Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-03-11 · 10 (11.3.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
10 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4876568-5968785-5968953--1020-4878720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seile 4 ÜEMFINDEHLATT l'ER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. Jahrgarg Aus unserer Gemeinde Solbadkolonie Dürrenhcr« (Alfons Jacobsolin-Kindcrheim) Die Solbadkolonie Dörenberg wird am 3. Mai d. J. eröffnet Es werden 4 Kolonien hinausgeschickt. Anmeldungen für sämtliche Kolonien werden entgegegengenommen Löhrstraße;0 ptr. am Montag, dem 14. Marz 1927 am Montag, dem 21. März 1927 am Montag, dem 28. März 1927 Min l«) -12 Uhr vormittags. Spatere Meldungen können nici-.t berücksichtigt werden. Zweiter Vortragsabend im Frauenverein „Ruth" Der nächste Vortragsabend findet am Dienstag, dem 15. März, abends 8 Uhr, wieder in der I. Realschule, Nordstraße, statt. Herr Dr. Loebenstein spricht über das Thema „Was muß d;e Mutier vo'i der geistigen Entwicklung des Kindes wissen?' Da die erste Veranstaltung überaus gut besucht war und daher jetzt mit einer noch stärkeren Beteiligung zu rechnen ist, so sei darauf hingewiesen, daß dieses Mal ein größerer Saal mit ausreichenden Sitzplätzen zur Verfügung steht. Auf der großen T?fel im Erdgeschoß der Realschule Ist angezeigt, in welchem Klassensaal der Vortrag stattfindet. Vortragsreihe des Herrn Dr. Goldmann Der letzte Vortrag des Herrn Dr. Goldmann über Jüdische Geschichte und jüdisches Geistesleben zur Zeit der Entstehung des Christentums finde; am 16. März, pünktlich 8 Uhr abends, im Konferenzzimmer der Höheren is. Schule, Gustav-Adolf-Str. 7, statt. Gedenkfeier für die im Kriege Gefallenen Bekanntlich hat die sächsische Regieiung weder eine Teilnahme an dem allgemeinen Gedenk'ag für die Gefallenen beschlossen, noch auch einen anderen Tag für die Abhaltung der Gedenkfeier in Sachsen in Aussicht genommen. Daraufhin haben, wie in einer hiesigen Zeitung berichtet wurde, eine Reihe von Organisationen die Veranstaltung einer Feier am VOIkerschlachtdenkmal für den 18. März vorbereitet. Wie wir vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Leipzig erfahren, nimmt dieser nicht daran teil, da er nicht eingeladen wurde, und da er einim früheren Beschlüsse gemäß alljährlich zu anderer Zeit am Ehrenmale auf dem jüdischen Ehrenfriedhofe seine Qedenkfeier für die Gefallenen aller Glaubensbekenntnisse veranstaltet. Die wirtschaftlichen Lehren der letzten Jahre und das Judentum in Deutschland ( ber dieses Thema sprach in einer von der Ortsgruppe I eipzig des C?ntralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Montag, 21. Februar, veranstalteten öffentlichen J. C. Hanisch, Leipzig Grimmaische Str. 29 und Hauptbahnhof Westhalle Gegründet 1836 / Fernspr. Nr. 20016, 21173 Frische Blumen zu jeder Gelegenheit jüdischen Versammlung der bekannte Wirtschaftspolitiker Dr. Norbert Einstein, Berlin. Der Referent widerlegte in seinen tieigreitenden Austührungen einwandfrei die antisemitischen Anwürfe, daß das Kapital und die Madit der Wirtschaft sidi in jüdischen Händen befinde. Durch objektives Material s'ellte er die Behauptung über die Wirtschaltsmadit der Juden klar. Die Basis, auf der das Gebäude des Judenhasses steht, ist die Anschauung, daß die |uden e> besonders verstanden hatten, ihien Reichtum zu mehren. Durch Beispiele wies der Referent nadt, daß im Gegensatz zur Vorkriegszeit eine außerordentlich starke Verminderung der Wittsehaflssubstanz und des Einflusses der Juden statistisch festzustellen war. Während die Vermögen von Uroßindusirielien, wie Krupp, Henkel-Donnermark usw., stark angewachsen sind, sind die lüdischen Kapitalien erheblich zurückgegangen. Die gleichen Feststellungen kann man auch bei den jüdischen Kapitalisten in Amerika machen. Durch weitere Beispiele widerlegt er die antisemitischen Behauptungen, daß alle Länder Europas, einschl. England, von jüdisch-amerikanischem Kapital finanziert würden, und daß diese jüdische Finanzierung eine Versklavung an das nationale judentum bedeute. Kr wies aufs deutlichste die bedeutsame Minderung des jüdischen Kapitals besonders in Deutschland nach. Fs sind in Deutschland neue Machtgruppen entstanden, die ausschließlich unter dem Einfluß der Schwerindustrie stehen. Gerade von ihr kann man ohne weiteres behaupten, daß sie durchaus judenrein ist. Nun sagen die Antisemiten, es komme gar nicht darauf an, ob die juden r< icher oder ärmer sind, das Wesentliche sei, daß die Juden alle Situationen der Wirtschaftslage auszunutzen verstehen, um einen Vorteil daraus zu ziehen, und daß dies besonders in der Inflation und während der Deflationskrise der Fall gewesen sei. Gegenüber dieser Behauptung betont der Referent, daß während der Deflationskrisc die jüdischen Kreise stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, und daß z. B. besonders im Getreidehandel, im Viehandel und im Metallhandel (aus Gründen der Konjunkturschwankung und durch Selbständigmachung der Schwerindustrie) das Bankier- und Maklergewerbe, Branchen, in denen das Judentum ein besonders großes Kontingent stellte, eine ganz fürchterliche Auswirkung der Wirtschaftskrise entstanden ist. Eine Gefahr wollen die Antisemiten in der angeblichen Tatsache erblicken, daß die Juden ihren Reichtum nicht zur Entwicklung der nationalen Volkswirtschaft verwenden, sondern um internationalen Handel zu treiben. Redner zeigte, daß es immer die Schwerindustrie war, die international gedacht und gehandelt hat, wenn es sich um egoistische Interessen handelte. Alle Abkommen und Interessengemeinschaften in der ganzen Welt sind immer von Nichtjuden gemacht worJen. Es ist verdammenswerte Demagogie, wenn die Antisemiten es so darstellen, als wenn es immer die Juden sind, die international handeln. Der Kampf der Antisemiten gegen das Judentum richtet sich natürlich nicht nur gegen das schaffende, sondern auch Schöne Geschenke in hochwertigem modernen Kristall von Fahle im Lauben$an j des allen Rathauses

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.