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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-02-25 · 8 (25.2.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
8 (25.2.1927)
Date
1927-02-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Mr. 8 ■ Seile 3 Neuordnung des Studentenrechts prinzipiell zusagte; die Studentenschaft erklärte sich also bereit, den staatlichen Ansprüchen nachzugeben. Inzwischen ist nun, wie eirgangs bemerkt, eine Einigung zwischen dem preußischen Kultusministerium und den Studenten aul der Grundlage des Briefes des Ministers erfolgt. Die nächste Zeit wird voraussichtlich über die Zukunft der „Deutschen Studentenschaft" entscheiden. Die preußischen Studentenschaften wollen in Verhandlungen mit den a-ißetreichsdeutsenen Studentenvereinigungen treten, und diese werden sich schlüssig werden müssen, ob sie weiterhin an ihrem antisemitischen Programm festhalten wollen oder nicht. Verzichten sie auf den bisher eingenommenen Rasseslandpunkt, so steht einem Weiterbestehen der „Deutschen Studentenschaft" auf wirklich kultureller und staatsbürgerlicher großdeuischer Grundlage nichts entgegen. Halten jedoch die auslan Jsdeutschen Gruppen an ihrer völkischen Einstellung fest, so werden neue Kämpfe sich entspinnen, und die Auflösung der .Deutschen Studentenschaft" wird in bedrohliche Nähe rücken. Die preußischen Studentenschaften würden sich wohl zum Austritt aus der Gesamtorganisation gezwungen sehen, den die badischen Universitäten bereits vollzogen haben, und auch die übrigen Hochschulen werden sich pro oder contra entscheiden müssen, insbesondere auch unsere Leipziger Universität, deren Verlassung im wesentlichen mit der Heidelberger von der „D. St." beanstandeten Satzung übereinstimmt. Es wird sich je'zt er weiten, oti die völkischen Bestrebungen ihre G'ltwirkung so weit treiben, daß sie zur Sprengung der mühsam erreichten studet tischen Einheit führt. Fttl die gtoßdeutsche Idee, aul deren Hoden sie entstanden sind, bedeuten sie keine Förderuni;, sondern eine schwere Belastung. Sie haben zur Ausschaltung weiter und gewiß nicht wertloser Kieise von der akademischen Mitarbeit am großdeutschen Aulbau gelührt und dadurch dein nationalen Gedanken dessen Kind tu sein sie behaupten, bes'imir.t keinen guten Üier.M erwiesen. „Das ,Komm zu uns' und das ,Du gehörst nicht zu uns' soll aus dem Gedanken des Nationalen klingen; werbende Kraft, nicht spaltenden Haß soll er gebären. An der Überwindung des Antisemitismus 11 uß und soll sich diese Wandlung, deren Deutschland, deren Europa bedarl. zuerst bewähren, ' so mit Prof. Ii. v. Asten in der X. V. Zeitung' de» lugend zj. Die nächsten Monate werden zeigen, vv.e weit diese ( herwindung des Judenhassts in der deutschen Studentenschaft, die dem Volke einmal die politischen Führer geben soll, bereits fortgeschritten ist. Aus anderen Gemeinden und Verbanden Beratung über die Staatenlosen-Fragen. Am 7. und 8. Februar fand in Berlin auf Initiative des Komitees der jüdischen Delegationen unttr Vorsitz von Herrn A. Motzkin eine Beramng einer Reihe von Vertretern einiger Organisationen, welche sich mit der Frage der Staatenlosen befaßte, statt. Anwesend waren: Vertreter des Komitees der jüdischen Delegationen sowie einige Herren von speziellen Vereinen aus Berlin, Köln, Breslau usw. Auch der Sejmabgeordnete Grünbaum Warschau nahm an diesen Beratungen teil. Diese bezogen sich aul zwei Gegenstände: 1. aul die Frage der Erlangung des Staatsbürgerrechts für diejenigen in Deutschland, der Tschechoslowakei, Frankreich usw. sich aufhaltenden Staatenlosen, welche in Polen, Rumänien usw. auf ihr Staatsbürgerrecht noch Anspruch erheben; 2. auf die in Genf geplante Einführung eines speziellen Passes lür Staatenlose. Letzterer Gegenstand war das Hauptthema, mit dem die Beratung sich befaßte. In Anbetracht dessen, daß die Kommission des Völkerbundes lür Kommunikations- und Transportwesen am 28. Februar über diese Frage entscheiden wird, wurden die einzelnen Vorschläge nach einem Referat des Herrn Z. Aberson eingehend besprechen. Die Diskussion bewegte sich in den sachlichen Feststellungen der Nöte der Staatenlosen, behandelte insbesondere die Erleichterung der Visen-Erlangung und ging daraui hinaus, dafür Vorserge zu treffen, daß die einzelnen Punkte in der bevorstehenden Abmachung für die Staatenlosen nicht ein Hindernis in ihren Verkehrsrnöglicr keilen bilden seilten. Einige diesbezügliche Vorschläge, die zur Kenntnis der Kommission des Völkerbundes gelangen sollen, wurden iodai.n ausgearbeitet. Das Komitee der jüdischen Delegationen wurde beauftragt, diese Punkte in einem Memorandum zu foimulie ren und zur Kenntnis der Teilnehmer der Völkerbundskommission zu bringen. Z. Aberson wurde beauftragt, die gleichen "Wünsche der von der internationalen Fmigrationskonferenz, die in Genf im September 1926 getagt hat, gewählten Executive zu Ubermitteln, der er als Mitglied angel ört. Außerdem wurde eine Resolution gefaßt, in Deutschland, Frankreich, Belgien, der Tschechoslowakei und Österreich Enqueten über die zahlenmäßige und rechtliche Lage der Staatenlosen vorzunehmen und dabei zugleich das Problem der eventuellen Mögliehkeiten von Einbürgerungen in den Heimatländern zu | berücksichtigen. Was Deutschland anbetrifft, so soll sich hier eine Arbeitsgemeinschaft die sich aus den interessierten Or-! gamsationen und Verbänden zusammensetzen soll, mit der i Angelegenheit beschäftigen. Soziale Krankenhausfürsorge. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Bund der jüdischen Kranken- und Ptlegeanstalien Deutschlands hatten gemeinsam am Mon at!, dem 17. Januar 1927, die Vertreter jüdischer Krarken- I und PfIcgeanstalten sowie die Vertreter einer ganzen Reihe bedeutender städtischer und interkonfessioneller Krankel häuser, desgl. das Wohlfahrtsami der jüciisdien Gemeinde, die Berliner Rabbiner, verschiedene Vereine und interessierte Einelpersonen zu einer Aussprache über die soziale Krankenhausfürsorge eingeladen. Unter Leitung von Prof. Dr Selig« i mann wurde das Thema nach einleitenden Ausführungen des i Herrn Dr. Philippsborn — vom Standpunkt des Seelsorgers (Rabbiner Dr. LcUenthal), des Arztes (Geh. Kit Dr. Strauß), Täglich über 1COOOO Auflage Bezugspreis 2.50 M. monatlich Im Postbezug 3.42 M. einschl. Bestellgeld

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