Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-10-10 · 44 (10.10.1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
44 (10.10.1931)
Date
1931-10-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4876568-5968779-5969277--4186-4878523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

30. Oktober 1031 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Anhörung des Referates von Kurt London. Berlin, ül»er „Jugend und Gemeinde" im den Jugendring und Jugendauasohufl sowie an die JttdiKhe Qemeiride, Leiptig, den dringenden Appell, dahin zu wirken, dafi schon in diesem Wilder ein wirklicher (iemeindefriede zustandekoinmt. Sie erwartet, dafi durch Peataetiung des passiven Wahlalters im sinne der Reichsverfassung sowie durch Einführung des gleichen Wahlrechts eine fruehtbare Qemeindearbeit gewährleiste! wird. Die jüdische Jugend glaubt, datt ihr hei dem Ahhau der bestehenden QegenaBtilichkeiten eine besondere Aufgabe zufällt. NaliunaNnzialisniiis und Schule. Am Dienitag, dem 20. Oktolier 1981, hielt die Ortsgruppe Leipsig des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ihre erste Winterveranstaltung ab. Herr Stadtrat Professor Dr. Riemann (Leiptig) sprach vor zahlreicher Zuhörerschaft über „Nationalaosialis m u s u n d Sc h u I e". Er führte etwa folgendes aus: Wenn die deutsche Schule von alters her im Rufe hoher Geistigkeit stand, so trifft das heute keineswegs mehr auf die Schülerkreise zu; denn in deren Denken hat sich ein grundlegender Wandel vollzogen. Für die Schüler sind heute sportliche und technische Dinge wichtiger. Man hat die Jugend in die Politik und auf die Straße getrieben. Ganz besonders wird dieser Geist durch Zeitschriften, die seitens der Nationalsozialistischen Partei erscheinen, und darunter wieder besonders durch das Blatt ..Die Parole", dessen Leiter der Assessor Horst Knöpke ist, gezüchtet. Die „Parole" arbeitet mit all der verlogenen Indianerromantik, für die die Jugend besonders empfänglich ist. Die Folge davon ist, dafi die Lehrer — nicht mehr wie früher — die Schüler auf ihre Leistungen hin kontrollieren, sondern umgekehrt, die Lehrer den Angriffen der Schüler und deren Eltern ausgesetzt sind. Diese Angriffe richten sich aber nicht nur gegen die .luden, sondern ebenso gegen die Republikaner. Der Kampf der Lehrer (jenen diesen Terror und Boykott wird sehr erschwert durch die bedauerliche Tatsache, dafi die Betroffenen zwar Meldung von solchen Fällen erstatten, aber nachher nicht den Mut haben, ihre Angaben vor den Beschuldigten zu vertreten. Es sollte oberstes Gesetz dessen sein, der eine Beschuldigung erhebt, daß er sich durch keinerlei Qegeneinwirkungen nachher davon abbringen läßt, den Schuldigen der verdienten Bestrafung zuzuführen. Der Referent führt dann ausführlich die soziologischen Gründe an. die sur starken Ausbreitung des nationalsozialistischen Gedankens gefflhrl haben. Dabei haben die Lehrer die Ausbreitung dieses Gedankens keineswegs eindeutig gefordert, aber gerade das Schwanken zwischen ■la und Nein ist es, das die Jugend auf die Seite des Nationalsozialismus treibt, der in jener Eindeutigkeit, die die Jugend nunmehr sieht und wünscht, auftritt und ihre Köpfe gefangennimmt, auch da. WO eine Verstandes- und vernunftgemäße Begründung ausbleibt. Auch in den Rassefragen seien die Lehrer zum großen Teile in Halbheiten steckengeblieben, und nur wenige haben den Mut, den Schülern zu erklären, daß nicht einmal die Germanen eine reine Raasseien. So ist es nicht verwunderlich, daß die Zustände auf den Schulen in dieser Hinsicht alles andere als befriedigend seien. Die außerordentlich rege Diskussion nach dem Vortrag war ein lebendiger Deweis, daß der Referent das stärkste Interesse der Zuhörerschaft gefunden hat. Im Anschluß an diese Veranstaltung wurde beschlossen, den zur Krledlgung von F.inzelvnrfällen nationalsozialistischer Verhetzung in den Schulen vor einem Jahre eingesetzten Ausschuß zu erweitern. Auf- »abe dieses Ausschusses soll sein, bei der Behandlung solcher Vorlalle die gemachten Erfahrungen auszunützen, insbesondere den Eltern bei der Wahl der Schule, in die sie ihre Kinder schicken wollen, mit Rat zur Seite zu stehen. Ks ist nicht selten vorgekommen, daß bei einem an sich bedeutungslosen Vorfalle in augenblicklicher Erregung Schritte unternommen