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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-03-11 · 10 (11.3.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
10 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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SJr. 10 gegen das raffende Kapital. Herr ür. üinstein Konnte auch hierzu ausführlichst dartun, daß heute, Im Gegensatz zur Vorkriegszeit, alle jüdischen Bankhäuser, wie Mendelsohn und Bleichröder, keinerlei Einiluß auf den Geldmarkt zu üben imstande sind. Der Geldmarkt wird heute monopolartig von den öffentlichen bezw. staatlichen Stellen aus vollkommen beherrscht. Die Antisemiten vergessen, daß der Begriff vom | schaffenden und raffenden Kapital heule nicht mehr besteht, j Die Entwicklung, in der wir jetzt stehen, ha' mit der scharfen Trennung von schaffendem und raffendem Kapital aufgeräumt, j Die Banken sind verschmolzen mit der Industrie uni die In dustric versucht sich mit den Banken zusammenzutun, Die Antisemiten behaupten weiter, da« jüdische Kapital hatte unter dem speziellen Schutz der Republik gestanden. Einen Beweis dafür zu bringen, ist schwer, weil es nicht zutriflt. VV hl kann nachgewiesen werden, daß nichtjüdische Industrieunternehmungen vom republikanischen SUa'e durch Sub | ventionen unterstützt wurden, wir haben aber niemals gehört, j daß jüdische Konzerne, z.B. der Richard Kahn-Konzern und der | Sichel-Konzern, an dessen volkswirtschaftlicher Bedeutung nicht | gezweifelt werden kai n, irgendwelche Subventionen zur Fortführung der Betriebe bekommen haben. Auch zu der antisemitischen Behauptung, die deutsche Volkswirtschaft sei durch einzelne jüdische Unternehmer in einem ungeheuren Ausmaß geschädigt worden, brachte der Referent ausführliche Vergleiche zwischen der Affäre Barmat und Stinnes, die deutlich erkennen lassen, in welchem Maße nichtjüdische Mitbürger die deutsche Volkswirtschaft ruiniert haben. Wenn man «ich die Wirtschaftsentwicklung vergegenwärtigt, so muß man sich darüber im klaren sein, daß der Kapitalismus sich gewendet hat. Die deutsche Volkswirtschaft ist jetzt in der Entwicklung der Vertrustung. Wir haben in den letzten Monaten eine ungeheure Zusammenballung der Industrie in allen Branchen; dadurch verlieren die mittleren Unternehmungen ihren Absatz. Fast alle Trusts sind ausschließlich von Nichtjuden getührt. Es läßt sich in der Schwerindustrie nachweisen, daß Unternehmungen, in denen Juden vertreten sind, ihre Bedeutung verloren haben, und daß das Judentum durch diese Konzentration der Industrie seinen Einfluß, den es früher sicher einmal gehabt hat, vollkommen verloren hat. Die Juden wollen gar keinen entscheidenden Einfluß in der Volkswirtschaft, sie wollen nur auf Grund ihrer Leistungen und ihrer Fähigkeiten die gleiten Stellungen haben, wie ihre anderen deutschen Mitbürger. In der sich anschließenden Ausspradie wurde, neben den im Referat behandelten Fragen, auch darauf hingewiesen, daß der jüdische Handwerkerstand seitens der jüdischen Bevölkerung stärkere Förderung erfahren müßte. V. Tagung des Verbandes jüdischer Studentenvereine Deutschlands Am 26. Februar wurde in Leipzig im Großen Saale der Alten Börse die V. Tagung des Verbandes jüdischer Studentenvereine in Deutschland bei Anwesenheit des Zentralkomitees und 30 Delegierten aus verschiedenen Universitätsstädten Deutsdilands sowie von Vertretern der jii tischen Behörden Leipzigs eröffnet. Nach einer Begrüßung der Kommilitonen und