Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 48 (27.11.1931)
- Date
- 1931-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 UEMEINDKBLATT DHU ISRAELITISCHEN RELIG10NSGEMEINÜE ZU LEIPZIG Nummer 48 wieder versammelten, die Schrill .Die Politik der Christen und die Politik der Juden in mehr als lUUUjäbrigeni Kampfe', In der er die Gleichstellung vom politischen Standpunkte betrachtete und die gewöhnlichen, gegen die Juden geltend gemachten Einwürfe widerlegte. Kr forderte die völlige Kuian/.i]'iilioii. uml zur Erreichung derselben die Uestattung der Ehen »wischen Christen und .luden, mit der Bestimmung) datt die Söhne der Religion des Vaters, die Töchter dei der Mutter lolgen, (einer die Aulhebung der christlichen Missionsvereine lur Bekehrung der Juden, ,da diese nichts nutsen und die .luden nur chokieren'. Kr zeigl dann noch die dringende Notwendigkeit der Emanzipation, du bei einem drohenden Kriege es von höchster Wichtigkeit sei. die l'n/.ulriedeuen in aufrichtige Söhne des Vaterlandes tu verwandeln. Dieser Schrift folgte auch bald die Tat. Kr veranlagte einen lür alles Edle begeisterten und philosophisch gebildeten jungen Mann, der sich ihm angeschlossen hatte, den treulichen Dr. Bernhard Beer in Dresden, zur Abfassung einer .Petition an die hohe Sländeversammluug des Königreichs Sachsen' um Verbesserung der bürgerlichen Lage der Israeliten, welche er warm hevorwortete und sie als Mitglied der ersten Kammer überreichte. Diese Petition riet unter den Krimern, Schneidern und Schustern in Sachsen einen gewaltigen Sturm hervor. Krug erhielt mehrere Briefe, in denen die Bürger drohten, ihm .die Knochen zu zerschlagen-, aber sie hatte doch den Erfolg, dafi die Regierung aufgefordert wurde, der nächsten Stiindeversainiulung einen die Angelegenheit der .luden regelnden Uesetientwurf vorzulegen. Bevor die Stände aber noch zusammentraten, richtete der unerschrokkene Krug eine Petition au sie. der er durch den Druck die weiteste Verbreitung verschallte, und der er einen aus lti Artikeln bestehenden Entwurf eines neuen lieligionsgeselzes hinzufügte. Die Hauptartikel des Krugschen »Henotikons' sind: .Alle Religionsparteien stehen unter der Oberaufsicht und Oberschule, Herrlichkeit der Staatsregierung.' .Niemand darf wegen seines Glaubens in irgendeiner Beziehung zurückgesetzt, gedrückt oder verfolgt werden. Die Anhänger aller Religionsparteien haben daher in bürgerlicher Hinsicht gleiche Rechte uml gleiche Pflichten.' .Folglich haben die Anhänger I umspurteieu auch gleiche Ansprüche auf alle Aeinter im U0er auf die in jeder Religionspartei eigentümlichen Kirchen- ■ hulämter.' .Die Anhänger aller Religionsparteien dürfen auch i Wohnsitze beliebig wählen, jede Art des Grundeigentums erwerben und bebauen sowie jede Art des Gewerbes erlernen und Hiisiiiii-n.' .Die äußere Gottesverehrung aller Religionsparteien ist frei und öffentlich.' .Der Uebertritt von einer Religionspartei zur anderen steht jedem frei, doch muH d( rselbe öffentlich geschehen. Auch darf niemand andere durch Versprechungen und Drohungen zum Uebertritt verleiten. Solche Proselytenmacherei ist ebenfalls strafbar und verboten.' .Kln-n zwischen verschiedenen Glaubensgenossen sind durchgingig gestattet, uml die Kinder aus solchen gemischten Ehen lolgen in der Regel der Religionspartei ihrer Kitern nach dem Geschlecht, also die Söhne dem Vater, die Töchter der Mutter. Ks können jedoch die Eltern, wenn sie einstimmig wünschen, dafi alle Kinder in dieser Hinsicht dein Vater oder der Mutier folgen, um Erlaubnis dazu, mit Anführung der Gründe, hei ihrer nächsten Obrigkeit nachsuchen, welche dies au der höheren Behörde zu berichten hat.' ,ln Ansehung der Aufnahme fremder Glaubensgenossen bleibt es hei den bisherigen, die Aufnahme von Fremden in den Staatsverband betreffenden Landesgesetzen.' Das war der Entwurf zu einer völligen Emanzipation, wie sie außer in Frankreich und Holland damals nirgends gefunden wurde. Die Petition blieb ohne Erfolg; sie zog dem edlen Krug harte Vorwürfe und viele Unannehmlichkeiten zu. Das hielt ihn aber nicht ab, eine .kritische Geschichte' der Verhandlungen der Stünde herauszugehen. Hatte er doch auch freisinnige Männer, und unler diesen den hochherzigen Prinzen Johann von Sachsen, auf seiner Seite. Nachdem er die Verhandlungen kritisch beleuchtet und widerlegt hatte, was er zu widerlegen für notwendig hielt, wendet er sich an die -luden, sie auf die Kmuuziputionskümpfe und endliche Siege in anderen Staaten hinweisend, und schliel.it mit folgenden schönen Worten: .Verzweifelt also nicht, ihr Gedrückten vom Hause Israel im Königreiche Sachsen, wo man euch noch im Finstern sitzen lülit, weil man euch als Menschen ohne Bürgerrechte