Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 37 (11.9.1931)
- Date
- 1931-09-11
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968779-5969268--4121-4878465- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Suhl 1× ep/1045794
- Zittau 1× ep/1046085
OCR text
GEMEINDEBLATT DBB ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG SeiteS II. September 1031 Gedanken Wer für andere sorgt, Krgl für sich telbtt. Wer nur lür sich sorgt, schadet anderen. Wer anderen schadet, schallet sich seihst. Manche Üben Wohltaten aus Prahlerei; andere in der Hoffnung auf Lohn; andere aus Herzensneigung oder gottergebener Gesinnung. Der Reiche hat Freuden, die dem Armen Tränen von Blut kosten. Die Menge urteilt nach dem Kleide; der Philosoph nach der Haltung, der Miene, dem Wort oder der Schrift; der Weise meidet, über Seinesgleichen Urteile zu fällen. Gibst Du Dich eitlen Dingen bin, wird Dein Lohn eitel sein. Warte nicht auf die bedeutsamen Momente Deines Lehens, um recht zu tun: es ist Sache-jeder Stunde, sie dafür zu nützen, Sorge, dafi Deine Ziele gottgefällig sind: und Gotl wird Deine Ueberlegung mit Klugheit, Deine Entscheidung mit Sicherheil und die Ausführung mit schnellem Gelingen segnen. (' hartes M a a s (l'Univers (sraeiite). Sächsische Gemeinden Rektor Saphni, früher Annaberg, "0 Jahre all. Am diesjährigen Roscb Haschonoh-Feste erreicht der frühere langjährige Kultusbeamte der israelitischen Religionsgemeinde Annaberg, der weitbekannte Rektor Saphra, das siebzigste Lebensjahr. Rektor Saphra lebt seit zwei Jahren an der Seile seiner wackeren Gattin im Ruhestände in Suhl (Thüringen), Schleusinger Str. 33. Seine umfassende Tätigkeit in Annaberg ist in unserer engeren Heimat noch in bester Erinnerung. Aufier den eigentlichen Aufgaben des Kultus- und Lehramts, die er in vorbildlicher Treue und mit ausgezeichneter Kennerschaft verwaltete, widmete er sich besonders dem Studium der modernen Fremdsprachen, von denen er eine erstaunliche Zahl beherrschte. Diese seltenen Kenntnisse wurden in den Kreisen der Annaberger Industrie aufs höchste geschätzt und viel ausgewertet. Wellruf besitz! Rektor Saphra als Meisler des „Ksperanto". Mit dem Schöpfer dieser Wellsprache, dein jüdischen Arzt Dr. Ludwig Zainenhof verband ihn innige Freundschaft. Auf Esperantokongressen wurde er stets bei den jüdischen Gottesdiensten mit der Predigt betraut und hielt solche Esperantopredigten z. lt. in Bern, Danzig, Dresden, Kdinburg, Krakau. Nürnberg und Antwerpen. Schwere Krankheit zwang den Unermüdlichen sehr gegen seinen Willen in den Ruhestand. Die indische Oeftentlichkeil dankt dein trefflichen Sachwaller jüdischer Ideale für seine treue Arbeit und wünscht ihm beim Eintritt ins (ireisenalter Frische des Körpers und des Geistes und ein freudenvolles Zusammensein mit seiner liebenswürdigen (iattin für viele Jahrsehnte. Diesen Wünschen schliel.ll sich mit gröfiter Herzlichkeit -eine Berufsvereinigung, der Verein Israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands zugleich mit dessen Untergruppe, der Sächsischen israelitischen Lehrervereinigung an, mit denen ihn seit vielen Jahrzehnten echte Freundschaft verbindet. /.iiinu: Synagogen Jubiläum. Die Israelitische Religionsenieinde zu Zittau begehl am September 1031 die 25. Wiederkehr les Bestehens ihrer Synagoge. Aus diesem Anlafi Andel am 2. Roschlajchonohtage ein besonderer Festgottesdiensl statt, in welchem durch ine besondere Festansprache «las Ereignis gewürdigt wird und der hör neben Sologesängen sein Bestes bieten wird. Unsere Gemeinde Vicht jeder kann Geld gelten, aber Jeder kann ein kleines Opfer au Bequemlichkeil bringen und Bilden und Schränke auf noch brauchbare Wäsche- und Garderobenstücke durchsuchen Bin schwerer Winter siebt vor uns. und alle die vielen, die auf ein Existenzminimum ingewiesen sind, sehen keine Möglichkeit zu den allernotwendlgsten Darderobeanscha Rungen. Alle verfügbaren Wohlfahrlsgelder müssen verwandt werden, um den Hunger zu stillen. Mehr als je müssen in dieser Zeit alle zusammenstehen und zur Hilfe bereit sein. Darum ergeht an jede Hausfrau die Ritte, alles Entbehrliche au Wäsche, Schuhen, Kleidern. Männer-, Frauen- und Kindersachen Aermeren zu i berlassen. Auch an alle Geschäftsleute ergehl die Ritte, Waren- I stände, die unmodern und unverkäuflich, aber doch noch brauchbar I od, für diesen Zweck zu überlassen. Wir bitten Sie. sich mit der l leiderstelle des Schwesternbundes, Humboldtstr. 