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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-08-21 · 34 (21.8.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
34 (21.8.1931)
Date
1931-08-21
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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21. August 1931 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seile Ii Jüdische Verbände und Gemeinden Eine Erklärung des Allgemeinen Deutschon Rabbiner-Verbandes. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Rabbiner-Verbnndes hat an die .Justizbehörden des Reiches und der Lander die folgende Erklärung gelangen lassen: „Im Einklang mit der im Jahre 1888 von den deutschen Rabbinern aller Richtungen erlassenen Krklärung stellen wir gegenüber Behauptungen, die neuerdings gegen die jüdische Lehre und das jüdische Schrifttum vorgebracht worden sind, fest: Das .1 u d e n t u m gebietet: In jedem Menschen das Ebenbild Gottes zu achten, in Handel und Wandel strengste Wahrhaftigkeit gegen jedermann zu betätigen, jedes Gelübde und Versprechen, welches irgend einem Menschen, sei er Jude oder Nichtjude, geleistet wurde, als unauflöslich, unverbrüchlich treu zu erfüllen, Nächstenliebe gegen jedermann ohne Unterschied der Abstammung und des Glaubens zu üben, die Gesetze des Staates in treuer Hingebung zu befolgen, das Wohl des Vaterlandes mit allen Kräften zu fördern und an der geistigen und sittlichen Vervollkommnung der Menschheit mitzuarbeiten. Ks gab und gibt keinerlei Sekte oder Richtung im Judentum, die diese Grundsätze nicht anerkannt hätte und anerkennen würde. Vereinzelte hiergegen angeführte Bemerkungen im Talmud, Srhulchan Aruch und in anderen Schriften dürfen nur als Ausdruck einer durch die Zeitverhältnisse bewirkten Stimmung und als Akte der Notwehr betrachtet werden; sie richten sich gegen den, welcher Leben. Ehre und Eigentum des Nächsten vergewaltigte. Ihnen kommt, wie seit Jahrhunderten die Gesetzeslehrer bestimmt erklären, für das Judentum keine Geltung zu." Der Vorstand des Allgemeinen Rabbiner-Vorbandes in Deutschland. Errichtung eines „Jüdischen Hauses" in Danzig. Der jüdische Philanthrop I. Grünbaum hat ein Haus erworben, das zu einem Zentralheim für jüdische Institutionen umgebaut «erden soll. Das neue „Jüdische Haus" soll eine große Synagoge, eine Talmud Thora-Srhule. einen Lesesaal und eine Volksküche enthalten. Außerdem sollen in dem Hause alle in Danzig befindlichen jüdischen und judaistischen Bibliotheken sowie die Amtsräumo verschiedener jüdischer Institutionen untergebracht werden. Unsere Gemeinde 10(1-Jahrfeier für Salnmnn Jadnssohn. Die Feier, die unsere Gemeinde anläßlich der 100. Wiederkehr von Snlotnon Jadassohns Geburtstage an seiner letzten Ruhestätte auf dem Israelitischen Friedhofe au der Berliner Straße veranstaltete. war ein beredtes Zeugnis für die bleibende Schätzung, die der einst gefeierte Meister der Töne auch heute noch genießt. Mit den führenden Persönlichkeiten der Gemeinde, vom Gemeindevorstand und Kahbinat hatte sich eine stattliche Teilnehmersahl zur Gedenkleier zusammengefunden, zu der sich auch neben Vertretern des Leipziger Konservatoriums und anderer Institutionen die Kinder Jadassohns, unter ihnen der einzige noch lebende Sohn, der Musikverleger und -kriliker Alex Jadnssohn. eingefunden hatten. Der SynagOgenehor (unter Leitung von Barnet L i c h t) eröffnete die Feier mit dem gemischten Chor: Gott sei uns gnädig (Psalm <>7) in der Vertonung von Jadassohn. Dann würdigt« Gemeinderabbiner Dr. Gold manu die Bedeutung des einstigen Gründers und Leiters unseres Synagogenchors. Neben den Verdiensten, durch die sich Jadassohn die Anerkennung der Welt, ausgedrückt in Ehrungen der Universität, des Staates und Stadt, erworben bat, sehen wir, und zumal an seinem Grabe, seine besondere Bedeutung für unseren Gottesdienst. Seine synagogalen Kompositionen haben dem gottesdienstlichen Gesänge eine zeitgemäße Ausdrucksform gegeben: aus ihnen spricht rler edle Mensch, so daß sie vom Herzen, aus dem sie kamen, auch den Weg zu den Herzen landen und linden. Der große Meister der Töne und der edle Mensch lebe aber in der Erinnerung der Nachwelt weiter auch als der treue Jude, dessen Werke ihm ein Forlleben gesichert haben. Nach dein von Oberkantor Lnmpel vorgetragenen Kl mole rachamim-Gebete sang der Chor zum Schluß der würdigen Feier Jadassohns Vertonung von Psalm 121: Ich hebe meine Augen auf . . . Halhtagslerienkolnnie des Jüdischen Frauenbundes. Ortsgruppe