behandelt, während man euch alle Bürgerpflichten auferlegt und ihr auch diese willig erfüllt, williger ofl als mancher christliche Bürger! Die Morgenröte ist auch für euch schon angebrochen und verkündigt euch einen heiteren Tag. Sagt doch schon Herder, der gewiß kein Indifferent ist war, wohl aber WUfite, dafi Druck und Schmach keine Herzen gewonnen, es werde eine Zeit kommen, wo man hei Erteilung des Bürgerrechts nicht fragen werde, oh ein Mensch Christ oder .lüde sei, sondern ob er seine Bürgerpflichten erfülle. Und gewill wird sie kommen, diese Zeit, wo mau einen Menschen um seines Glaubens willen ebensowenig des Bürgerrechts als des Lehens bemühen wird. Sie wird kommen, auch für Sachsen, und bald. Denn Friedrich August, der Menschenfreund, wird sich den geschichtlichen Nachruhm nicht rauhen lassen, dafi zuerst unter seiner Regierung, mit freudiger Zustimmung eines der ersten und edelsteu Prinzen des Königsstammes, alle Bewohn e r seines K önigreicht, oh n e U ntersch 1 e.d ihres ererbten G I a u b e n s , i u h r ii d e r I i c h e r E i n t r a c h t •I u rc h ein g I e i c Ii e s B ii r g e r b a u d u in schlungen u n d so die letzten Spuren eines unchristlicben Religionshasses im öffentlichen L e b e n u n s er e S Vaterlandes vertilgt wurden. So wird auch hei uns der Spruch zur Wahrheit werden: La raison finira pur uvoir raison.' — Von Krugs Hochherzigkeit zeugt eine Tatsache, dall er in einer letztwilligen Verfügung der Universität Halle ein grolles Legat mit der ausdrücklichen Bestimmung hinterließ, jüdische Studenten am Zinsgenuli teilnehmen zu lassen, Ein weißer Rahe in jeuer Zeit. — Krugs Testament wnr seine Schrift „Ein Friedensworl un alle Religionspartelen*4. Krug war einer der mutigsten Kämpfer für Wahrheit. Friede und Recht und darf zu den edelsten Männern des Iii. Jahrhunderts gezählt werden. Im Aller von 72 Jahren verschied er um 12. Januar 1H4'2. An seinem Grube dunkle der Dichter Wilhelm Wolfsohn dem Entschlafenen für sein Eintreten für die Juden Sachsens. Auch wir wollen ihn nicht vergessen. Unsere Gemeinde Plauen: TnMerfelei lür Prediger Hpiiiiann. De- Beisetzung des. wie wir in voriger Nummer berichteten, so unerwartet dahingeschiedenen Predigers der Plauener Narhhargemeinde, Herrn Emanuel Heimann, wurde ein Zeugnis für die ungemein große Wertschätzung und Verehrung, die sich Emanuel Heimann durch »•ine Amtsführung und seinen Wohltätigkeitssinn weit über den Kreis der Gemeinde hinaus erworben hat. Eine ungewöhnlich große Zahl von Leidtragenden gab ihm das letzte Geleil. Als Vertreter der Stadt Plauen war Bürgermeister Dr. Schlotte erschienen, als Vertreter der evangelischen Geistlichkeit: Herr Super 1 ntendenI Franke und Herr Pfarrer Bergmüller, Plauen: als Vertreter d<-r katholisch e n Kirche: Herr Pfarrer Kurze und Herr Leopold Qushurst als Vorsitzender des katholischen Kirchenvorstandes. Rabbiner Dr. Gold mann (Leipzig) zeichnete das Bild des um die Plauener Gemeinde und das Judentum hochverdienten Mannes. D<-r Gemeindevorsteher Dr. Qoldberg nahm Abschied von dem Ireuhewihrten Beamten und liehen Freund, Mitarbeiter und Bruder di r Eugen Fuchs-Loge im Orden U.O.B.H. Er wies darauf hin. daß keine Institution und keine Vereinigung der Gemeinde bestehe, in der der Verstorbene nicht mitgewirkt habe Er war viele Jahre hindurch Schriftführer der Ortsgruppe Vogtland des Centraivereins und des Israelitischen Frauenvereins, Vorsitzender des Talmud-Tora-Vereins, Mitbegründer und Förderer der jüdischen Darlehnskasse und des Israelitischen Hilfsvereing und vieler anderer Organisationen, Der Verstorbene war auch Vertrauensmann des Hilfsvereins der Deutscheu Juden. Besonders betonte der Vorsteher die Menschenliebe des Heimgegangenen. \:.r war ein wirklicher Vater aller Armen und Bedürftigen. Als Leiter der Religiousschiile hat er. der sein ganzes Her/, an die Erziehung der Jugend gehängt hatte, besonders Ersprießliches geschaffen. In weiteren Ansprachen würdigte Rabbiner Dr. Wolf (Dresden) namens des Landesverbandes der sächsischen Israelitischen Gemeinden die Tätigkeit des Verstorbenen im Verbände und in den Ausschüssen und übermittelte Insbesondere das Beileid der Dresdener Gemeinde; Rabbiner Dr. Fuchs (Chemnitz) sprach für die Chemnitzer Gemeinde und den sächsischen Logen verband; Lehrer Julie (Leipzig) rühmte die Verdienste des Verstorbenen als Führer des Mitteldeutschen Israelitischen Lehrerverhaudes und insbesondere der Sächsischen Landesgruppe: Lehrer Weil (Hof) erinnerte an die unvergänglichen Verdienste, die der Verstorbene sich schon in Jungen Jahren um die Gemeinde Hof, an welcher er amtiert halle, bevor er nach Plauen kam. erworben halte. Der eigentlichen Beerdigungsfeier war eine von den Mitgliedern de>