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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-09-11 · 37 (11.9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
37 (11.9.1931)
Date
1931-09-11
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN R R L1010NSU KM KIN D K ZU LKIPZIG Nummer 37 Und unser Blieb streift die .ludenheit Amerikas. Der Staatenbund des freien Amerika war das grade Widerspiel des knechtischen Rußland, Dorthin flüchteten die Massen, denen es vergönnt war, der Verfolgung und dem Kerker zu entrinnen. Von dort kamen viele Jahrzehnte Hilfe und Rettung auch für die noch Schmachtenden: Amerika gab mit Zinsen zurück, was ihm an Menschenkraft und ■geial geschenkt war. Noch in den hittern Nöten unmittelbar nach dem Kriege war es so. Heute hat sich vieles gewandelt. Seitdem auch dort Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen eingekehrt sind, das Land seine Kinwanderungshäfen sperrt, die Öffentliche Meinung nach Schuldigen sucht, beginnt der Sonnenglanz der amerikanischen •ludenheit für die Gesamtheit zu erbleichen. Noch ist der Rauschhaaehano-Glttekwunaefa des Präsidenten Tradition und jüdische Staatsmänner vertreten die Nation bei andern Völkern: Philanthropen stiften ihrem Namen auch dort ein goldenes (iedüchtnis. wo keine noch so edle Tat mit dein Judentum ihres Trägers versöhnt. Aber das Gespenst des Judenhasses umschleicht auch die amerikanische Juden- Ii >it. In einer Rundfrage zu New York, bei der Dr. Stefan Wise, Advokat George Gordon Battie und der Dekan der City-Universit&t zu g 1 a u b e u u n d zu a r b e i! e n I Und eine Warnung erging an die Völker: auch in den jüdischen Massen haben sich neben den Schaffenden Klärten 'auch zersetzende gesammelt; diese letzteren müßten zum Schaden für die menschliche Gesellschaft siegen, wenn mau wie bisher die schaffenden und bauenden zerstört. Werden die mit dem Mut der Verzweiflung au die Adresse Englands gerichteten Besehwflrungen irgendeinen Killdruck machen und dem Aufbau neue Hoffnungen eröffnen? Nach menschlichem Ermessen kaum. Und den noch; auch wenn wir die politisch-nationalen Anschauungen des Zionismus beiseite lassen und seine kolonisatorisch-kulturellen Leistungen allein bewerten, so mochten wir diesen wohl alle eine günstige Entwicklung wünschen. Wir hatten das Glück, im vergangenen Frühjahr das heilige Land zu besuchen und uns mit seinem heutigen Denken und Streben näher bekannt zu machen. Am Abend vor unserer Heimreise waren wir zu (iast bei Professor Hermann Struck in Haifa, der uns durch seine Kunst vom realistischen und doch geistig verklärten ostjüdischen Antlitz tief in die Seele des Volljuden schauen läßt. Auch seine einst so hochgemute Hoffnung klang gedämpft. Aber unvergeßlich bleibt uns sein glaubensstarkes Wort: nicht von Eng- Noch ist Gelegenheit sich die Ausübung des Wahlrechtes zu sichern. Wählen kann nur derjenige, der in die Wählerliste eingetragen ist. Darum nehmt Einsicht in die Wählerliste! Näheres hierüber besagt dieamtl. Bekanntmachung aufder erstenSeite dieser Nummer. Wer nicht in der Wählerliste steht und nicht die Aufnahme seines Namens während der Auslegungsfrist beantragt, geht seines Wahlrechts verlustig. Nach Ablauf der Auslegungsfrist kann niemand mehr in die Wählerliste aufgenommen werden. Dr. Frede rieh B. Robinson das Wort nahmen, wurden die verschiedensten Gründe für eine Erscheinung aufgedeckt.die Henry Kord Iii? dicht an die Seite von Theodor Kritsch geführt hat. Einig war man darin, daß das im Kriege neuentdeckte „reine" Aiuerikanertuni den .luden