Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 48 (27.11.1931)
- Date
- 1931-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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« Q 11. 81 DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I •F>|P7I CL AMTLICH ES NACH RICHTEN BUTT ULI m Mm I \7 DER GEMEIN DEVERWALTUNGB Da» Gemelndeblatt erscheint |eden Freitag und wird den Mitgliedern der kellgtonsgeraclnde unentgeltlich durch die Post zugestellt - Schrlftleltung: Gcmelnderabblner Gustav Cohn, Leipzig, LohrstraUe 10 NUMMER 48 / JAHRGANG 7 FREITAG 27* NOVEMBER IOI1 Anzeigenverwaltung und Druck: Buchdrudterel August Pries, Leipzig, brfiderstr. 59 - Fernrul 70006 - Postscheck Leipzig 53020 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verlasken gestattet Wilhelm Traugott Krug Auf unserem Weg durch Lander und Völker halten wir oft tlas Glück, dal.t christliche Männer für unsere Rechte eintraten und kohne jede Rücksicht aul ihre Umgebung ihre weilklingende Stimme für uns erhöhen. In aller Dankbarkeit und Wertschätzung lebt in unseren Herzen das leuchtende Hild Keuchlins, der mutig gegen die Dominikaner und deren Schützling, den Renegaten Ptefferkorn, kämplte, und unter den vielen Verteidigern am Anfang des 11). Jahrhundert! war es der Lübecker Advokat Buchholtz, der in Wort und Schrill für unsere Menschenrechte mit ganzem Herzen und ganzer Seele sich hingab. Für die .luden des ehemaligen Königreiches Sachsen war der in der Ueberschrift genannte Leipziger l'rofessor. dessen Worte sehr in die Wag schale fallen mußten, da er als Amtsnachfolger Kants in Königsberg und in Leipzig einen gleichen Lehrstuhl innehatte. Sein Wirken für unsere Sache sei nach unten angegebenen Quellen geschildert *): Krug war ein begeisterter Freund der Freiheit. Unter dein Kanonendonner der Schlacht bei Leipzig legte er das von ihm bekleidete Rektorat nieder und stellte sich im Alter von -Kl Jahren als Freiwilliger unter die reitenden Jäger, dichtete Bannerlieder, schrieb sogar über die Kriegswissenschaft. Als 8 Jahre später die Griechen für ihre Freiheit kämpften, war er der erste, der für sie Partei ergriff und Sammlungen veranstaltete, und im Jahre 1828 erhob er zum ersten Male seine Stimme für die bürgerliche Gleichstellung der Juden in dem aus der ,Minerva' besonders abgedruckten Schriftchen ,Ueber das Verhältnis verschiedener Religionsparteien zum Staate und über die Emanzipation der Juden. Noch ein diäkopolitischer Versuch-. .Ich glaube', so schlicUt Krug, .alles hinlänglich widerlegt zu haben, was mau etwa gegen die Emanzipation der Juden in christlichen Staaten sagen könnte. Wird man nun aber darum die Juden zugleich emanzipieren? Gewiß nicht. Denn Gewohnheiten und Vor urti-il sind gar zu mächtige Hemmketten in der menschlichen Gesellschaft, wie es daher in England noch i.....ler eine Menge von Menschen gibt, die sonst ganz verständig, «loch ganz unverständig gegen die Emanzipation «ler Katholiken schreien: und wie <li«'.s in anderen Ländern, welche «lern Katholizismus anhangen, noch im.....r eine weit größere /.ahl von Menschen gibt, die auf gleiche Weise gegen die Emanzipation der Protestanten eifern würden, wenn jemand den Vorschlag dlZU machte: so gibt es auch sowohl in kathoUschen Wie in protestantischen Ländern ein«' Anzahl von Menschen, welche gegen die Emanzipation «ler Juden eifern, weil sie darin den Ruin des Landes oder den Verfall «ler Religion, oder Gott weiß was sonst für Unheil erblicken. Nun. solch«' Eiferer muß man schreien lassen, damit sie sich aus- und heiser schreien. Allmählich dringt doch die Stimme der Vernunft durch, und «'s geschieht, was hillig und recht ist, weil es Gott so haben will.' Und das schriet» Krug in einer /.eil. in der es zum guten Tone gehörte, gegen die luden und ihre Hechte aufzutreten. Streuten '■; Bftuottt; M. Kayserlini: Nachruf in tum* Irtiii; Will«. Traugvlt rag Meint L#cl Allg. Deutsch« Biographie. Alle V.'