18, oder telefonisch I ii Frau Alma Cerf. Pfaffendorfer Str. IS. Telefon 237 34. in Ver- 1 ndung zu setzen. Auf Wunsch wird jede Spende, auch die kleinste. 1 'reitwilligsl abgeholt. Der israelitische Wohltätigkeitsverein wendet sich in den Tagen der seelischen Erhebung, in denen edle Taten das Geschick wenden, an die wohltätige Gesinnung der Gemeindemitglieder mit der Bitte: Helfet uns in dieser schweren Zeit, damit wir n I cht g e z w u n - g e n w e r d e n , unsere segensreic h e ii E Inrichtung e n zu sch 1 ieIien! Denket an die Armen und wenig Bemittelten, die an unserem Mittagstisch während der Feiertage kostenlos verpflegt und werktags und Sonnabends billigst gespeist werden! Vergel.it nicht die Kinder, die in unserem Heim kostenlos gespeist und beaufsichtigt werden. Denket an die Alten, die einen sorglosen Abend in unserem Heim verleben. Wir benötigen sehr viel (leid, um unser edles Werk zu erhalten! — Unser Ruf ist: Helfet uns! — Niemand darf fehlen! Ein Jeder gehe nach seinen Verhältnissen. Es gilt, alte schwache Menschen zu kräftigen. Hungrige zu sättigen! Kindern zur Gesundheit zu verhelfen! — Gebet schnell und reichlich! Der geschäftsführende Vorstand: Siegmund Gottlieb, Carl Goldschmidt. Albert Held, Eugen Maas, Hedwig Mathias, Martin Marcus. Die Gemeinde-Rabbiner: Dr. Carlebach. Gustav Cohn, Dr. Goldmann. Niihslube für erwerbslose Mädchen! Nach einer r'erienpause ist die Nähstube der Ortsgruppe Leipzig des Jüdischen Frauenbundes wieder eröffnet. Unter fachlich geschulter Leitung können sich an 2 Nachmittagen in der Woche junge erwerbslose Mädchen unentgeltlich Nähkenntnisse erwerben. Zunächst wird an eigener (iarderobe geübt, späterhin sollen Nähaufträge ausgeführt werden, sodafl den Mädchen auch kleine Verdienstmöglichkeiten gegeben sind. Meldungen von Teilnehmerinnen werden im Gemeindeamt Löhrstr. 10, entgegengenommen. Amtliche Bekanntmachungen Verkauf von Eintrittskarten zum Zweiggottesdienst. Der Verkauf von Eintrittskarten zum Zweiggottesdienst an den hohen Feiertagen findet an der Kasse unseres Gemeindeamtes, Löhrslratie 10, in den Dienststunden werktäglich von 0—13 Uhr statt. Auch können an den Vorabenden zum Neujahrsfest und zum Versöhnungstage noch Karten an der Kasse des Städtischen Kaufhauses gelöst werden. D n g e g e n werden an den Feiertagen selbst Eintrittskarten nicht mehr verkauft. Leipzig, den 31. August 1031. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Jugendgottesdiensl. Seit einigen Jahren ist die Einrichtung getroffen worden, dafi an den hohen Feiertagen für Kinder unter 14 Jahren .lugendgottesdiensle stattfinden. Diese werden in diesen Jahre im K ü n s 11 e r haus e veranstaltet und an den Vorabenden des Neujahrsfestes und des Versöhnungstages sowie an den Festen selber allgehalten. Der Gottesdienst ist dem kindlichen Verständnis angepal.lt. insbesondere wird in den Predigten der Gesichtskreis des Kindes berücksichtigt. Gottesdienste zuzuführen. Der Eintritt ist ohne Eintrittskarten für alle Kinder frei. Nach dem Urteil aller derer, Leipzig, den 20. August 1031. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Feiertagsruhe! Es wird von allen maßgebenden Seilen besonderer Werl darauf gelegt, da 1.1 an den hohen Feiertagen alle Ansammlungen vor den Gotteshäusern unterbleiben, damit nicht radauluslige Personen in Versuchung geführt werden, die Ruhe zu stören. Auf Veranlassung der Gemeindeverwaltung werden die Mitglieder des Reirhsbundes jüdischer Frontsoldaten vor den Gotteshäusern für Ruhe und Ordnung sorgen. Die Synagogenvorstände hallen im übrigen dem Frontbund das Hausrecht übertragen. L e i p z i g , den 27. August 1031. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Kleiderablage in der Gemeindesynagoge au den hohen Feiertagen. Die in der Kleiderablage der Gemeindesynagoge abgegebenen Kleidungsstücke werden sorgfältig bewahrt und an den Berechtigten gegen Rückgabe der ihm ausgehändigten Marke ausgefolgt. Es wird daher strengstens untersagt, Kleidungsstücke eigen-