unterschiedslos zu den Kremdrassigen stempeln möchte. Doch w ie stets, hatte die Vorsehung den Balsam bereitet, bevor sie die Wunde schlug. Große Teile unserer Brüder jenseits des Ozeans waren in Gefahr, iIir Judentum als unnützen liallast über Kord zu werfen, der ihnen den Aufstieg zur Höhe der Riesenerfolge und Rekorde erschwerte. Heute macht die Besinnlichkeil Fortschritte: mehr und mehr wird Amerika ein Hoden Jüdischer Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, von dem nelien Kiigland vielleicht einmal statt des Dollarsegens der edlere Sei'en jüdischer Wissenschaft ausströmen mag. Nicht vorübergehen können wir au den Tagungen von Basel, da sie zu wichtigen Kegegnüngen unserer vom Judentum, seinen Anliegen und Sorgen, seinen Aufgaben und Fälligkeiten zutiefst erfüllten Brüder aus Ost und West geworden sind. Keinem der Teilnehmer oder Beobachter ist es entgangen, wie sehr sich der Glans von liU(t gemindert hat: der Glans der Namen, der Budgetziffern, der Hoffnungen. Und doch wurde in allen Reden und Kntschlüssen die Wahrheit empfunden: auch ohne Hoffnung inul.i der fromme M"iisch des Wirkens und des Vertrauens hoffen. In Erinnerung an die Schmach der Augusttage 1tr_'!( in Palästina fiel das Wort: „Finsternisse der Moral können nicht vorausberechnet werden: die Sonne der Gerechtigkeit und des Ideais mag vorübergehend verdunkelt, nie aber aus ihrem Triumphzug abgelenkt werden". Wieder und wieder wurde die entsagungsvolle Arbeil der Pioniere aufgerufen, „die säen Wollen, ohne selbst zu ernten, bauen, ohne das fertige Haus zu beziehen". Und der drohenden Parteiung und Zersplitterung wurde die Sammlung der Geister in dein einzigen Willen entgegengesetzt. lands Gnaden hängt unsere Zukunft ab: von (iott ist die Sache aus gegangen; und es gibt keine Weisheit und Kinsicht — gegen (iott. Wir Juden rechnen bekanntlich nach Weltenjahren. Unser Blicl umspannt daher am Neujahrsfest die ganze Knie, die kulturelle Eni Wicklung der Menschheit bis auf unsere Tage. Wir hallen es hintan uns erfahren, daß wir in unserer Lage einen Gradmesser für di fortschreitende oder rückläutige Gesittung der übrigen Welt bildei Auch ihre äußere Wohlfahrt, die wir SO freudig zu fördern bestrel sind, wirkt günstig auf das Verhalten der andern gegen uns ein; No zi iten werden uns immer zum besondern Verhängnis. Um so frei diger lauschten gerade wir deutschen Juden der von jenseits d< Ozeans kommenden Kotschaft von einem Feier jähr für unser untragbar gewordenen Kriegslasten. War es den nicht merkwürdig, dali gerade wieder ein Urach- oder KUaßjahr si dem Kode des Völkerringens anbrach, als ein Ruf aus unserer eh würdigen Rodeugesetzgebung wie eine Krlösuug für die Völker an genommen wurde: erlassen, ja erlassen soll deine Hand, was de i Nächster dir schuldet! Sollen die einst in blutiger Fehde streitend' i Völker zu freund Willigen Nachbarn werden und endlich die Stark) und die Schwachen brüderlich an ihr gemeinsames Wohl denken? I ■ erscheint gewagt, die Oedallken so weit schweifen zu lassen; und doch hängt die Wendung unseres Geschickes ganz daran. Nur » der Oeist des Friedens und der Versöhnung weht, kann unsere Ol meinsehaf! gedeihen. Die Schofartöne erwecken uns Juden dazu, dem Frieden und d Versöhnung, dem Wohltun und der Milde unsere Herzen weit i öffnen: denn in der Welt herrschen noch Unfriede und .Mißtrair Selbstsucht und llerzenshärte. Vielleicht wird der Posaunenhall d - Weltenkönigs dann auch draußen vernommen und beherzigt. Dal n allein liegt unsere Hoffnung.

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