gewisse charakteristische Typen unterschieden werden, entsprechend den Wegen, die sich dem Künstler für die Illustration darboten: Benutzung der Bibel oder Benutzung der Haggadah. Für die verschiedenen möglichen Gattungen finden sich interessante Beispiele. Vornehmlich den Erzählungen der Bibel entnehmen spanische Handschriften, die meist eine zusammenhängende Bilderfolgc bringen, den Stoff ihrer Darstellungen. So finden wir Bilderreihen, die mit „Adam und Eva" oder gar mit der „Erschaffung der Welt" beginnen, um die wichtigsten Geschehnisse aus dem ersten Buche Moses und dem ersten Teile des zweiten bis zum Auszuge aus Aegypten, bisweilen sogar bis zur Gesetzgebung am Sinai folgen zu lassen. Es schließen sich dann wohl noch einige Bilder aus dem Ritual des Seder an, einmal, beispielsweise, zeigen zwei Bilder den Hausherrn bei der Verteilung des Charoses bzw. der Mazzah, e'n anderes Mal wird die Vorbereitung zum Seder, Verteilung der Mazzah und das Sedermahl gezeigt; aber unverkennbar sind diese Darstellungen nur als Anhang zu den der Bibel entnommene» Stoffen gedacht. Bei einer anderen Gruppe überwiegen im Gegcr.s.'lz hierzu die Bilder, die von dem Sederritual ihren Ausgang nehmen. Auch sie stellen bisweilen die in der Bibel erzählten Vorgänge dar, aber nicht in geschichtlicher Fol^e, sondern wie aus der Haggadah herausgewachsen: in innigem Zusammenhang mit ihrem Inhalt, ihren Sätzen und Worten. Noch häufiger aber zeigt dieser Typus Bilder, cic sich ganz eng an den Seder und seine Feier anlehnen, so u. a. eine vollständige Darstellung des Seders in seinen verschiedenen Teilen. Zwischen diesen beiden Arten steht eine Reihe \on Handschriften, die mit ihrem Bildcrsehmuck wohl, wie die erste Gattung, von der Bibel ausgehen, sich aber gleichzeitig recht eng auf die Haggadah beziehen. In einem Stück dieser Gattung findet sich zum ersten Male eine Darstellung im Anschluß an die sogenannten „vier Gestalten", freilich nur erst zwei von ihnen: der Weise und der Bösewicht, dieser als Mohr mit niederem, kegelförmigem Helm, Rundschild und blutbeflecktem, orientalischem Krummschwert. Und wiederum andere Handschriften behandeln die Darstellungen aus der Bibel nur als Anhang zu den der Haggadnli entnommenen Stoffen. Aus der Vergleichung der . Dai mstädter Haggadah" mit all diesen Handschriften ergibt sich nun. daß sie in keine der erwähnten Gruppen eingeordnet werden kann. Sie zeigt im Verhältnis zu den anderen weit geringeren inneren Zusammenhang mit dem Inhalt der Haggad; h. Die üblich gewordenen Bilder, die „vier Gestalten" oder die in der Haggadah erwähnten Weisen, die Plagen, der Prophet Elia und viele der sonst begegnenden Stoffe fehlen Dagegen finden sich in ihr sehr viele Tierbilder, und eine große Auswahl Männer- und besonders Frauengestalten, wie sie in solcher Häufung in keiner Haggadah-Handschrift nachzuweisen sind. So ergeben sich aus dieser Sonderstellung der ..Darmsläddcr Haggadah" eine Reihe von äußerst bedeutsamen Fragen über die Zeit ihrer Entstehung, über den Künstler (ob Jude oder Nichtiude'. über das Sederitua! u.a.. Fragen, zu deren I.ösungsvcrsuch. wie er von den Herausgebern unternommen wird, erst Stellung genommen werden kann, wenn einer breiteren Ocffentlichkeit Gelegenheit gegeben wird, die Handschrift in aller Ruhe zu studieren. Es wäre zu begrüßen, wer.n die Herausgabe nicht mehr lange auf sich wagten ließe. G. C. Bestellungen für feine HGüiei nrei8r8ii ,.*s ■ :X'.V- •'. - I ..- ■ \«.:. ■ \ lySA nm J^ s.---»;- :• ^3 I. CO&5Ü KONEtgrctiSS:! KAFFEE MAU/ WRDOMPMHK«.-utNa«MHMi unter Tel. 20214 ■der im Laden Augustu>plau erbeten. lab.: Ernst Fischer früher ianpj)ihri.ei r Paiiuet of t Konditorei ,Ft«1 lt«icb»IUMHr"

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