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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-10-10 · 44 (10.10.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
44 (10.10.1931)
Date
1931-10-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 44 r Die glückliche Geburt ihrer Tochter RUTH zeigen hocherfreut an Leo Nathan und Frau Edith geb. Schwarz Kopenhagen B.->rqmestfcr Jensens Alle 3 J in lVrsii-n der im Vergleich zum Sunnitischen Islam viel intolerantere schiitische Islam Staatsreligion Ist, nml daß. bii vor kurzem die Anschauung von der rituellen Unreinheit <lor Ungläubigen (.luden. Christen. Zoroaster) vorgeherrscht hat. nach der sogar achon die bloDe BerOhrung mit einem Juden religiös unrein machte. Diese auf koranische Vorschriften mrückgehende, dann in dem achiitiachen Geaetaeakodes dea Behalt tbbas ii*>. Jahrhundert) verankerte und seitdem herrachende Voratellung war die Quelle unsäglicher Bedrückungen und Verfolgungen des jüdi- «chen Beyölkerungsteils in Peraien während der letzten Jahrhunderte durch die islamische Geistlichkeit, die diese Voratellung bia zur BuBersten Konsequent in die Wirklichkeil umsetzte. Der Jude muOte sich durch Kleidung. Haltung und Lebensweise von den anderen unterscheiden! er durfte z. 11. hei Hegen ilie Straße nicht aufsuchen, da doch ■ Irr liegen die Unreinheit auf die ..Gläubigen" Obertragen könnte. Seihst im 20. Jahrhundert waren noch Pogrome und Zwangsbckohrungon an Oer Tagesordnung, wodurch ganze ttomoinden ausgerottet wurden. Die .luden, fern von Europa, entbehrten des Schutzes einer elnfluBreichen Persönlichkeit, bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Alliance Israeiite Unirerselle in einzelnen Städten l'ersicns ihre Bchulen einzurichten hcgann. deren Direktoren die Holle des „Stadlan" den persischen Behörden gegenüber zu übernehmen hatten. Wenn also auch die staatsrechtliche Stellung der Juden in diesem islamischen Persien heute nicht mehr unbefriedigend ist, dank der Tatsache. dafi der einst so beherrschende BiinfluB der islamischen Geistlichkeit jetzt durch Hiza Khan gebrochen und eine weitgehende Emanzipation von der Vormundschaft des Klerus und eine Säkularisierung des öffentlichen Lehens Oberhaupt erreicht ist, so ist die kulturelle und soziale Lage der infolge der vielen Leiden und Verfolgungen auch physisch geschwächten .luden l'ersicns traurig und im höchsten Grade besorgniserregend. Gerade wo jetzt durch eine liberale Regierung auch den .luden größere Auswirkungsmöglichkeitcti gegehen sind, empfindet man den Mangel an dem nötigen Menjchenmaterial und au den Mitteln zur Heining der persischen Judenheit besonders stark. Alles schreit in Persien, wie Übrigens auch in anderen Teilen des Orients, nach Erstehung und Bildung und Beberhaft arbeitet der Staat an der Eröffnung neuer Schulen und Bildungsanstalten für die inünnlichc und weibliche mohammedanische Jugend. Die jüdische Minorität besitll nicht die Mittel, ihre kulturellen Bedürfnisse aus sich heraus befriedigen zu können: das erlaubt ihr sozialer Tiefstand nicht. Die bedeutende Hilfe, die dem kulturellen LebetI des persischen .luden durch die Alliance gewährt wurde, ist heute bei weitem nicht mehr susreichcnd. Die Erweiterung des Jüdischen Schulwesens und ihr Aushau ist eine dringende Forderung, um den Verfalleproaefi der persischen Judenheit zu dämmen. Denn mit Hecht kann von einem solchen gesprochen werden. In den letzten Jahrzehnten zog über das persische Judentum eine Welle des AI,falls und der Assimilation, die ihresgleichen nur noch in der Assimilationsbewegung der deutschen Judenheit des Iii. Jahrhundert hat. Noch heute leben notgedrungen Hunderte von jüdischen Familien als Scheinmohammedaner („Anusini") in mehreren Städten Perstans, Ohne dafi eine Möglichkeit vorauszusehen wäre, wann und wie diese Mammen des 19, Jahrhunderte, Ober deren Existent bisher gar nichts bekannt war. zum Judentum zurückgeführt werden können. Aber nicht nur dies. Die christliche Mission in ihren verschiedenen Erscheinungsformen als Schulmission. Krankenhansmission U. dgl. wirkt in einer Weise unter den ärmsten Schichten der persischen Judenheit, besonder! da, wo keine Alllanceschulen