Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 52 (25.12.1931)
- Date
- 1931-12-25
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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85. Dezember I9.il GEMEIN DERLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 frage nach den Vorschlägen des Ältestenausschussos gewählt. Dannch setzt sich der Ausschuß wie folgt zusammen: Ordentliche Mitglieder, die Herren JH. Dr. Löwenstein, Moritz llry, Emil .Toske. Rechtsanwall Dr. Conrad Qoldsehmldt, Louis Tampowiky, Wilhelm Dubiner, Israel Stein. Samuel Kodes, Elias Seiinger; Stellvertreter, Hugo Kaufmann, Hermann Pelz, Paul Oelberg, Dr. Pietrkowski, Max Rosenfelder, Elias Kestenbaum. 3. Zur Frage der Anstellung eines dritten Schlichters berichtet der Vorsitzende, daß im Gegensatz zu einer bei der früheren Behandlung des Gegenstandes gegebenen Darstellung der Städtische Schlachthof Herrn Fleischermeister Wilhelm Zellner schon früher zugestanden hat. daß zu allen Dionststunden geschlichtet werden darf. Dies ist dem Vorstand erst vor kurzem mitgeteilt worden. Von Herrn Rabbiner Dr. Onrlobnch liegt zu der Frage der Notwendigkeit der Wiederanstellung eines dritten Schlichters anstelle des verstorbenen ein ausführliches Schreiben vor, das verlesen wird. Herr Seiinger hüll die vorgetragenen Gründe für die Wiederanstellung nicht für stichhaltig. In Zeiten, in denen dauernd die Notwendigkeit des Abbaues zutage tritt, dürfe nicht zu einer Neuanstellung geschritten werden. Herr Gelberg weist darauf hin, daß in Leipzig schon vor 50 Jahren zwei Schlichter tätig waren, heute komme man ohne einen dritten Schächter nicht aus. Herr H o d e s erklärt einen dritten SchBchter für unbedingt notwendig. Noch vor kurzem halte man vier Schlichter, zuletzt drei und einen Hilfsschächter. Die Schechita sei nicht so sehr zurückgegangen, daß sie jetzt von zwei Schüchtern erledigt werden könnte. Die Gemeinde sei verpflichtet, für die notwendige Zahl von Schlichtern zu sorgen. Es handele sich nicht um eine neue Stelle, sondern um die Wiederbesetzung einer freigewordenen. Die Möglichkeit, daß man die Sehächtgebühren für Geflügel für die Gemeindekasse in Anspruch nehme, könne man in Erwägung ziehen. Herr Goldrei erklärt, daß Ja zur Zeit mit drei Schüchtern gearbeitet wird, daß also die Nichtanstellung eine Entlassung zur Folge hätte. Es handle sich also nur um eine Form. Werde ein Schächter abgebaut, so müßten folgerichtig die Schächtgebühren herabgesetzt werden. Ein finanzieller Ausfall sei die Folge, zumal der Fleischbezug von auswärts zunehmen würde, weil durch zwei Schächter der Redarf nicht sichergestellt werden könnte. Herr Sachs schließt sich den Vorrednern an. Herr Pelz beruft sich auf die Notwendigkeit, die Ausgaben herabzusetzen. Er beantragt, die Frage zurückzustellen und inzwischen genaue Unterlagen zu beschaffen. Außerdem soll der Vorstand erwägen, die Einnahmen aus Oeflügelsrhächten für die Oemeindeknsse nutzbar zu machen. Herr Aronstein beantragt, daß der dritte Schächter ausschließlich Geflügel schächtet. und gibt anheim, daß die« den anderen Schächtern untersagt wird. Dann könnte der dritte Schächter aus den Einnahmen für das Geflflgelschächten besoldet werden. Herr Markendorf verweist darauf, daß laut Reschluß der letzten Sitzung die Anstellung von dem Gutachten des Herrn Dr. farlebach abhängig gemacht werden sollte. Er benntragt. die Anstellung zu beschließen. Herr Tumpowsky betont, daß die Frage mit dem Ernst behandelt werden müsse, die sie als religiöse erfordert. Man müsse darauf Rücksicht nehmen, daß sie für einen erheblichen Teil der Gemeinde von größter Bedeutung sei. Man müsse ihr in gleicher Weise Rechnung tragen wie den Fragen des liberalen Kultus, für den auch hohe Ausgaben geleistet werden. Herr ürv bittet um Aufklärung, was das Kaschrus kostet. Herr Dr. Conrad Ooldsehmidt erklärt, daß die liberale Fraktion die Frage genau mit dem gleichen Ernst und derselben Achtung behandelt, wie die übrigen Fraktionen. Die Fra"e sei nur oh der Annarat nicht zu sehr aufgebläht sei- In diesem Falle müßte er auf ein wirtschaftlich gerechtfertigtes Maß zurückgeführt werden. Herr Dr. Carlebach lehne es aber ab. ein Gutachten von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus abzugeben, sondern beschränke sich auf die Überwachung des Kaschrus: infolgedessen läge kein Gutachten vor. Zweifelhaft sei nicht, ob die Gemeinde ein Kaschrus haben muß, sondern ob man sich auf das Notwendige im Kaschrus beschränkt. Ks sei ein falsches Argument, auf finanzielle Einbußen hinzuweisen, wenn die Gebühren herabgesetzt werden müßten, vielmehr müsse man darauf