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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-01-14 · 2 (14.1.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
2 (14.1.1927)
Date
1927-01-14
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGTONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 die beiden Toditerreligionen verschenkt und von diesen — ein KOnig Lear in der Weltgeschichte — Undank und Kränkung erfahren. Es zeugt aber gewiß nicht gegen den Idealismus einer Gemeinschaft, wenn sie, über die realsten Tatsachen, Aber die Leiden, die sie selber erfahren, sich hinwegsetzend, den Glauben an den Sieg des Guten in der Welt verkündet. Die Inquisition, die Ausweisungen, die Einengung und Entrechtung im Ghetto berechtigten zu diesem Glauben nicht. Man mag diesen Glauben wirklichkeitsfremd und unlogisch schelten, aber man wird ihm nicht sittlichen Idealismus absprechen können. Es gibt eine materialistische Geschichtsauffassung, die alles Geschehen im Leben der Völker auf den Hunger als den großen Weltbeweger zurückführt, und es gibt eine idealistische Geschichtsauffassung, die die Ideen und Ideale als die treibenden Kräfte in der Weltgeschichte anerkennen. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Wir glauben, daß das Judentum in seiner Weltanschauung diese Wahrheit vertritt und selber auch verkörpert. „Der Mensch lebt nicht vom Brote allein, sondern durch alles, was aus dem Munde Gottes kommt." Das Judentum hat den Wert der Arbeit verherrlicht, aber der Welt auch den Sabbath gegeben, der die Ablenkung von der Arbeit und der Sorge um alles Irdische bedeutet. Durch den Jenseitsglauben hat die jüdische Religion den Blick ihrer Bekenner auf das Überirdische hingelenkt, und durch die messianische Hoffnung hat sie ihnen wieder den Glauben an die Vervollkommnung dieser Welt gegeben. „Den Himmel zu pflanzen und die Erde zu gründen" ist das Ideal des jüdischen Propheten gewesen und auch das ideal des Judentums geworden. Wären wir nicht zielbewußte und lebenstüchtige Menschen geworden, wir hätten im doppelt und dreifach schweren Daseinskampfe nicht bestehen könnee. Wir sind praktisch geworden und sind Idealisten geblieben. Unsere Dulderkraft, unser Wissenstrieb, unsere Mildtätigkeit, unser weltfroher Menschheitsglaube zeugen für unseren Idealismus. Wir haben der Erde gegeben, was der Erde ist, und dem Himmel, was des Himmels ist, und wollen es a'ich in der Zukunft so halten. Von allen Vorurteilen aber glauben wir, daß sie einer richtigeren Erkenntnis des Judentums weichen werden. Wir glauben es, weil wir Idealisten sind. Aus unserer Gemelndi Palästina im Spiegel der Kritik Der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, wird am Donnerstag, dem 27. Januar 1927, in den Kammermusiksälen des Central-Theaters über „Palästina im Spiegel der Kritik" sprechen. In Anbetracht des aktuellen Themas und der Persönlichkeit des Redners wird auf diese Veranstaltung besonders hingewiesen. Jüdische Lebensfragen_ Demnächst veranstaltet der Jüdische Turnverein Bar Kochba in regelmäßigen Zeitabständen Vorträge mit Diskussionen im Rahmen von Heimabenden für reifere Jugend statt. Die Veranstaltungen werden aller 7 bis 14 Tage erfolgen. Ort und Zeit, Vortragthema und Name des jeweiligen Referenten werden noch bekanntgegeben. Zutritt haben auch Nichtmitglieder. Die Vorträge werden zu einem Zyklus über jüdische Lebensfragen zusammengefaßt. Nachdem in den vom J. T. V. Bar Kochba bereits veranstalteten Vorträgen sowohl der gesundheitliche Wert der Leibesübungen als auch das Verhältnis zwischen Judentum und Sport behandelt wurden, sollen bei den geplanten Veranstaltungen nunmehr allgemeine Fragen des modernen jüdischen Lebens zur Sprache kommen. Die Referenten stammen aus den Kreisen der im öffentlichen Leben der Leipziger Juden bekannten Persönlichkeiten. Zu einzelnen Vorträgen werden auch auswärtige Redner herangezogen. Der Zyklus „Jüdische Lebensfragen" umfaßt folgende Vorträge: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. Theorie und Praxis des Antisemitismus Die wirtschaftliche Lage der Juden 3er moderne Staat und die Juden )ie jüdische Gemeinde Udische Jugendbewegung üdische Parteien )ie zionistische Bewegung udentum und Sozialismus )ie moderne jüdische Dichtung . Udische Kunst Wesen der jüdischen Religion Aus anderen Gemeinden und Verbänden 12. Das heutige Palästina, i 70. Geburtstag des Berliner Rabbiners Dr. Weisse. Der älteste Rabbiner der Berliner jüdischen Gemeinde, Rabb. Dr. Samson Weisse, feiert am 22. Januar seinen 70. Geburtstag. Dr. Weisse, geboren in Waag-Neustaatl (Ungarn), als Sohn des dortigen Rabbiners, wurde nach Beendigung seiner Studien zunächst Landesrabbiner in Dessau/Anh. und dann an die Berliner jüdische Gemeinde berufen. — Die Gemeindebehörden haben beschlossen, anläßlich des 70. Geburtstages von Dr. Weisse eire .Rabbiner Dr. Samson Weisse-Stiftung' zu errichten, deren Erträgnisse der Ausbildung jüdtscher Theologen zugufe kommen sollen und über deren Verwendung Herr Rabbiner Dr. Weisse allein dieiEntscheidung zu treffen hat. Herr Dr. Wrisse ist bekanntlich bei den letzten Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde am 16. Mai 1926 als Spitzenkandidat der von ihm geführten jüdischen Mittelpurtei zum Repräsentanten gewählt worden. Ebenso gehört er als Mitglied der mittelparteilichen Täglich über lOOOOO Auflage I ^m. m ~7Tff nQM&ip$ig<M* Jyt/urt& Bezugspreis 2.50 M. monatlich

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