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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-01-28 · 4 (28.1.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
4 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 Kräfte zuzuführen, und darüber hinaus: mitzuwirken an der inneren Stärkung und Festigung des Judentums." Im Laufe dieser sechzehn Jahre hat sich das Gemeindeblatt als eine Einrichtung erwiesen, die geradezu als eine Notwendigkeit für größere und mittlere Gemeinden erkannt wird. Es bildet ein Mittel, Brücken zu bauen, wo sich tiefe Schluchten gebildet haben, Risse zu binden oder wenigstens vor Vergrößerung zu schützen. Es tritt an die Stelle des einst von Murd zu Mund gesprochenen Wortes, der einst direkten, persönlichen Fühlungnahme. F.ine vielleicht noch wichtigere Rolle im modernen Leben der jüdischen Gemeinde dürfte einer anderen Einrichtung bestimmt sein, für deren Verwirklichung bisher recht wenig geschehen ist: das jüdische Vereinshaus. Es stellt eine Weiterentwicklung der Grundlinien dar, die zum Gemeindeblatt geführt haben. Schafft dieses Gelegenheit zur stummen Aussprache des Lesers mit sich selbst, regt es zum Gedankenaustausch mit den Familienangehörigen an. so fällt dem Vereinshaus die Aufgabe zu, lebendiges jüdisches Gemeinschaftsgefühl zu pflegen und zu fördern. In der kleineren Gemeinde ist dem Einzelnen eine reichere Möglichkeit gegeben, am Gemeindeleben tätigen Anteil zu nehmen. Nicht allein die im Ehrendienst als Vorstandsmitglieder, Gemeindevorsteher, Fürsorger, im Krankenpflege- oder Bestattungswesen Tätigen, auch alle anderen Gemeindemitglieder verfolgen mit innerer Teilnahme alle Vorgänge und vermögen Einfluß auf sie zu gewinnen. In der größeren und großen Gemeinde ist die Zahl der unmittelbar oder mittelbar im Gemeindedienst Stehenden gewiß größer, aber doch nicht im gleichen Verhältnis; und für die große Menge der anderen biete» sich nur selten Gelegenheit, — meist nur bei den Wahlen — zu den Fragen der Gemeinde Stellung zu nehmen. Ihr Gemeinschaftswille kann sich nur in den Vereinen auswirken. Fast alle Vereine aber leiden heute an dem Mangel an geeigneten Räumen. Für die größeren Veranstaltungen, Vorträge im breiteren Ausmaße, Geselligkeitsabende u. dergl. stehen wohl hinreichend Säle zur Verfügung, wenn es auch da oft genug schwer fällt, den nach Größe, Lage, Charakter und schließlich auch Kosten geeigneten Raum zu dem gewünschten Zeitpunkt zu erlangen. Aber für die regelmäßigen kleineren Veranstaltungen fehlt es sehr an passenden Räumen. Mehr als die anderen leiden die Jugendorganisationen unter diesen Verhältnissen. Sie wollen bei ihren Arbeitsgemeinschaften und Heimabenden nicht genötigt sein, Speisen und Getränke zi entnehmen, sie brauchen bequeme Möglichkeit zur Vorführung von Lichtbildern, und vor allem: sie möchten ein Haus wissen, in das sie hineingehören. Manche gut begonnene Jugendarbeit ist an den unerquicklichen Raumverhältnissen gescheitert. Aber auch andere Vereinigungen klagen bitter über den gleichen Mangel. Wie kann ein ungemütlicher Raum die Willigen verjagen; und wie, umgekehrt, ein stimmungsvolles Zimmer anlocken I Soll jüdischer Gemeinschaftssinn sich entfalten können, so muß es für die Bindungen, die ihn pflegen sollen, ein« Stätte geben, an der man sich ,zu Hause'; liihlt. In