sehen, daß das Fleisch verbilligt wird. Das in der vorigen Sitzung vorgebrachte Argument, es könne nicht zu allen Stunden geschachtet werden, hätte sich als irrtümlich erwiesen. Die liberale Fraktion verlange eine durchgreifende Regründung und werde nur in diesem Falle der Anstellung zustimmen. Herr Seiinger verwahrt sich dagegen, daß er etwa die Bedeutung des Schächtens unterschätze. Man dürfe sich aber nicht Immer auf religiöse Vorschriften berufen, wo sie nicht unbedingt in Frage kommen. Für die religiösen Redürfnisse der Orthodoxie müsr.e gesorgt werden, aber dies dürfe nicht zur Schaffung oder Erhaltung überflüssiger Stellen führen. Herr Pfefferblüth erklär», daß durch statistische Erhebungen die FVngo nicht gelöst werden könne, man möge sie der Kaschruskommission vorlegen. Der Herr Vorsitzende weist an Hand von statistischen Zahlen nach, daß die Schechita nur einen geringfügigen Rückgang gegen das Vorjahr erfahren hat und erinnert daran, daß früher vier Schächter notwendig waren, um den Bedarf zu decken. Herr 0 ottlieb glaubt, daß doch niemand daran denkt, einen Konflikt mit dem orthodoxen Rabbinat herbeizuführen: man möge die Frage vertagen. Herr Dr. Plaut vermißt in der Äußerung des Herrn Dr. Carlebach die Erklärung, daß ein dritter Schächter notwendig sei. Der Vorsitzende widerspricht dem und liest den betreffenden Srhlußpassus des Rriefes von Herrn Dr. Carlebach nochmals vor. Herr Dr. Plaut fährt fort: ..Wenn das Kaschrus durch das Fehlen eines dritten Schächters gefährdet sei. so hätte dies Herr Dr. Carlebach sicherlich eindeutig gesagt. Werde aber die Notwendigkeit zur Anstellung anerkannt, so müßte erwogen werden, wie die Anstellung ohne Kosten für die Gemeinde zu ermöglichen sei. Herr Dr. Conrad Goldschmidt wünscht Auskunft über die Verhältnisse in anderen Gemeinden. Herr Hodes verweist auf Dresden, das bei wesentlich kleinerem Bedarf zwei Schärhter hat. Herr Pelz hält es für sinnwidrig, die Person des Herrn Dr. Carlebach In die Debatte zu ziehen, für die wirtschaftliche Gesichtspunkte maßgebend seien. Man möge, den gegebenen Anregungen folgend, feststellen, wieviel geschächtet wird, was das Kaschrus kostet, und was das Oeflügelschächten einbringen kann. Der Antrag Pfefferblüth. die Sache vor die Kaschruskommission zu bringen, wird angenommen. Der Vorsitzende sagt zu. daß Unterlagen von auswärtigen Gemeinden beschafft werden. 4. Auf Antrag der Leipzig-Loge wird der Beitrag zur Unterhaltung ihrer Krnnkensrhwesternorganisation für das laufende Rechnun*r«iahr um 750 Mark erhöht. In der Aussprache wird betont, daß die Tätigkeit der Krankenschwester aussrUießlich der Wohlfahrtspflege der Gemeinde zugutekommt. Aus der Unterhaltung der Krankenschwesternorgnnisation erwachsen der Loge trotz des Reitrages der Gemeinde jährliche Kosten in Höhe von 3000 Mark. Herr Pfefferblüth äußert seine Verwunderung darüber, daß bei der Fülle der Aufgaben der Krankenschwester nicht noch von Gemeinde wegen eine weitere Schwester angestellt sei. 5. Da einzelne Mitglieder der Darlehnskommission zeitweise verhindert sind, zu den Sitzungen zu kommen, werden noch die Herren Emil Joske und Pfefferblüth als stellvertretende Mitglieder gewählt. ß. Dem Jugendausschuß wird die Rückzahlung eines ihm von der Gemeinde gewährten Darlehens in Höhe von fiOO Mark erlassen. 7. Der Vorsitzende gibt noch bekannt, daß der Rat der Stadt Lein/Ig über Gelände, dessen Ankauf der Vorstand früher der Oemeindesilzung für eine spätere Erweiterung des neuen Friedhofes empfohlen hatte, nunmehr für Siedlungszwecke verfügt hat. Die Sitzung endet um 22 Uhr 30 Minuten. Fs foM noch die Verlesung der Niederschrift und eine nichtöffentliche Sitzung. Katzenstein. Oemeindeschriftführer. Aas aller Welt Die offiziellen Ergebnisse der Vnlk-iähliiim in Palästina. Soeben «Urion die folgenden provisorischen Ergebnisse der vor kurzem in Palästina durchgeführten Volkszählung ofliziell bekanntgegeben: Die Gesaintbevölkerung Palästinas besteht aus 1035 164 Seelen, davon sind 759 952 Moslems, 175006 Juden. 90 007 Christen und 9589 Angehörige anderer Konfessionen, unter ihnen etwa rund 8000 Drusen und etwa 1000 Personen, die sich als „Agnostiker-* beselehnen. Unter diesen 1000 „Agnostikern" sind etwa 000 .luden. Die Ziffer 175008 ist nicht die Gesa'atziffer der jüdischen Bevölkerung Palästinas, da sich bekanntlich die Zionisten-Revisionisten an der Volkszählung nicht beteiligten und auch andere jüdische Revölkerungskreise davon abhielten, sich in die Yolkszühlungslisten eintragen zu lassen. Die Revisionisten und ihnen anhingende Kreise ließen die Volkszählungsfunktionäre nicht in ihre Häuser ein.