Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 42 (16.10.1931)
- Date
- 1931-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 42 Jahre 1901 aufgelöst wurde, nachdem Baron Wilhelm v. Rothschild [Qnfsehn Jahre nach seinem Urinier Mayer Carl gestorben war, ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen. Ein glücklicher Gedanke veranlagte seine Witwe, Hanna Mathilde v. Rothschild, gemeinsam mit der in Paris lebenden Tochter, Maronin Edmond de Rothschild, an dieser für die geschäftlichen Unternehmungen der Familie nicht mehr notwendigen Stätte ein Museum zu oiierer Teil der ehemaligen Judengasse Krankfurt a. M. nach dem Plan in: Dietz. Stammbuch der Frankfurter •luden, Frankfurt a. M., 1907, (KliNehvL'KaiiiinliiiiK der Gesellschaft zur Erforschung jud. Kunstdenkmller, Notiiblatl 27. Figur :t.i vielzackigem Hart geschlossen wurde, so wie es heute geschieht. Zur Sicherung war außerdem vor dem Aufschließen zunächst die Einstellung der alphabetischen Vorrichtungen auf das Kennwort notwendig, das aber nur ganz wenig Personen vertraut war. so daß et schließlich nach Erlöschen der Frankfurter Firma in Vergessenheil geraten und ein öffnen des Schrankes viele Jahre lang eine Unmüg lichkeü war. Erst eine gewaltsame Öffnung gestattete einen Rück Im Innere des Schrankes, der aber keinerlei Schütze mehr barg. Dil im gleichen Raum stehende Truhe mit dem Vexierschloß hat bei dei 0bemahme seitens des Museums auch nur Schätze von musealen. Werlo (Mithalten, wie Stammbäume, Briefschaften und ähnliches. Zur Ausstattung der beiden Räume dienen jetzt auch noch eine Reiht von Bildern, welche Angehörige der Familie Rothschild darstellen zum Teil von bekannten Malern wie Moritz Oppenheim, Rreutauo usw Bedauerlicherweise ist von dem Begründer der Weltfinua, von Mayei Anselm Rothschild kein wirkliches Porträt bekannt. Ks existieren wohl einige Ansichtskarten mit dem angeblichen Kopf dieses weit berühmten Mannes. Vermutlich sind sie jedoch alle auf Grund de« von Moritz Oppenheim nicht nach dem Lehen gemalten Hildes „Emp fang des Kurfürsten Wilhelm 1. von Hessen-Kassel bei Mayer An selm" entstanden, nach welchem auch die Kopie gefertigt ist, deren Reproduktion im Museum hängt. Das Motiv des Hildes lehnt sich au eine weit verbreitete Legende an, nach welcher der Kurfürst im Jahre 1807 Mayer Anselm seine Schätze zur Aufbewahrung übergab, als er bei dem siegreichen Vordringen der Franzosen abdanken mußt, und ge7.\vungen war, sich mehrere Jahre außerhalb des Landes aufzuhalten. Tatsächlich war Mayer Anselm beim Kurfürsten, sogai schon zur Zeit, als er noch Landgraf war, Hoffaktor, der aber nui mit vielen Anstrengungen gegenüber allen Anfeindungen seiner Kon kurrenz sich das Vertrauen des Fürsten erobern und erhalten konnte. Zu dem vorher erwähnten Bild kann Mayer Anselm Rothschild unmöglich Modell gestanden haben, da er zu einer Zeit starb, als der spätere Maler noch ein Knabe von zwölf Jahren war. Als Gegenstück hat Moritz Oppenheim ein zweites Bild gemalt, auf dem die fünl Söhne, jeder auch auf Grund anderer Porträts, deutlich erkennbar, dargestellt sind und zwar in dein nach der Legende denkwürdigen Moment, da sie dem Kurfürsten nach seiner Rückkehr aus der Ver bannung sein Eigentum um ein Vielfaches vermehrt zurückgaben. errichten, das geeignet ist. das Andenken der Familie Rothschild in Frankfurt und über dessen Mauern hinaus wachzuhalten und für alle an der Familie Interessiertet! ein Anziehungspunkt zu werden. Die liüroräunie. die von den letzten Frankfurter Geschäftsinhabern bis zu ihrem Tode benutzt wurden, müssen gemäß der an die seinerzeitige Schenkung geknüpften Bedingungen unverändert erhalten Ideiben. Wie zu Lebzeiten der beiden leisten Frankfurter Chefs stehen sich daher auch noch die beiden Schreibtische gegenüber mit der au den Rückwänden angebrachten eigenartigen Stoflumspannung. die dazu bestimmt ist. die beiden an den 'fischen Beschäftigten für einander bei ihrer Arbeit unsichtbar zu machen. An diesen beiden Schreibtischen, dem einen mit Schnitzerei etwas überladeneu, dem anderen schlichten, vollständig schmucklosen, arbeiteten die beiden in ihrem Wesen stark voneinander abweichenden letzten Frankfurter Vertreter der Weltfinua. Hier saßen sie. ohne sich gegenseitig eines Blickes zu würdigen. Der Volksiiiuud erzählt, daß dieses gespannte Verhältnis auch seine Ursache in der grundverschiedenen Veranlagung der beiden Brüder hatte. Baron Wilhelm Carl v. Rothschild war eine von der Religion tief durchdrungene Persönlichkeit, während Mayer Carl mehr weltlichen und gesellschaftlichen Verpflichtungen zugeneigt war. So ergab es sich, daß er im Drang seiner Verpflichtungen einmal auch am Todestag eines seiner Kitern an einer gesellschaftlichen Veranstaltung teilnahm, ohne daß ihn sein Bruder, der mit den hebräischen Daten besser als er vertraut war, rechtzeitig daran erinnert hätte. Als das Versehen Mayer Carl nachträglich zu Bewußtsein kam. konnte er es seinem Bruder nie mehr verleihen, daß er ihn die Pietätlosigkeit hatte begehen lassen. — In dem gleichen Büro stehen auch noch die anderen Kinrichtuiigsgegeiistände. die Schreibtische der Angestellten, die Bflroscsscl mit Lederbezug. der Zahltisch und alle die kleinen Nebensächlichkeiten wie Kalender. Uhr usw. Auch das ZahHeDStor, aus dem heraus viele Millionen ausgezahlt worden sind, ist noch unverändert zu sehen. Entsprechend der an die von Rothsehild'sche Schenkung geknüpften Bedingung muß auch «las benachbarte Sitzungszimmer unverändert erhalten bleiben. Neben den Einrichtungsg«M»«'nstätiden wie Tisch. Sesseln usw. ist vor allein hier der Kassenschrauk interessant, der trüber, als er noch Millionen zu bergen hatte, nicht nur mit dem noch erhaltenen schönen Schlüssel mit < - .. •*>.» ■ . -, *" Mietvertrag zwischen Beudit Arou May und Mayer Rothschild. Origii im v. Rothschild-Museum Frankfurt a. M. i Klisetieesaiiimliiiiir der Gesellschaft Mir Erforschung jud. Kunstdei miiler. Notisblatt 27. Figur fi.» Das v. Rothschild-Museum hat es sich natürlich nicht nur I Aufgabe gemacht, Porträts zu sammeln, sondern auch alles ande was irgendwie auf die Familie Bezug hat. Als wichtigste Dokumei sind die verschiedenen Urkunden aus den Jahren 1817 und 182'J erwähnen, in denen die Erhebung in den Adels- bzw. Freiher stand amtlich beglaubigt wird. Außerdem sind Briefe an Famiii'