sind, die jeder Beschreibung spottet. Auf der anderen ^xde eteqante Dame tt&ai den Sre^^^^^P^W ^^r^^WW 20 JloecM=(Kandschuh Seite hat eine islamische Sekte, die sogenannte BehaibewegUng, viele Anhänger unter den Juden gefunden und den jüdischen Bevölkerungsteil Horsiens um eine weitere nicht unbeträchtliche Zahl von Opfern dezimiert. Der Mangel an geeigneten jüdischen Führern dürfte nicht zuletzt die tiefere Ursache des kulturellen Niedergangs der persischen Judenheit sein, um so mehr als Kabbinen, Mulla, genannt, tief in abergläubischen Vorstellungen stecken und kaum mehr als ein formelhaftes Judentum zu lehren wissen. Unter diesen Verhältnissen könnte nichts geeigneter sein, das wankende Schiff der persischen Judenheit in Sicherheit zu Innigen, als (Ins neue Ideal der Henaissance mit ihrem Stolz auf die jüdische Vergangenheit usw. In der Tat erfuhr auch das persische Judentum nach der Balfour- Deklnrntion für kurze Zeit neue Impulse. Unter anderem wurde eine Bewegung zur Erlernung der hebräischen Sprache entfacht, die sogar ein modernes Lehrbuch der hebräischen Sprache in persisch ans Licht brachte. Leider ist aber seit etwa 6 Jahren jede zionistisch-jüdische Betätigung von Staats wegen verboten, infolge Verkettung von gewissen Umständen politischer Art, die noch der Aufklärung harren. Ks wäre höchste Zeit, dafi die europäische und amerikanische Judenheit sich des traurigen Loses ihrer Briider in Persien mehr annimmt nls Iiisher geschehen ist. Neue Bücher f In ude G. Montefiore, Umrisse des liberalen Judentums (Outlines of liberal Judaism). Uehersetzt von Josef Kauffmnnn. Durchgesehen und herausgegeben von Rabbiner Dr. C. Beligmann. Leipzig (Verlag von Gustav Engel). Ueber das, was unter dem Begriffe „Liberales Judentum" verstanden Werden soll, herrscht in weitestem Ausmaße Unklarheit, fast möchte man sagen Unwissenheit. Viele, die sich zu ihm bekennen, und noch mehr seine Gegner, sehen in ihm nichts anderes als eine Minderung des traditionellen Judentums, Minderung vor allem in der Preisgabe überlieferter Auadrucksformen jüdisch-religiösen Lehens. Mit an erster Stelle in dem Kreise, der als jüdischen Liberalismus nicht ilie Negation erachtet, sondern den Aufbau eines ganz tiefempfundenen, die ewigen Wahrheiten unserer uralten Lehnmit dem Geiste fortgehreitender Erkenntnisse Verknüpfenden Judentums S na trabt, steht der ebenso fromme und gläubige wie geistvolle Führer der Liberalen in Englnnd. ('laude G. Montefiore. Aus heiligstem Ernste schrieb er dieses Buch, das sich vor allem zum Ziele gesetzt hat, jüdischen Eltern den Weg zu weisen, wie sie ihre Kinder in JOdiach-liliernleni Sinne erziehen können, ohne fürchten zu müssen, dafi die religiöse Kraft, die in ihnen seihst pulsiert, dem jüngeren (icschlcchtc sich nicht mitteilen würde. Es ist falsch, nieint der Verfasser. Kinder eine Anschauung zu lehren, von der sie hei reiferem Verstände sich erat befreien müssen, um zu geläutertem Glauben zu kommen: und es ist nicht minder falsch, den Kindern eine klare Stellung zu den Fragen der Heligion vorzuenthalten, als wäre es gut, wenn sie an solche erst bei reiferem Verstände herangebracht werden., Eltern Sollen vielmehr über nichts, was au Fragen über (Jutt und das Oöttliche ihre Kinder bewegt, hinweggleiten, sollen antworten und klären, dein reifenden Verstände nngepnfit, aber aus der eigenen fi-stbegrflndeten Anschauung heraus. Wie die Anschauung dos liberalen Juden ein so festes Fundament erhalten kann, dufi sie auch auf die junge Seide wirkt — dafür will dieses Buch ein Führer sein. Eindringlich und klar, mit dem Schwung einer gläubigen IJeberzeugung, die auf klugem Nachdenken beruht, geht es all keiner Frage vorüber, spricht Vortragsgemeinschaft der Leipziger jüdischen Frauenbünde Dienstag, den 3. November 1931, abends 8 Uhr im Goldenen Saale des Centrai-Theaters Frau Anitta Müller-Cohen, Wien: Gaste willkommen! ,,ZllV6rSiCht Ulld ZWCiffil. Zeitbetrachtung und Zeituntersuchung Verband Jüdischer Frauen für Palastina-Arbeit Jüdischer Frauenbund ■ Schwesternbund der Leipzig-Loge Frauengruppe des Cintral-Vereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens

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