Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 14 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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3 Jahrgang Vorschriften für Sabbalh Erew-Peßach Das orthodoxe Rabbinat bittet uns, folgende Bekanntmachung zu erlassen: Da in diesem Jahre Erew-Peßach an! einen Sabbath fällt und die religiösen Vorschriften hierfür nicht allgemein bekannt sind, so seitn dieselben in lobendem kurz dargelegt. § 1 Das Nachsuchen und Nichtigerk'ärcn des Gesäuerten (Bedikas uhittul Chomez) findet in der Nacht auf den 13. Nissan, also am Donnerstag. 14. Apiil, statt, und zwar ganz in der gleichen Weise wie sonst am Vorabend des 14. Nissan; ebenso wird vorher die Brocho und nachher Kol Chamiro gesprochen. § 2 Die Erstgeborenen (oder deren Väter während des Kindesalters der Bechorim) lasten Donnerstag, 12. Nissan. § 3 Am 13. Nissan, Freitag. 15. April, ',11 Uhr, findet das Verbrennen des C h o m e z statt, ohne daß dabei Kol Chamiro gesprochen wird. § 4 An demselben Tage, also Freitag, 13. Nissan, muß das Chotnez verkauft werden. Es darf nur soviel Chomez als Eigentum behalten werden, wie man Freitags, Freitag abend und Schabbos früh zum Essen gebraucht. 8 5 Am Sabbalh Erew-Peßach morgens geht man früh zum G'ttesdienst (in den hiesigen orthodoxen Synagogen früh um 1 -7 Uhr), damit man noch genügend Zeit habe, vor 9 30 Uhr die beiden Sabhathmahlzeiten mit Brot zu genießen. § 6 Am babbath Erew-Peßach darf man nur bis vormittags 930 Uhr Chomez genießen. § 7 Von Chomez-Speisen sollen für diesen Sabbalh nur solche gekocht werden, die nicht zu sehr an den Töpfen kleben, wegen der am Sabbath unzulässigen Reinigung derselben. § « Die sämtlichen Vorbereitungen für den Sederabend dürfen erst nach Ausgang des Sabbaths besorgt werden, Charoses, Ei und Seroa sollen schon vor Sabbath zubereitet werden. § 9 Wenn Sabbathbrote im Hause gebacken werden, so ist an diesem Freitai> besonders streng darauf zu sehen, daß man r.icht vergesse, ("hallo zu nehmen. Praktische Ratschläge für Erew-Peßach am Sabbath Am Freitag, bevor man mit dem Kochen für den Sabbath beginnt, bringe man die Küche vollkommen in den Stand, in welchem dieselbe sonst erst am Erew-Peßach in der Zeit des völligen Chomez Verbotes sein muß. Der Herd sei geglüht oder nach Vorschrift mit Platten neu belegt, die Geräte gekaschert, Küche und Schränke sorgsam gereinigt. Es befinde sich kein Chomez-Geschirr und selbstverständlich keinerlei Chomez mehr in der Küche. Vor Eintritt des Sabbath schließe man alles Chomez Geschirr fort mit Ausnahme derjenigen Geräte, die man am Sabbath roch gebrauchen will. Diese hebe man außerhalb der Küche mit den Sabbathbroten.und etwaigem anderen Chomez an einer besonderen Stelle auf. Alles Chomez, das man nicht für den Sabbath nötig hat, schaffe man aus dem Hause und durch vorschriftsmäßigen Verkauf aus dem Besitze. Während in der Küche alles schon wie für Peßach vorbereitet ist, darf auf den Sabbathtisch, worauf sich die Sabbathbrote, also Chomez befinden, kein Gerät gebracht werden, das man am Jomtow gebrauchen will Der Tisch wird mit Chomez- Geschirr gedeckt. Leert man daher in der Küche die Speisen in ein neues oder sonstiges Jomtowgeschirr und bringt dieses auf den Tisch, so kann man dieses Gerät nicht mehr für Jomtow gebrauchen. Wer kann, kaufe 2—3 neue Töpfe, für Fleisch und Suppe, Kaffee und Milch, und koche in diesen das für Freitag aoend und Sabbath morgen Notwendige, richte aus diesem Geschirr in dem Zimmer, in welchem die Mahlzeit eingenommen wird, an, reinige sie notdürftig nach dem Gebrauch mit dem Chomez- Geschirr und stelle sie mit diesem weg, um sie nach Peßach für Chomez zu gebrauchen. Wer nicht neues Geschirr kaufen kann, möge, da man heiße Speisen von einem Peßach-Geschirr, in welchem die Speisen gekocht wurden, in ein Chomez-Geschirr und umgekehrt nicht unmittelbar umleeren darf, alles in Peßach-Geschirr kochen, leere dann die gekochten heißen Speisen in ein anderes kaltes Peßach-Geschirr und von diesem zweiten Peßach- Geschirr erst in ein kaltes Chomez Geschirr um, aber so, daß nicht von diesem Chomez Geschirr in das Peßach-Geschirr etwas zurückspritzt, und daß die Geräte einander nicht berühren. Nach der Mahlzeit am Sabbath morgen schüttelt man die Kleider und die Tischdecke, auf denen Chomez-Krumen liegen, sorgfältig aus, legt letztere zum Chomez Geschirr und fegt das Zimmer in der am Sabbath erlaubten Wdise. Was von Chomez-Speisen übrig bleibt, schenkt man einem Nichtjuden, der nicht zum Hause gehört, in der Art, daß er es von selbst niir.mt und aus dem Hause trägt; dies alles muß bis 101... Uhr morgens besorgt sein. Gleich nachher wird Kol Chamiro gesprochen. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Vom Rellglc j*""*""Mjjeder ist ein Schuljahr zn Ende gegangen, und in : \Y7 : wenigen Tagen beginnt ein neues. Die heutige j ¥¥ : Nimmer des Gemeindeblattes enthält eine Auf- :! forderung an alle Eltern, ihre Kinder dem Religionsunterrichte zuzuführen, und die genauen Zeiten des Schulbeginns in den einzelnen Zweiganstalten sind zur Erleichterung beigefügt. Der Religionsunterricht ist heute freiwillig! Und wer nur oberflächlich urteilt, könnte darin einen Nachteil erblicken. Denn wie bereits früher an dieser Stelle hierüber ausgelührt wurde, nehmen heute höchstens 60 Prozent der jüdischen Kinder am Religionsunterricht teil, während in früherer Zeit fast volle hundert Prozent die Schule besuchten oder privatim unterrichtet wurden. Aber sobald man daran denkt, daß Religion reine isunterrIcM Gewissenssache ist, und daß demgemäß ein Zwang in einem Gegensatze zum Kulturbewußtsein unserer Tage steht, wird man trotz mancher praktischen Nachteile nichts an dem ändern wollen, was die neue Raichsverfassung an Freiheit auch auf diesem Gebiete gebracht hat. Der jüdisch; Religionsunterricht appelliert in unseren Tagen lediglich an das Verantwortlichkeitsbewußtsein jüdischer Eltern. Und zwar gilt das nach zwei Richtungen hin. Unsere Zeit leidet unter einem doppelten Mangel. In der allgemeinen Kultur ist das Geistige und das Seelische in einem erschreckenden Maße in den Hintergrund getreten, und das rein Körperliche beherrscht das Sinnen und Wollen unserer Geschlechter. In jüdischen Dingen aber regiert eine durchaus egoistische Weitanschauung, die weder üen inneren Glanz jü-