.v.. des Juden- ......... i». I ..iir/ii» IHSft: doch seine Feinde damals aus, er habe für seine Schrillen von Rothschild HithHi Taler erhalten. Sie vergessen dabei, daß er schon im Jahre 1810 über das Judentum sowohl wie über die .luden in höchst anerkennenswerter Weise sich ausgesprochen halle. ,Es ist sehr inkonsequent', heißt es in seiner JSusebiologie oder philosophisch.' Religionslehre', .und sehr unchristlich, wenn manche Christen aus Eifer für ihre Religion das Judentum verächtlich und lächerlich zu machen Buchen, Wir Christen sollten doch, statt verächtlich auf die .luden herabzusehen, was nicht einmal erlaubt ist nach den Voi schrillen des Christentums, lieb«T in unseren Husen grellen und :u sehen, wieviel Schuld wir selbst und unsere christlichen Vorfahren tragen hinsichtlich der sittlichen Verschlechterung der Jud« i Frei lieh sagt ihr zu den .luden: Lasset euch laufen, und ihl sollt bürgerliche Hechte haben! Aber wie, wenn ihr unter Juden ebenso lebtet, und diese sagten zu euch: Lasset euch beschneiden usw.'.' . . . Uehrigens beweist es «loch gewili eine eigene Energie «les National- Charakters, daß die .luden, ungeachtet ihrer Zerstreuung unter andere Völker, ungeachtet alles Druckes und aller Schmach, die sie von denselben erduldet haben, nicht nur dem Glauben ihrer Vifer treu blieben, sondern auch in vl»!en anderen Hinsichten ihre Volkstümlichkeit, selbst bis auf die Physiognomie, bewahrten. Von welchem anderen Volke der Krde labt sich ein Gleiches sagen? Kill ausgewähltes Volk bleiben also die Juden immer, wenn auch nicht in dem Sinn«', wie sie seihst es nehmen. Und wer kennt die künftigen Schicksal«' ilieses sonderlich«": Volkes?' Im Jahre 1830, in dem wie in Frankreich so auch in Sachsen politische Unruhen ausbrachen und eine neue V« rfassungsurkumle entworfen wurde, hofften auch die wenigen im Königreich Sachsen wohnenden .luden auf Verbesserung ihrer noch immer drückenden Lage. In «ler Tal besagte ein Paragraph des Kntwurfs: ..l«-<l«'in Landeseinwohner wird völlige Geistesfreiheit und Schulz in der Gottes Verehrung si-ines Glaubens gewährt', aber unmittelbar darauf folgte der die kaum erwachten Hollnungen <I«T Juden vernichtende Paragraph: .Die Verschiedenheit «ler christlichen Glaubensbekenntnisse begründet keinen Unterschied in dem Genüsse der bürgerlichen und politischen Rechte.' Der erste, der «liesen Mißgriff erkannte und auf den Widerspruch aufmerksam machte, ja offen für die Juden auftrat, war Krug. .Haben wir nicht auch jüdische Landseinwohner?' fragt er in einem .Platte zur PropoaiUon und Opposition', .und gehört nicht zur Völligen Gewissenfreiheil auch der Genuß «ler bQrgerlichen und politischen Rechte? Wem diese um seines Gewissens willen *• 111sogen werden, dessen Gewiss« n ist nicht frei. Denn man sagt offen bar zu ihm: .Kutsage deinem Glauben, oder du niul.ll entbehren, was jeden Menschen erst zum Staatsbürger macht!' Eine grausame Alter Dative, «Ii«' schon viele Heuchler gemacht hat und dem Prinzip nach nicht besser ist. als wenn man «leren Letten uml Eigentum nimmt, wofern siinicht ihrem Glauben entsagen wollen.' Die Judenfrage war in Sachsen an «ler Tagesordnung. Krug hielt es im heilige Pflicht, füi die in Ihren Hoffnungen Getäuschten einzu stehen, und so veröffentlichte er, bevor die sächsischen Stadde sich