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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-08-14 · 33 (14.8.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
33 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seit« 4 ÜEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Kummer 33 der freien Wohlfahrtspflege auch anerkannt. Zur Schulung der Helfer hielt die Gerii'htshilfe drei Vortragsabende ab, an denen wir teilnahmen. Ks gelang uns fast ausnahmslos, das Vertrauen der Angeklagten und deren Angehörigen zu erwerben, was darin zum Ausdruck kam. dafi unsere Helfer durch die Betroffenen seihst Mitteilung von dein Ergebnis des Verfahrens erhielten. Ourch unsere Mitarbeit kamen wir in Berührung mit Familien, die in großer Not waren, aber aus Scham doch nicht den Weg zu uns gefunden hatten; denen konnten wir mit Rat und Tat beistehen. Unsere Helferin, Frau Prof. Vera Rosen bau m, stellt sich dankenswerterweise für alle Ermittlungsberichte der Gerichtshilfe zur Verfügung, so daß wir den an uns gestellten Anforderungen gerecht werden konnten. Aus aller Welt Ein Aufruf de« Wellvcrhandes für Sahhatlisrhiitz „Schoinre Schahhos" anläßlich des bevorstehenden Rausch Ha>chonoh-Festes. In einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Krise, die ausnahmslos alle Länder der Welt und alle Bevölkerungskreise, mit besonderer Schärfe aber uns .luden befallen hat. werden wir das diesjährige Rausch Haschonoh-Kest feiern. Doch es ist nicht nur die Sorge um die materielle Existenz, die uns bedrängt, auch unsere höchsten geistigen Güter sind durch die Wirtschaftskatastrophe auf das Schwerste bedroht. Ks ist vor allein der Sabhath, der in (Jefahr steht, unter dem furchtbaren Druck der Zeit vollends vernichtet zu werden. Die großen Opfer, die die suhhathhalteiideu Gewerbetreibenden und Angestellten seit der Einführung der allgemeinen Sonntagsruhe zu bringen gezwungen sind, sind unter dem KiulluU der Wirtschaftskrise ins Unerträgliche gestiegen. Eine neue Gefahr aber steht bevor: Nach Beendigung der Herbstfeiertage soll in Genf die Entscheidung über die Kalenderreform fallen, die durch die Zerstörung der Kontinuität der siebentägigen Woche das Fundament des Sahhaths zu untergraben droht. Nicht Mutlosigkeit und Verzweiflung ziemt uns in solcher Situation. Der Itausch Haschonoh soll uns eine neue Hoffnung bringen, er soll uns Ermunterung sein, inmitten der Stürme der Zeit, allen Schwierigkeiten zum Trotz, den Sabbath uns. unseren Familien und der Gesamtbeil zu erhalten. Der erste Tag des Rausch B a s c fa o n o h F e s t e s fällt auf einen S a l> l> a t h. Der Rausch Haschonoh. der Tag der Schöpfung, ruft uns zum Schutze des Sahhaths als des allwöchentlich wiederkehrenden, ewig lebendigen Symbols des göttlichen Schöpfungswerkes. Die jüdische Welt wird diesen Ruf verstehen. ... Ein einmütiges Bekenntnis der Qesamtjudenheit zur Heiligkeit des Sahhaths muß die Frucht des Itausch Haschonoh -Festes sein. Das ist die wirksamste Waffe im Kampfe gegen die uns bestürmenden Gefahren. Ein neues jüdisches Zentrum in Kunden. Am 28. .luli fand in London die Grundsteinlegung zu einem jüdischen Gemeindehaus statt, in dem alle religiösen, erzieherischen, philanthropischen, politischen und sozialen Institutionen der englischen Judenheil beherbergt werden sollen. Die Kosten dieses neuen „Jüdischen Zentrums-' sind auf 100000 Pfund veranschlagt. Das Geblude wird in Tavistock S<|uare-|iloomshury errichtet und soll in einem besonderen Flügel u.a. das englische Rabhinerseiuinar, das Jews' College, das bisher in einem Geblude in Queens Square untergebracht war. aufnehmen. Man