Gäste durch das Mitglied der Exekutive, F. Rihinowitsch, spradi Herr Dr. Rubin Uber „Die Lage und Aufgabe der jüdischen Studentenschaft in der Gegenwart". Die Wellen des Antisemitismus, die in der Hauptsache in den nach Kriegsausbruch neu entstandenen Staaten Osteuropas ausbrachen, haben viele Hunderte von jungen Akademikern gezwungen. ihre Heimstätten zu verlassen und ein Asyl in den Nachbarstaaten Mittel- und Westeuropas zu suchen. Gegen die Verfolgungen und Schikanen, denen die jüdisiu-n Studenten in vielen östlichen Staaten ausgesetzt sind, und die in der Hauptsache den Anlaß gaben, die Gastfreundschaft der wahren Kulturstaaten in Anspruch zu nehmen, erhob er schärfsten Protest. Redner betonte andererseits, daß die aus dem Osten stammenden jütischen Studenten in Deutschland seitens des Staates und hauptsächlich der jüdisch-deutschen Gesellschaft eineversiändnisvoile Aufnahme finden. In erster Linie hob er die ersprießliche moralische und materielle Hilfe hervor, die von den großen j jüdischen Organisationen Joint. Ica, Hilfsverein der deutschen Juden u a. Mim Studenten verbände zuteii wurde. Aber nicht nur diese Organisationen, sondern die breitesten Kreise der jüdischen Öffentlichkeit und enzelne Persönlichkeiten, unter | denen die bekannten Namen Rabbiner Dr. Goldmann, Dr. Hil- I desheimer, Prof. Einstein, Dr. James Simon, Dr. B. Kahn, Dr. Paul Nathan u. a. zu erwähnen sind, haben die Bestrebungen unseres Verbandes aufs eifrigste unterstützt. Im Namen der Israelitischen Religionsgemeinde begrüßte die Tagung Herr Vorsteher Carl Gold Schmidt, der die Bej strebungen des Verbandes in warmen Worten würdigte und der ferneren Unterstützung durch die jüdische Gesellschaf! versicherte. Es begrüßten ferner im Namen der zionistischen Organisation Herr Dr. Woskin, i;n Namen des Jüdischen Frauenbundes Frau Neumann, im Namen der Arbeirervereinignng Herr Jolles, im Na neu der Kadima Herr Goldhaber, im Namen der Poale-Zion Presse Herr Kalecko, im Namen des Jüdischen Arbeiter Kulturvereins Herr Bärmann, im Namen des Chaluz Herr L. Schächter. Verlesen wurden Begrüßungen von Hans Goslar, Dr. Meyer Hil Jesheimer, Hilfsverein der deutschen Juden, Joint, Ort und vie;e Telegramme von jüdischen Studentenverbindungen innerhalb und außerhalb Deutschlands. In einem längeren Referat sprach alsdann das Ehrenmitglied des Verbandes, Herr Rabbiner Dr. Goidmann. über die Probleme der jüdischen Studentenschaft In seinen sehr inhaltreichen und von hoher idealer Begeisterung getragenen Ausführungen wies der Referent auf die Bedeutung der jüdisdien Studentenschaft hin. Was dem Juden die Portexistenz verbürge, seien lediglich seine geistigen Kräfte. Darum habe die gesamte Juden'icil das allergrößte Interesse d iran. daß die Bestrebungen der Feinde, uns von jeglicher KJiur fernzuhalten und auszuschließen, vereitelt werden. Der Versuch, den Begriff „deutsch" anstatt mit der Vorstellung über Kultur und Hrr nhii / * mwm MÜLLER « mwi An er<#* llerrcnliiitc - Mützen Julius Müller Leipzig;, Petersstr. 30 L.Gohlis, Hallische Str. 87-89 * In Gohlis auch Wäsche, Cravatten und andere Herrenartikel <&re4te€&mcx*~ Jj — ySaftmJJfoa Sit* Oberiiemeien u. jegliche y-iefM^nu-ki JcJi<a n&i'n ciacjiem C/^eal^yAt -~m CTOk\l/A±±en - Tt^iu/i&xie.n &M^Jfemdm/chn£i&if Seit fS CaSi^en am?ftarhi nn Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portleren Herrenu. Damengerd. Nächste Filiale: Bftlsgäfichen Nr. 6-

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