Leipzig. Jede Bestrebung, die in dieser srhweren Zeit in das viel zu ernste Leben der Kinder Frohsinn trägt, ist zu fördern. Diesem Zweck dient voll und ganz die llalhtagsferienkolnnie des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig. Am vergangenen Freilag. dem 14. August, fanden die am schönen Auensee verbrachten Perlenwochen mit einein wohlgelungenen Abschiedsfest einen frohen Auskhmg. Den 180 Kindern, die an der Halbtagsforienkolonie teilgenommen haben, konnte alles geboten werden, was eine örtliche ErholungstOrsorge zu geben vermag: Gute Luft. Verpflegung und kindergärtnerische Betreuung. Ks sei daher all den gütigen Spendern, die es der Leipziger Ortsgruppe in dieser wirtschaftlich schweren Zeit ermöglichten, die Einrichtung aufrecht zu erhalten, auch an dieser Stelle herzlichster Dank ausgesprochen. Vor allem aber gebührt ein aufrichtiger Dank Frau Rosi Krause, die immer wieder ihn» Ferienwoehen opfert, um die verantwortungsvolle und anstrengende Arbeit der Oberaufsicht und Organisation der llalhtagsferienkolonie auf sich zu nehmen. Das gute Gelingen ist auch im wesentlichen dem kindergärtnerischen Geschick von Fräulein Margot K n h a n e KU Iwan: „Wie soll ich denn wissen, was dir fehlt und weh tut." A.: „Wenn du. Freund Iwan, nicht weißt, was mir fehlt, und was mir weh tut, wie kannst du auch nur noch sagen, daß du mich lieb hast!" (Die ganze Unterredung von meinem Großvater, dem Rabbi von Bustyahaza |Ungnrn|, selbst gehört.) Ein sehr wohlhabender llolzhändler pflegte öfters den genannten Kabhiner von auswärts zu besuchen. Meistens blieb er dort über Samstag oder Feiertag, um dessen Vorträge zu hören. Wohl gelang «'s dem Rabbiner, diesen zum frommen Mann zu machen, weniger aber zum Almosengeben. Einmal war der llolzhändler bereits zwei Tage vor dem Neujahrsfest beim Rabbiner, um sich gleichsam vorzubereiten. Am Abend vor erew Rosrhhaschono. nach dem Abendgebet (in der Klaus), fragte ihn der Rabbiner, womit er den ganzen Tag 'ugebrarht bitte. Darauf antwortete er. daß er seil 5 Uhr morgens >\arh sei und den ganzen Tag mit Beten und Psalmlesen ausgefüllt iahe. „Schön, sehr schön", sagte der Rabbiner. „Aber hast du auch heute Almosen gegeben? Du weißl doch, daß hier viele arme Leute wohnen!" Darauf konnte er natürlich gar keine Antwort geben. ..Du ■ist ja ein Egoist", sagte der Rabbi, .denn du hast also nur für ich allein gesorgt und nicht für deine Mitmenschen. Wenn iner nicht jeden Tag Almosen gibt, so ist er wie ein Körper ohne eele, wie ein Gefäß ohne Inhalt. Der liebe Golt will ja gar nicht 'en ganzen Tag mit Beten u. dgl. in Anspruch genommen werden." tor Rabbiner erzählte darauf folgende lalmudiscbe Sage: Ein Ge- ■tzeslehrer orteilte einst einem König Unterricht in Talmud und Bibel. Der Unterricht mußte immer vielmals unterbrochen werden, weil der König von anderer Seite in Anspruch genommen wurde. Einmal meinte der König: ..Eigentlich wäre es doch angebracht, den lieben Gott den ganaen Tag anzubeten: wie meinst du?" Der Lehrer antwortete, daß er nächstens darauf zurückkommen wolle. Einige Zeit darauf kam der Lehrer wiederum zum König. Als der König ins Lehnimmer trat, erhob sich der Lehrer und begrüßte den König ehrfurchtsvoll. Eine i;urze Weile darauf verließ der König das /.immer. Als er KUritckkam, erhob sich der Lehrer und begrüßte ihn ehrfurchtsvoll wie KU vor. Das wiederholte sich mehrmals. Als der Lehrer wieder einmal im Begriff war. den König feierlich, großartig und ehrfurchtsvoll KU begrüßen, wurde der König erregt und sagte: „Willst du etwa Hohn oder Spott mit mir treiben? Oder bist du vielleicht deiner Sinne beraubt worden? Jeden Augenblick eine solche Begrüßung!?" — Da erhob sich der Lehrer und sagte: ..Genau so wäre es auch, wenn man dt n lieben Gott den ganzen Tag anbeten woiiie." — Der Rabbiner fuhr fort und sagte zu dem Holzhäniller: „Im Buche Jesaja lesen wir (Kapitel 0: Breitet ihr eure Hände aus. so wende ich von euch meine Augen. Auch euer vieles Gebet, ich höre es nicht. Lernt Wohltun, forscht nach dem Rechte helft den Bedrückten!" Ferner heißt es (1. Moses 1:1. V.\): *IKC C*K2"1 CnD T1K1 d. h. die Leute von Sodom waren böse und Sündigten sehr wider dem Gott Nach den Worten: CHD T3K1 a,K!2ni B^JT! steht ein Komma. Das soll heißen: Golt anzubeten waren sie immer bereit, sonst aber waren sie schlecht und böse!. — Es ist also nicht alles damit abgetan, wenn man nur in die Synagoge gebt und den ganzen Tag betet!"

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