Kngland und Amerika haben das die jüdischen Organisationen schon vor langer, langer Zeit erkannt. Dort wurden jüdische Heime aller Art geschaffen, von vornehmen Clubhäusern bis zu den einfachen Toynbee-Halls. In Deutschland bestehen audi schon seit langem evangelische und katholische Vereinshäuser. Das sollte doch Beweis genug sein, wie wertvoll diese Einrichtung auch für unser jüdisches Leben sein müßte. Erfreulicherweise scheint diese Frkenntnis sich Bahn zu brechen. Aus Breslau erfahren wir, daß dort der Plan zur Errichtung eines jüdischen Heimes festere Form gewonnen hat. Es soll ein Haus werden, das allen Organisationen ohne Unterschied der Richtungen und Anschauungen in jüdischen Dingen zur Verfügung stehen soll. Es sind deshalb alle Vereinigungen, die an dem Zustandekommen des Werkes interessiert sind, um Mitteilung ihrer Ansichten und Wünsche und um tatkräftige Förderung gebeten worden. Sollte sich nicht auch in Leipzig der schon so häutig ausgesprochene Wunsch verwirklichen lassen? Wir kennen eine ganze Reihe von Vereinen, die den Plan mit Freuden begrüßen würden, we 1 fie seine große Bedeutung für das jüdische Leben erkannt haben. Das jüdische Vereinshaus muß und wird auch in Leipzig kommen. Je früher es kommt, desto größeren Dienst wird es unserem Gemeindelebcn bringen. G. C. Aus unserer Gemeinde Elternabend der Religionsschule I (Yorkstr. 2—4) Am Montag, 31. Januar, findet ein Elternabend der Religionsschule 1 in einem Vereirszimmer des Mathäser Bräu (Rosenthalgasse 8-10) statt. Herr Lehrer Jaffe wird ein Referat über „Das Zeremonialgesetz in der jüdischen Erziehung" halten. Die Herren Hauptkantor Lampe! und Kantor Jaffc werden musikalische Vorträge bieten. Die Schulleitung bittet um recht zahlreichen Besuch seitens der Elternschaft, um die so notwendige Fühlung zwischen Eltern und Lehrern herzustellen. Tschernichowski-Feier Am 1. Februar wird Saul Tschernichowski, unter den Lebenden einer der bedeutendsten neuhebräischen Schriftsteller, in Leipzig weilen. Der Jüdische Studentenverein veranstaltet aus diesem Anlaß eine Feier, bei der alle Freunde der neuhebräischen Dichtung Gelegenheit haben werden, den Dichter selber zu hören; durch anerkannte Leipziger Künstler sollen Proben aus dem Werke des Vielgefeierten vermittelt werden. Es wird deshalb auch an dieser Stelle auf den sicher recht bedeutsamen Abend hindewiesen. (Näheres siehe unter „Vereinsnachrichten" und im Inseratenteil.) Ein Blick in das Tagesheim des Israelitischen Kindergartens, Auenstraße 42 Sie waren gewiß alle schon einmal in einem Kindergarten; aber haben Sie auch schon einmal unseren Kirdergarten gesehen? Er ist den Kindern ein richtiges Heim, in dem sie den ganzen Tag unserer Obhut überlassen bleiben. Schon an ihrem Kommen merkt man, mit welcher Freude sich die Kleinen bei uns einfinden. Um 1 ,9 Uhr erscheinen die ersten und bestürmen die Tanten mit ihren wichtigen Angelegenheiten: .,!);>rf ich heute Baimcn gießen?" frai^t Fanny, und Gina sagt: „Ich muß heut' fertig nahen", ui.d Henry: „Ich möchte Ke^d spielen", und jedes hat sein besonderes Anliegen. Täglich Uber 100000 Auflage w&ül ■ SKfc r ■'* -■.*? L $3 .; n * $m jg$ i & ,, >- - *•<&,'':•*- vi.Vj.V; Xeue&ipjiger i>: J^itung;»'.* '- BT»' ■ .' \" Bezugspreis 2.50 M. monatlich

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