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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-02-11 · 6 (11.2.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
6 (11.2.1927)
Date
1927-02-11
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Hr. 6 GEMF1INDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 Baruch Spinoza (zu seinem SSO. Todestag) Die ganze literarische und pnilosophische Welt, hauptsächlich die westeuropaische, trifft große Vorbereitungen, um den 250. Todestag Spinoza's mit einem großzügigen Programm zu begehen. Sogar die Amsterdamer, gerade diejenigen, die den großen jüdischen Philosophen während seines Lebens ver chtet und verkannt haben, stehen nun an der Spitze des leierlicheti Aktes. Unwillkürlich erinnert man sieh an die Worte des großen jüdischen Volkshumoristen Scholem Alejchem. der in s inem spezifisch jüdischen Ausdruck sagt: „wos hu, <i jüdischer Schreiber of der Welt? a schöne L'wajc!" d. Ii. w.is erwartet den jüdischen Dichter, Lyriker oder Kritiker aul dieser Well; nichts mehr, als im besten Falle eine schöne Beerdigung. Der jüdische wahre Philosoph aber, der jüdische Triiumer hat nicht einmal dieses erreicht; genau wie zu seiner Lebenszeit, so fehlt es auch nach seinem Ableben an Verständnis, um ihn zu begreifen, mit ihm in Kontakt zu kommen, ^w., Es gehen ganze Generatinnen, Perioden und Epochen vorüber, bis man zur wahren Abschätzung des verstorbenen Philosophen kommt. Diese Erfahrungen haben sich mehrmals beim jüdischen Volke wiederholt, und am sichtbarsten hat sich dies bei dem 1 jüdischen Philosophen Spinoza bemerkbar gemacht. 1 Baruch Spinoza, das große Genie, der größte jüdische \ Philosoph, Denker und Träumer seiner Zeit, hat nidu die 3 mindeste Sympathie beim jüdischen Volke gewonnen. Im Gegenteil! Er ist von allen Juden verbannt worden, 1 jeder minderwertige Jude hat ihn als Verräter des jüdischen \ Volkes betrachtet. Eirsam ging er durch die jüdische Well, johne daß sich ihm jemand anfreundete; so mußte er seine 1 Ideen schriftlich ausdrücken, weil niemand ihn hören wollte. Der Historiker, der es mit der größten Anstrengung versuchen wird, die Juden von damals zu verteidigen, wird wahrscheinlich den Grund in den Zeitverhältnissen finden. Das jüdische Volk lebte unter den Nachwirkungen der Inquisition und der Verfolgungen in Spanien und Portugal; begeistert von den Märtyrern und freiwilligen Reiigionsopfern erblickte es seine Aufgabe darin, das Andenken ihrer Opfer zu vergöttern und zu verewigen. Ein Volk, das in solchen geistzerreißenden Verhältnissen lebt, kann nicht aul seine Philosophen Obacht geben. Das hat der große Denker und Träumer Spinoza wohl begriffen, und er ho! deshalb, trotz der Verfolgungen und der Verachtung seiner eigenen Brüder, denselben gegenüber nur /•>r 1 ibe gezeigt. Er war überzeugt, daß die Zeit kommen wei .i. die ganze Welt sc;re Philosophie verstehen und auch tu erkennen v erde! ■'• nn v Irde das jfi isdie Volk seine Lehre n tri ken, und sein Traum wurde verwirklicht werden. — 25t Jahre sind nun vergangen, seitdem dieser Große gestorben is1. und erst jetzt beginnt man, seine Lehre zu studieren, erst je ' begii w\ das jüdische Volk zu begreifen, was der von ihm verachtete |ude für sie geschaffen hat. Baruch Spinoza I at einen neuen Weg, eine neue Epoche in der Philosophie zeschaffen und hat dem denkenden Juden ein unschäl es .\ teria! zurückgelassen. Iis würde jahr- •elinteli ins bedürfen um zu begreifen, was Spinoza Iiir <iii v< d e osop iie und Weltanschauung geschaffen hat. Idi . tube dafl c jüd sd.e Intelligenz mindestens an diesem Todest« . ihres verachteten Philosophen durch Sympathiekundgebunpen hn ( wissensbisse zum Ausdruck bringen und eine Verp chtung übernehmen wird, die Lehre Spinoza's fortzusetzen, 11! gens wunderl n ich, daß die Aufforderung zur Spinoza* Feier in Polen von Herrn Mischiii ki unierschrieben worden ist. einem Manne, der das jüdische Volk verlassen hat; das macht den Eindruck, als ob tierr Mischlitzki Spinoza zu den Seilten rechnet .. . was durchaus falsch ist. Spinoza ist unser Philosoph, unser Denker und Träumer. Wir müssen nliirälilidi lernen, seine Verdienste zu schätzen, das, was er tttr ins geian hat, ohne niditjiidische Anregung. Wigcior Gildingorin. Aus unserer Gemeinde Täglich über 100000 Auflage Frauenverein „Ruth" Am 19. Januar fand im großen Saal des Zoologischen Gartens der vom Frauenvernin „Ruth" veranstaltete Tee-Nachmittag statt. Wie immer waren die Mitglieder zu dieser gern gesehenen Veranstaltung zahlreich erschienen, und es entwickelte sich eine sehr gemütliche Geselligkeit. Die guten, teilweise sogar ausgezeichneten künstlerischen Darbietungen fanden leider infolge der heiteren Stimmung nidit die ihnen gebührende Würdigung. Herzlichsten Dank allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben, den Künstlern, den Helferinnen, und all den treuen Mitgliedern, die durch ihre Teilnahme auch den materiellen Erfolg sicherten. Elternabend der Religionsschule I (Yorkstr. 2/4) Oer Elternabend, den die Religionsschule I am 31. Januar veranstaltete, bewies durch seinen Besuch, daß die Teilnahme der Eltern an den Fragen der Schule eine rege ist. In seinen Begrüßungsworten gab Herr Rabbiner Dr. Goldmann der Hoffnung Ausdruck, daß die Elternabende zu einer stehenden Einrichtung werden und die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus immer fester gestalten. Den Vortrag des Abends hielt Herr Lehrer Jäffe über das Thema: „Das Zeremonialgesetz in der jüdischen Erziehung". Er lührte Bezugspreis 2.50 M. monatlich Im Postbezug 3.42 M. einschl. Bestellgeld

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