Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-03-25 · 12 (25.3.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
12 (25.3.1927)
Date
1927-03-25
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4876568-5968785-5968956--1046-4878744
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SsUe 4 3. Jahrgarg am Montag, dem 28. März 1927 van 10—12 Uhr vormittags. Spätere Meldungen können nicht berücksichtigt werden. Israelitischer Frauenverein zu Leipzig. Am Mittwoch den 16. d. M hielt der Israelitische Frauen- \e«eia in den Räumen der Leipzig-Loge seine ordentliche Generalversammlung ab. Die Vorsitzende wies in ihrem Tätigkeitsbericht darauf hin, daß infolge der wirtschaftlich schweren Zeiten Tätigkeit und Kasse des Vereins sehr stark in Anspruch genommen waren Der Verein sah seine Hauptaufgabe in der Unterstützung und Beratung bedürftiger Frauen und Mädchen, denen er durch Verteilung von Geld und Lebensmitteln, Beschaffung von Arzneimitteln und Bädern, durch ärztliche Behandlung, durch Zuschüsse zu Badereisen wertvolle Hilfe leistete. Eine sehr schöne und sehr zu fördernde Aufgabe des Vereins besteht auch darin, daß er schulentlassenen Mädchen die Mittel zur Berufsausbildung sibt. Der Frauenverein leistet in der Stille außerordentlich viel Gutes und gehört zu den segensreichsten Institutionen unserer Gemeinde. Durch verschiedene Spenden, die unten angewiesen sind, wurde die Arbeit des Vereins erleichtert, obgleich er auch mit diesen allen an ihn gestellten Anforderungen nicht gerecht werden konnte. ' An den offiziellen Teil schloß sich ein gemütliches geselliges Beisammensein, in dem die Damen Goldstein, Dr. Spitz und Herz durch ihre künstlerischen Leistungen die Zuhörer erfreuten und denen dafür auch an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt sei. Spenden 1026 (in Mark): Frau Louise Ariowitsch 250. Herr Assuschkewitz und Frau 10, Frau Ernestine Bartfeld 10, Frau Ciaire Blumenthal 20, Frau Flora Breslauer 100, Frau und Herr Rudolf Baumann 54, Nachlaß von Frau Malwine Bon 200, Herr Dr. Chamizer und Frau 20, Frau Minna Dubinti 30. durch Frau Emmerich 30, Frau Rosa Felsenstein 5. Herr und Frau Isidor Ff Isenstein 45, Herr S. Gottlieb 100, Herr |ohn Goldschmidt und Frau 10, Herr Hugo Groß und Geschwister 50, Frau Erna Gompertz 20, Herr und Frau Dr Hiller 30, Herr S. Kroch 100, die Kinder von Frau Mathilde Kaulmann 100, Herr Max Löwenberg 20, Frau Leo LifSChütz 60. Frau Albert Neugaß 100, Frau Hedwig Mathias 10. durch Frau Hedwig Mathias 10; Frau Anna Nelke 3, N.N.55, Frau Anna Neumann 10, Frau Hedwig Ptatky 20, Frau Dr. Oster-Hamburg 10, Frau Fanny Rosenthal 20, Frau Johanna Rosenfelder 30, Frau Max Rosenfelder (Erlös f. I. tempelk.) 15, Herr Schub 25, Herr Dr. Tausig 20, Herr und Frau Moritz Uiy 100, Summa 1643 Mark Judenheit iud Umwelt Vortrag von Oberrabbiner Prof. Dr. Chajes Die Fragt — was kann ein Volk für die übrigen Völker tun — ist eine spezifisch jüdische Frage. Im Allertum hat kein anderes Volk diese Frage aufgeworfen. Für die Griechen waren andere Völker Barbaren, die Verbreitung dtr griechischen Kultur war eine Selbstverständlichkeit, bedeutete jedodi keine selbständige Aufgabe. Ähnlich verhielten sich die Römer. Es gibt auch ein modernes Beispiel eines Volkes, welches kein m^$mmzm$m>< J. C Hanisch, Leipzig Grimmaische Str.29 und Hauptbahnhof