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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-03-25 · 12 (25.3.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
12 (25.3.1927)
Date
1927-03-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RRLIGIONSGEME1NDE, LEIr/.IG Scrse 3 Als Jude stellte Dr. Paul Nathan eine schon historisch gewordene Persönlichkeit und zugleich einen mit jugendlichem Elan vorstürmenden Kämpfer für das Recht und die menschliche Geltung der Juden dar. Sein Leben lang widmete er sich den kulturellen und politischen Fragen des deutschen Judentums. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens noch nicht bestand, hat Paul Nathan mit wenigen Gesinnungsgenossen das Abwehrkomitee gebildet, das durch eine Reihe von ihm veranstalteter warlvoller Publikationen dem Judenhaß wirksam entgegentrat. Seit der Begründung des Centralver eins gehörte er zu dessen maßgebendsten Kftpfen; seine Frfahrung und Rat wurde bei keiner Gelegenheit übergangen. Er gehörte lange Jahie dem Hauptvorstande des Centraivereins an. Weltbekannt wurde Dr. Paul Nathan durch s< in wiederholtes Eingreifen für die Interessen der verfolgten Juden in den osteuropäischen Ländern und durch die Organisierung des Kultur- und fc'rziehungswtrkes des Hilfsvereins der deutschen Juden im Orient und insbesondere in Palästina Seitdem vor mehr als 25 Jahren der Hillsverein unter seiner direkten Mitwirkung begründet wurde, stand er ganz in dem Dienst der sozialen, humanitären und Kuliurideen dieses Vereins, dessen Vizepräsident er bis zuletzt war. Das mustergültige Schutwerk des Hilisvereins in Palästina, das später von der Zionistischen Weltorganisation übernommen wurde, war zum großen Teil unter seiner Initiative entstanden. Auch das berühmte Technikum in Haifa ist eine geistige Schöpfung Paul Nathans. Fiuige Male besuchte er Palästina im Ir.teresse dieses Kuflurwerkcs. Der Zionistisdien Bewegung stand er in Abwehr gegenüber, wenn er auch rein praktischer Palastinaaibeit nicht abhold war. In den Jahren 1ÖU4, iy(J5 urd lVUö, als eine neue grobe Welle von Pogromen das Zarenreidi überzog, machte er wie dei holte Reisen nach Rußland und intervenieite persönlich bei den Ministem Witte und Stolypin zugunsten der Verfolgten. 1907, als in Verbindung mit den Agrarunruhen in Rumänien eine gefährlidie Judenverfolgung in diesem Lande einsetzte, reiste Dr. Paul Nathan nach Bukarest und konfei ierte mit den damaligen Ministerpräsidenten Sturdtza über eine Linderung der Lage der aus ihren Heimen fli dhtenden rumänischen Juden. Eine weitere Etappe in seinem Wirken für die verfolgten Juden bildete 1912 seine R«.ise nadi dem Balkan, die er yemeinsam mit den Herren Dr. Bernhard Kahn urd F.ikan Adler im Auftrage der Internationalen Konferenz in Brüssel »int»'rr.>hm, um Reiiungsmattnahmen lür die durch die Kriegswirren r^edrohltn Juden in den Balkanländern und in Saloniki iu organisieren. Groß war sein Wirken im Wellkriege, die Organisierung des jüdischen Hilfswerkes hinter der Front. Ernst vor kurzem hat Paul Nathan berichtet, wie er bemüht war, die Juden hinter der Front und in der Etappe zu schlitzen und vor unklugen Deportationsplauen mancher Generale tu bewahren. Denkwürdig wird Paul Nathans Wirken in der Angelegenheit der berüchtigten Rilualmordprtzesse in Tiszu Eßler, Xanten. Könitz und zuletzt im Kiewer Ritualrronlprozeß gegen Merüe: Beilis bleiben. Nodt als fast 70jähriger gönnte sich Paul Nathan keine Ruhe. Vor wenigen Monaten unternahm er eine Reise nach Rußland, um die unter den russisdic n Juden vor sich gehende Aufbatibewegung persönlich kennen zu lernen und das Aulbauwerk in Augenschein zu nehmen. Das Problem der Predtiktivierurg der Juden in Rußland beschäl; igte ihn leidensd.aft'ich. In einigen Interviews mit dem Vertreter der Jii .iischtr. Telegraphen - Agentur urd in seiner vor weitigen Wochen e-- schienen Broschüre „Das Problem der Ostjuden' vertrat tr seine bekannten, vielfach umstrittenen Id.er. betreffend die Umschichtung im russischen Judentum. Aus unserer Gemeinde Prüfungsergebnis an der Höh. Isr. Schule. In der „Höheren Israelitischen Sihuie" haben in der letzten Woche die Reifeprüfungen stattgefunden. Die Knaben wurden an der Anstalt selbst unter Vorsitz de:; zum staatlichen Rtg'erungskommissar bestellten Herrn Oberstudiendirektoi Professor Dr. Donadt geprüft; d:e Ergebnisse waren überaus erfreu,ich. Von 28 Schülern der I.Klasse ist 27 die Reife zugesprochen worden; mehr als die Hälfte bat das Examen mit der Note „Gm" bestanden. Von den Schülerinnen der ersten MSdchenklaSte wurden 12 zum Abschloßt xamen zugelassen. Dasselbe kann bis jetzt noch nicht an der Schule selbst abgehalten werden; die Mädchen werden vielmehr, ebenso wie die Absolventinnen aller übrigen privaten liühtitn Töchterschulen in Leipzig, einer öffentlichen Anstalt überwiesen. D?s Ministerium für I Volksbildung hat hierfür in diesem Jahre die III.städtische höhere Mädchenschule, die unter Leitung des Heim Obeistudiendirektor Professor Dr. Prüfer steht, btslin.n t. Auch hier wurden sehr aterkennensweite Resultate erzielt. 11 Schülerinnen bestanden und zwar wurde 1 mal 2a. 1 mal 2, 2 mal 2b, 3 mal 3a, 4 mal 3, als Leistungszensur gegeben. Diese Prüfungsergebnisse legen beredtes Zeugnis dafür ab, daß an der Schule mit Ernst und Erfolg gearheitet wird. Wie aus dem Inserat in diesem Blatte ersichtlich ist, findet die feierliche Entlassung der Absolventen der Schule am Sonntag, den 29. März, mittags pünktlich 12 Uhr statt. Diese Entlassungsfeiern haben bisher stets einen besonj ders wlrdigen Verlauf genommen; sie gaben Gelegenheit, von den Gedanken zu hören, die für die Leitung der Schule maßgeblich sind. Direktion und Lehrerkollegium laden auch diesmal alle Interessenten herzlichst zur Teilnahme ein. Israelitischer Wohltätigkeitsverein Soolbadkoloiiie [Kirrenberg (Alfons Jacobsohn-Kinderheim) Dio Solbadkolonie Dürrenberg wird am 3. Mai d J, eröffnet Es werden 4 Kolonien hinausgeschickt. Anmeldungen für sämtliche Kolonien werden entgegengenommen Löh.rstr.-iße 10 plr. Tägiich über 10OOOO Auflage Bezugspreis 2.50 M. monatlich Im Postbezug 3.42 M. einschl. Bestellgeld

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