Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 42 (16.10.1931)
- Date
- 1931-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4876568-5968779-5969274--4166-4878505- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
20 in n & eraeiuö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUN&B l)a« Gemeindeblatt endielnt jeden Freitag und wird den Mitgliedern der Rellglonsgemrlndc unentgeltlich durch die Pott zugestellt - Sc Ii Mitteilung: Gemeinderabbiner Gustav Cohn, Leipzig, Lohrstra&e 10 NUMMER 42 / JAHR6AMC 7 FREITA6 16» OKTOBER lOll Anzeigenverwaltung und Druck: Buche! ruckercl August Pries. Leipzig, BrOderstr. 59 - Fernrul 70006 - Postscheck Leipzig 53020 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung dea Verfassers gestattet ' B1BL [• MVrEK Das von Rothschild-Museum in Frankfurt a. M. YUPS Von Ida Posen. Frankfurt a. M. Am fftagaaf »ffM Börnestraße, der ehemaligen Judengasse, die noch bis in die achtziger Jahre dea vorigen Jahrhunderts diesen Namen tflhrte, erhebt sich ein grofies Gebäude, das mit seinen vergitterten Fenstern schon luBerlich von den Nachbarhäusern unterschieden ist. Dieses Haus birgl in seinem Innern aulier den Büros der Israelitischen Gemeinde im ersten Stockwerk ein Museum, das neben den vielen andern Museen der Stadt ein eigenea Gepräge sowohl in seiner Ausstattung als auch beiQglich seiner Kntstehung tragt. Dieses Museum jüdischer Altertümer und das in engster Verbindung damit stellende V. Rothschild-Museum wurde bereits 1922 eröffnet; jedoch entspricht das, was darüber in der Öffentlichkeit bekannt geworden ist, weder der Sehenswürdigkeit der von ihm bewahrten KunstschUie noch der historischen Bedeutung dieser Stätte. Das Gebäude, das zu Beginn des vorigen Jahrhunderta errichtet wurde, ist eine Schöpfung von Philipp Jacob llofTinann, dem Vater des weltbekannten Verfassers des Struwelpeters. Ks umfal.lt ein Terrain, auf dem in der Zeit, da die .luden gezwungen waren, in dieser •lasse zu wohnen, fünf Häuser errichtet waren. Durch den diesjährigen Umbau wird es noch bedeutend erweitert, so daU es über das Gebiet liinausreicht.auf dem das Geburtshaus von Mayer Anselm Rothschild gestanden hat. dein Begründer des später zu weltgeschichtlicher Bedeutung gelangten Bankhauses. Mayer Anselm Rothschild wurde in dem „Haus zur Hinterptanne" 'auf dem hier beigefügten l'lan mit II bezeichnet) geboren, das wie alle Häuser der (lasse seilen Namen nach dem Hausteinen führte, welches in das an ler Hausfront angebrachte Holz '•liild geschnitzt war. Nur wedge dieser Hausseieben sind bei Ii in Brand »ler Frankfurter Ju- 'engasse im Jahre ITtHi erhalten 'Miellen. Aber dennoch ist das Aussehen einer grollen Z.illl die- r Abzeichen bekannt, da die eichen Figuren sich auch auf en Grabsteinen der ehemaligen iilsbewohner wiederfinden. Auf lern ältesten Frankfurter Fried- I. auf dein im Jahre IS'JS tll -! Ute Reatattung nach sechshun- •rtjährigem Gebrauch stattgefunden hat, sind auch die Grabsteine der Familie Rothschild mit der darauf abgebildeten dreifüfilgen Pfanne erhalten geblieben. Mayer Anselm Kothschild verteilte seine .luvend in dem Haus zur Hinterpfanne, war in seinen JUnglingaJahren zu seiner Ausbildung und auch während seiner geschäftlichen Lehrzeit einige Jahre von Frankfurt abwesend und hat dann wieder nach seiner Rückkehr nach Frankfurt seine elterliche Wohnung besogen, die er auch, trotz des beschränkten Itaumes. nach Eingehung seiner Ehe mit Gutle Schnapper noch mehrere Jahre bewohnte. Trotz der grofien Kinderzahl betrieb er vermutlich zunächst auch seinen Müuzhandel im gleichen Haus. Nachdem er bereits fünf Kinder hatte, hat er erst einen Wohnungswechsel vorgenommen und nach einem scheinbar vorübergehenden Aufenthalt im Haus zur Amschel (auf dem beigefügten l'lan bei Nr. 2; vgl. Notizblatt "_'7 der Gesellschaft zur Frforschunng jüdischer Kunstdenkmfiler) das noch heute als Erinnerungsstätte erhaltene Haus zum grünen Schild bezogen. Dieses Haus zum grünen Schild verließ seine Gattin, die ihn um siebenundreiBig Jahre überlebte, auch dann nicht, als die fünf Söhne bereits das väterliche Geschäft zu einer Weltliruia entwickelt hallen. Den Silz des Geschäftes, das schon in den letzten Lebensjahren Mayer Anselm Rothschilds nicht mehr mit der Privat wohnung vereinigt war.verlegten dieSöline im Jahre 1813 in das kurz vorher neu errichtete jetzt noch stehende Geschäftshaus an der Ecke der Judengasse, deren Tore durch Dalbergs Wirksamkeit seit 1806 geöffnet waren, so dafi die Juden auch aufierhalb wohnen konnten. Schon zu Lebzeiten des Vaters war von dem drillen Sohn in England eine Zweigniederlassung gegründet wurden: nach und nach kamen weitere Filialen in Paris. Neapel und Wien dazu. In Frankfurt verblieb der älteste Sohn Auselm. der in späteren Jahren, da er kinderlos blieb, die Sühne seines in Italien lebenden Bruders in das Frankfurter llankhaus aufnahm. Diese beiden Söhne. Baron Mayer Carl und Baron Wilhelm Carl v. Rothschild übernahmen nach ihres Onkels Tod das Frankfurter Geschäftshaus, das inzwischen den Namen M. A. von Rothschild und Söhne angenommen hatte, und das im Privatbüro der Itarone Mayer Carl und Wilhelm Carl v. Rothschild. Nach einem Aquarell von Alfred Oppenheim, im Besitze des Herrn Julius Goldschmidt, Frankfurt a. M. (Kliacheeaamnilung der Gesellschaft iiir Erforschung JIM. Ranatdenkmller, Notisblatl 27. Figur!•) / V