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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-09-11 · 37 (11.9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
37 (11.9.1931)
Date
1931-09-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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| 7. | ft 66 UniversitätsbibliotheJ 1567 BeethoveAtr.6 DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG« Dat Gemrlndeblatt eradielnt Jeden Freitag und wird den Mitgliedern der ReUglonagemcinde unentgeltlich durch die Pott lugcatcllt - Schriftleitung: Gemelnderahblner Gustav Cohn, Leipzig, LohrstraBc 10 NUMMER 17 / JAHRGANG 7 FREITAG 11» SEPTEMBER lOH Anielgcnvrrwaltung und Druck: Buchdruckerei August Priea. Leipzig, BrOderstr. 59 - Fernruf 70008 - Postscheck Leipzig 53920 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Auslegung der Wählerliste. Gegen Ende dieses Jahres ist die Wahl von n Gemeindevertretern vorzunehmen. Der Tag der Wahl sowie alles Nähere wird noch bekanntgegeben. Die Wählerliste liegt vom 7. bis 23. September 1931, werktäglich von 9—4 Uhr im Gemeindeamt, Löhrstraße 101 zur Einsicht für die Wahlberechtigten aus; am 12. und 13. September ist das Gemeindeamt wegen des Neujahrsfestes geschlossen, am Sonntag, dem 20. September, ist es zur Einsichtnahme in die Wählerliste von 10— 1 Uhr geöffnet. Innerhalb der Auslegungsfrist kann gegen die Aufnahme oder Weglassung eines Namens schriftlich Einspruch bei dem unterzeichneten Vorstand erhoben werden. Wahlberechtigt sind alle im Gemeindebezirke wohnenden männlichen und weiblichen Gemeindemitglieder, die bis zum Wahltage das 20. Lebensjahr vollendet haben und in der Wählerliste aufgeführt sind. Leipzig, den 31. August 1931. Der Vorstand. Unsere Hoffnung Eine Rauschhasch an o- Betrachtung 5682 Von Dr. S. Samuel (Essen). An der Jahreswende, die uns diesmal in besonder! ernster, ja bedrückter Stimmung findet, vollzieht sich unter Unsen» Augen ein Vorgang, den man früher kurzweg ein Wunder genannt lütte. Mahatma Gandhi, der seit Jahren in zähem Kinnen um die Be- I eiung seiner UrUder kämpft, gehl wieder einmal aus Verfolgung 1 id Kerkerhaft erhobenen Hauptes beim Vizekönig aus und ein, und langt von ihm neue Zugeständnisse, die es ihm ermöglichen, an der Etound-Table-Conferenee in der Hauptstadt des Landes teilzuneh- 1 sn, dessen Hand seit Jahrhunderten schwer auf seinem Volke I stet. Die Volksmenge, die ihn zum Hafen geleitet, von dem er e Seereise nach England antreten will, ist in tiefer Erregung. Sein V ort besänftigt, wie so oft, die* hochgehenden Wogen. Auf die Frage aber, ob er günstige Aussichten sähe, gibt er die fromme Antwort: V i r müssen auch ohne Hoffnung hoffen. Ein widerspruchsvolles, fast aufreizendes Wort. Aber wenn es n emand begreifen sollte, uns .luden wäre es verständlich Wie oft ■landen unsere Väter im Gebet, während draußen Pogromhelden ihre K eise um das Cottesbaus zogen. Es gibt zwei erschütternde Szenen ii: Anfang und im Schlußakt von Emil Bernhards Tragödie „Die Jagd Gottes", die diese Stimmung widerspiegeln. Welche Inbrunst muüt' 1 unsere Väter in die Worte des ,Owinu Malkenu' legen: „wir haben k inen König, außer Dir!" Die Gewalten, die jeweils in der Well Ii umphierten, standen so selten auf ihrer Seite. Es ist heute nicht ai lere. Unser Blick streift die Sowjetunion. Sie hat den .luden in die russische Volksgemeinschaft aufgenommen, von der es vor dem Kriege durch eine schimpfliche Gesetzgebung getrennt war. Antisemitismus gilt nach Stalin als ..reaktionäre, nationalistische Gegenrevolution", seine praktische Betätigung kann Todesstrafe verwirken. Aber die herrschende Klasse will auch die Seele der Volksgenossen und macht vor ihrer religiösen Ueberxeugung nicht halt. Sie fordert als Einsatz die Anbetung der „Göttin" Vernunft, die Absage an geheiligte Traditionen, Kampf gegen alle Ansprüche von Besitz und Bildung, Einordnung In die Schutz- und Trutsannee der Herrschenden, eitrige Verwirklichung ihrer Parolen. Judentum ist aller unvereinbar mit Bolschewismus. Der Taumel hat auch jüdische Menschen ergriffen, die sich den Gewalthabern zur Verfügung stellen. Unbelehrt blieben sie durch das Schicksal ihrer Vorgänger aus den blutigsten Tagen der französischen Revolution, das ihnen Simon Dubnow so ergreifend geschildert hat. Die Gesundung wird dennoch kommen; vielleicht gerade aus den Herausforderungen, in denen eine gewisse Jugend sich gefällt, der es nicht genügt abtrünnig geworden zu sein, die Väter und Brüder höhnisch einlädt, ihren neuen Göttern zu folgen. Fiiiifjahrespläne können den Hunger des Magens stillen, vielleicht Magazine füllen: den Hunger der Seele lassen sie ungestillt. Hunger und Durst, das Wort Gottes zu hören, können auf die Dauer nicht unterdrückt werden. Die Heilung dieser Kranken unseres Volkes wird eine seelische sein müssen.

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