wurden, die der Sache nicht dienlich waren, und daß andererseits aus Furcht vor Nachteilen für die Kinder ein Kingreifen unterlassen wurde. WO es durch die Verhältnisse unbedingt geboten gewesen wäre. In allen solchen Fällen wird die Mithilfe der dein Ausschuß ungehörigen Mitglieder von Nutzen sein, wird in einem Falle durrh rührige, sachdienliche Beratung begreifliche Erregnng auf ihr angemessenes Maß zurückführen, und im anderen Falle taktvoll und gutbegrimdet vorgehen, ohne daß die Stellung der Schüler iu den Klassen gefährdet würde. Der Ausschuß kann naturgemäß in dein von ihm geplanten Sinne nur wirken, wenn er im geeigneten Falle in Kenntnis gesetzt und in Anspruch genommen wird. - Dem Ausschuß gehören folgende Mitglieder an: Die Herren: Oemelnderabbiner Dr. Q o I d in a n n und (' u Ii n . Dr. W. M i c h a e - Iis. Havdnstrafie It (Tel. :t2K8R): die Frauen: Else Cohn. iMtrOV^\ Der Schlüssel zum Glück ist die ^Alll/v^200. Jubiläums-Lotterie \yT Ziehung 1. Klasse v. 16.-19. Nov. 1931 Nur IM000 los«, aber 73000 Gewinne und 11 Prämien! Hauptgewinn im günstigsten Falle: 950000RM spez. 500000RM 2SOOOO „ 200000 „ ■goooo., lOOOOO „ |~ Ferner 10 JubliaumsprUmlon iu J« 10000 UM I und die beliebten zahlreichen Mittelgewinne Lospreise für jede Klasse ",. ' , ',, Amtl. Plane gratis. RM 5.— RM 10.— RM 25.— RM 50.— Originallose in allen Abschnitten empfiehlt und versendet Felix Fließ, Leipzig, Pfaffendorfer Str.7 Sachs. Staatslotterie-Einnahme. Gegr. 1882. Postscheck-Konto Leipzig 53 730 straße 10 (Tel. 29641), Erna G o in p e r t z . Kaiserin-Augusta-Str. '21 (Tel. 30028), Itosi Lampel, König-Johann-Str. 2:» (Tel. 2 70 77), Alma Schindler, Springerstr. 20 (Tel. 5 80 77). Lotte Spitz, Stallbaumstr. 18 (Tel. 5 im SO). Dura U r > . Haydnstr. 5 (Tel. 32680). Amtliche Bekanntmachungen WecheatagsgettesdieBst. Ab 1. November 1081 beginnt der Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen um N Uhr. an Werktagen 7,80 Uhr. Leiptig, den 20. Oktolier 1081. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Pflegestelleameldaajg. Auf unsere Veröffentlichung im Gemeindeblatt haben sich erfreulicherweise mehrere Familien gemeldet, die jüdische Kinder in Pflege nehmen wollen. Wir haben ihnen inzwischen auch schon Kinder zuweisen können. Es sind aber noch mehr Kinder da, die untergebracht werden sollen. Deshalb bitten wir, daß sich noch weitere Familien melden, die Kinder iu Pflege nehmen wollen. Für die Pflege zahlt das städtische Jugendamt M. 2.").— monatlich. Sehr erwünscht sind uns Meldungen von Familien, die bereit sind, Geschwister in Pflege zu nehmen. Leipzig, den 27. Oktober DKM. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipsig FOraorgeabteilung. Aus dem Gemeindeamt Perxonenstandsnarhriehten T r a u ii n g e ii Sonntag. 1. November 1081, t Uhr nachmittags. Fräulein Melanie Ruth Dubiner, Humboldtstr. 15, mit Herrn Rechtsanwall Dr. Hirsch Hasak, Tallinn (Estland), iu der Wohnung Humboldtstr, IB. T o d e s r ä I 1 e 20.Oktober 1081 Jenny Zlelke, Albertatr. 1. 22. Oktober 1881 Jente Schumer, Springerstr. 27. 28.Oktober 1081 Heinrich StrauB, Schirnterstr. 22. 24. Oktober 1081 Mordko Hirsch Raschtal, Nürnberger Str. Ii. 2."». Oktober 1081 Ignas Neger. Nürnberg. Aus aller Welt Die Juden Im neuen Persien: Staatsrechtliche Gleichberechtigung, aiier irolr Kulturnot. Herr Dr. Walter Pisrhel von der Hebrlischen DniversitSt Jerusalem, der vor kurzem von einer im Zusammenhang mit seinen wissenschaftlichen Studien unternommene!] Forschungsreiae nach dem Irak, nach Kurdistan und Pernien surflekgekehrt ist und jetzt vorübergehend in Deutschland weilt, gewährte einem Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur ein Interview, den wir unter anderem folgende wichtige Einselheiten in beang auf die Lage der .luden in l'ersieu entnehmen: Die IHM Kill Juden in l'ersieu Italien durch das Regime des neuen Schalt Uiza Khan Pehlevi staatsrechtlich fast volle Gleichberechtigung erhalten. Dali wenigstens laut Verfassung die jüdischen und chrisUichen Minor! täten anerkannt und gesehnt«! sind, <l:■ Lt heute ein Indischer Vertreter lin persischen Psrlamenl Sitz und Stimme hat. ist ein Fortschritt, der nur dann richtig gewflrdigl werden kann, wenn man berücksichtigt, dafi

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.