Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 14 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 14 GEMEJNDERLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 discher Vergangenheil und die Notwendigkeit der Erhaltung ihrer Werte verstehen will, noch auch an jüdischer Zukunft Interesse bezeugt. Der Religionsunterricht will das Verantwortlichkeitsgelühl nach beiden Richtungen hin wecken. Sein Gegenstand ist die Geschichte des Geistes und der Seele, sein Ziel ist die Erziehung des Kindes im Geiste des Idealismus, der das Triebleben durch den Willen überwindet. Und alle Bestrebungen, die das Oeistige im Kulturleben betonen, bauen sich au! der religiösen Unterweisung auf. Wer sie ablehnt, mag ein Kulturmensch in dem Sinne sein, daß er das von anderen Errichtete genießt. Neue Werte schafft er nicht, alte vermag er nicht zu erhalten, und so fehlt ihm zum Kulturmenschen das Wesentliche. Und wer seine Kinder dem Religionsuntei ridve fernhält, versündigt sich am Wesen unserer Kultur. Es ist gewiß nicht tief durchdachter Gegensatz zum Geiste der Zeit, der solches verschuldet. MeiM ist es Gedankenlosigkeit und Materialismus. Musikunterricht ist dem Kinde notwendig, damit es ästhetisches Vergnügen habe und den Menschen gefalle, Rechenunterricht kann nicht entbehrt werden, damit es im Leben vorwärts kommt, Sport ist selbstverständlich, weil nur ein gesunder Körper wahres Lebensglück verbürgt. Alles Wahrheiten, die gewiß beachtet werden müssen! Aber daß dem Kinde auch eine Seele gegeben ist, und daß sie genau derselben Pflege bedarf, wie Geist und Körper, daß ethisches Empfinden ebenso erzogen werden muß, wie das ästhetische, ist eine noch nicht erkannte Wahrheit! Darum der überall offenbare sittliche Tiefstand, die Rohheit der Gesinnung, die uns erschreckt. Darum der stete Drang der Menschen, im Kleinen wie im Großen Krieg zu Innren und die Gewalt an Stelle von Recht und Liebe zu setzen. Kleine Ursachen hartn große Wirkungen! Wer der sittlichen Idee gegenüber nicht soviel Verantwortlichkeitsgelühl besitzt, daß er im Religior.sunleiricht seine Kinder ihr lernhalt, darf sich nicht beklager., wenn ein Geschlecht nachwächst, das in Egoismus und Materialismus sich vielleicht gegen die eigenen fc'rzieher wendet. Atich das Judentum ist em Faktor der sittlichen Gestaltung. Treue und Tradition sind gewiß seine Sauler. aoer Treue und Tradition sind auch die besten Grundlar.en moralischer Erziehung. Das jüdische Kind dem Religionsunterricht fernzuhalten, bedeutet den Bruch mit der Tradition, bedeutet aber damit auch ein Loslösen vom eigenen B<~.den und jene so oft beobachtete Wurzellosigkeif. die vielen jüdischen Schichten den Charakter des Dekadenten und Überheblichen gibt. Juden, die nicht in religiöser Tradition erzogen werden, nei^t.t bekanntlich zu jener Hyperkritik und Ironie, die für das Fehler positiver seelischer Werte so typisch ist. Und es ist nicht r^r die Verantwortlichkeit ge.^en das Judentum als historisches Gebilde, sondern mehr n< ch die Verantwortlichkeit gecen das junge Geschlecht und seine seelische Kraft, das rel.eiöse Unterweisung zur Notwendigkeit macht. Religionsunterricht ist freiwillig! Menschen aber, eis ihrer Verantwortung gegen Kultur und Jugend sidi bewußt sind, wissen, daß er notwendig ist. Solange Geist und Idealismus als weltbeherrscherde Kräfte anerkannt werden, so lange wird man auch das junge Geschlecht au! dem Wege der Religion zu ihnen führen müssen. ,. _ ,, 6 Dr. F. Goldmar.r. Aus unserer Gemeine!« Berichtigung Der Bericht über den Vortrag des Herrn Pro!. Chajes in Nr. 11 des Gemeindeblatts enthält am Schlüsse einen durchaus sinnstörenden Druckfehler. Der entsprechende Satz sollte lauten: „Und Uber diese Kreise hinaus bringt die von Prof. Dr. Chajes vertretene Auffassung des geistigen Nationalismus für diejenigen, die sich von urjüdischen Quellen entfernt haben, «ine erwünschte und erhabene Walle im Kampf um die nationale Erneuerung, — den Gedanken der Pflicht zur Nation im Dienste der Menschheit. Unsere Listen für die Aulr.ahrr.e in der Soolbad Kolonie Dürrenberg sind geschlossen. — D'e Zahl der diesjährige! Anmeldungen übertrifft bei weitem die der letzten jähre, s i daß wir leider nicht in der Lage sind, alle Gesrche berück« siditigen. Wir beabsichtigen, statt der üblichen dre: il esmal vier Kolonien nach Diirrenberg zu schicken, aber nur u:e erigen Kinder werden mitgenommen, die der untersuche ml? Arzt als dringend erholungsbedürftig erklärt. BÜB^B^MH^Mi Täglich über 10COOO Auflage Moaus Chittim Die Verteilung der Beihilfen zu Peßsch findet in der Jüdischen Lesehalle und Bibliothek (Keilstr. 4 H. 2 Tr.) zu folgenden Zeiten statt: Sonntag, 10. April, nachm. 3 Montag, \ / Dienstag, f 11.—14.1 Mittwoch, \ April / Donnerstag/ ' -7 Uhr nachm. 5—7 Uhr Zur gleichen Zeit mögen sich dort auch diejenigen melden, die statt geldlichen Beihilfen Speisekarten zu erhallen wünschen. In dankenswerter Weise haben sich die Herren Fleischermeister W i 1 h. Z e 11 n e r (Nordstr. 13) und Frischer (Nordstr. 11) bereit erklärt, den von dem Moaus Chittim-Ausschuß Empfohlenen Itlr die Festtage Fleisch zum Preise von 1 Mark das Pfund abzugeben. Israelitischer Wo hl tat igk eits verein Soolbad-Kolonie Dürrtnbtrg Wir werden vom Dürrenberg-Komitee gebeten, folgendes bekanntzugeben: Jtßm *"äv, neue&iptfgQv Jsifun* > «<,Vk-iLft-X Bezugspreis 2.50 M. monatlich Im Postbezug 3.42 M. einschl. BesleNgeM