Westhalle Gegründet 1836 / Fernspr. Nr. 20016, 21173 Frische Blumen zu jeder Gelegenheit Bedürfnis empfindet, seine Kultur zu verbreiten. Das sind die Engländer; im Unterschied zu den Franzosen, die ständig daran denken, in ihre Kolonien den französischen Schulmeister zu schicken. Für die Juden aber war der Gedanke an die übrige Menschheit immer maßgebend, sie waren stets bestrebt, diejenigen Wahrheiten, die vom jüdischen Standpunkte aus für die ganze Menschheit entscheidend sein sollten, anderen Völkern beizubringen. Dieser messianisdie Gedanke charakterisiert den jüdischen Geist. Nicht aus praktischen Gründen sollte die Tätigkeit für andere Völker erfolgen. Denn „am Ende der Tage", wenn kein praktisches Bedürfnis mehr für gegenseitige Annäherung der Völker vorliegen könnte, sollte sich den Völkern die messianisdie Wahiheit offenbaren. Die Feinde von heute, die Fremdvölker sind die Brüder von morgen. Dabei lag es nicht im Sinne des Judentums, andere zu Juden zu machen. Andere Völker brauchten ihre Eigenart nicht preiszugeben. Das Judentum galt nur der Verbreitung bestimmter Grundsätze, die für die ganze Menschheit von Bedeutung sein [ mußten. Die Menschen sollten nicht zu Juden, — sie sollten zu „Gottesfürditigen* erzogen werden. Das war die Form der jüdischen Propaganda. Ihre Spuren konnten noch bei den Ausgrabungen bei Milet entdeckt werden, wo eine Inschrift lautete: „Das ist der Platz der Juden und der Gottesfurchtigen". Das Bestreben, dem messianisdien Gedanken eine allmeine menschliche Grundlage zu verleihen, ist z. B. auch aus den beiden Formen des Dekalogs (der zehn Gebote), wie sie im Pentateuch gegeben sind, ersichtlich.' Während im Ex. 34 auf besondere jüdische kultische Vorschriften hingewiesen wird, liefert Ex. 20. Kap. das Material für die allgemeine menschliche Propaganda der jüdischen Lehre. Ohne Abfall, ohne Abtrünnigkeit sollten andere Völker die jüdische Lehre annehmen. Auf solcher Grundlage wäre die Judaisierung für die geistige Entwicklung der antiken Welt entscheidend gewesen, wäre nicht Paulus dazwischen getreten und hätte nicht der Grundsatz der Bildlosigkeit Gottes — ein anderes Geschenk, das das Judentum der Welt gebradit hat — der Verbreitungsmöglichkeit der jüdischen Lehre Schranken gesetzt. Der messianisdie Gedanke gehört zu den größten Errungenschaften des jüdischen Geistes. Dieser Gedanke bedeutet eine Verpflichtung des Volkes anderen Völkern gegenüber und kann als Vorläufer des Völkerbundgedankens bezeichnet werden. Aber — seitdem das jüdische Volk seine Selbständigkeit verloren hat, hat es auch diese edelste Form des Verhältnisses zu anderen Völkern verloren. Und auch seitens anderer Völker haben die Juden der Diaspora bestenfalls die Anerkennung als Bürger erlangt. Sie wurden nicht mehr als Juden geschätzt, sondern man ließ sie, wenn man ihnen günstig gesinnt war, als Menschen gedeihen. Die alte messianisdie Idee, die verantwortungsvolle Frage: was können die Juden als solche für andere Völker leisten — diese Frage ging samt dem natürlichen Selbstbewußtsein den Juden verloren. Erst seit jener Zeit, als der Gedanke an eine selbständige Existenz des jüdischen Volkes wieder wach wurde, erst Schöne Geschenke in hochwertigem modernen Kristall von Fahle im Laubengan J des alten Raihauses

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.