rechnet damit, daß der Bau bereits Ende dieses Jahres beziehbar sein wird. Die Feier der Grundsteinlegung wurde unter großer Beteiligung und in Anwesenheit zahlreicher führender Persönlichkeiten der englischen Judenheil abgehalten. Der Vorsitzende des Rates des Jews' College, S. JapbeL nahm die (iruudsteinlegungszerenionie, Rev. A. Mayerovitch die religiöse Weihe vor. Die Festrede hielt Chief Rabbi Dr. .1. II. Hertz. Kin Saal des neuen QebludeS wird dem Andenken der verstorbenen Gattin des Cfaiel Rabbi Hertz gewidmet sein. Zu den bedeutendsten Organisationen, die in dem neuen Gebäude ihren Sitz haben werden, gehören die United Synagogue. der Jewish Memorial Council und der Board of Deputies. Auch die jüdische Gcsundheitsorganisation für England (OSE), der Orden Bnei Brith und die Oesellschaft für Erziehungshilfe sind an dem Neuhau interessiert. Zu den Baukosten haben die t'nited Synagogue. der Jewish Memorial Council und das Jews'College große Beitrüge geleistet. Die noch erforderlichen Bommen sollen durch eine öffentliche Sammlung unter der Leitung von Lionel de Rothschild aufgebracht werden. Die Durchführung des Unternehmens liegt in den Händen einer Gesellschaft, an deren Spitze ein Direktorium steht, bestehend aus den Herren: Lionel de Rothschild, Vorsitzender; Sir Robert Waley-Cohen und S.Japhet, stellvertretende Vorsitzende; O.E. d'Avigdor Goldsmid, S. Moses. Major Salinem (Unterhausinitglied), F. C. Stern. F. Samuel, Major H.L.Nathan (Unterhausinitglied), B. A. Fersht. Das jUdisrhe Genossenschaftswesen in den osteuropäischen Ländern. Das jUdisrhe Genossenschaftswesen in den osteuropäischen Ländern verdient wegen seiner großen Bedeutung für die Juden eine eingehende Betrachtung. Eine Darstellung wurde von Arieh Tartnkower („Das jUdisrhe Genossenschaftswesen in den osteuropäischen Ländern", Dr. iur et Dr. scienc. pol. Arieh Tartakower in „Annalen der Genieinwirtschaft", 6. Jahrg., Heft 1. 1930) vorgenommen. Nach dem Verfasser reicht die Gesamtzahl der durch die genossenschaftliche Organisierung unmittelbar erfaßten ostjüdischen Bevölkerung bereits an eine halbe Million heran, was unter Berücksichtigung der Familienangehörigen mindestens 2 Millionen Juden oder 25 Prozent der jüdischen Bevölkerung in den betreffenden Gebieten betragen dürfte. Das Genossenschaftswesen der Vorkriegszeit wurde durch den Krieg vernichtet, und es bedurfte großer Anstrengungen und tatkräftigster Hilfe, insbesondere durch das hilfreiche Amerika, um es zu reorganisieren. Nach Tartakower hatte das Genossenschaft wegen im Jahre 1924 folgendes Bild: Land Zahl der Genossen- Zahl der Mit- Umsatzkapital schaffen glieder (Dollar) 254 85 935 1000 000 Rußland .... 159 00 000 900000 Beßarahien .... 33 23 594 230 000 Litauen..... 83 24 000 200 000 Lettland..... 16 8 373 250 000 Insgesamt 545 201 902 2 580 000 Die Entwicklung ging seit dem Jahre 1924 schnell vorwärts i sich vier Jahre später. 1928, folgendes ergibt: Land Zahl der Genossen¬ Zahl der Mit¬ Umsatzkapib schaften glieder (Dollar) 458 179 625 «840 000 Rußland .... 324 108 000 4 500 000 Beßarahien .... 40 30 4(i0 720 000 Altruinänien . . . 20 20000 590 000 BS 25 000 1 800000 Lettland..... 21 10 000 060 000 Insgesamt 954 373 994 15110 000 Die Genossenschaften sind nicht allein Kredit-, sondern au Rohstoff-, Konsuni- und Produktivgenossensrhaften. Ein hoher Pi zentsatz der Mitglieder setzt sich aus dem llnndelsstand zusamnie : es sind jedoch auch andere Berufe vertreten: l.aml Kaufleute Landwirte Handwerker Sonstiu % •/ In •/ fO •/ /o Polen . . . . 52,1 2,2 35,9 9,8 Beßarahien . . 43.« 13,1 24,1 19.2 Lettland . . . 50,0 — 29,0 15,0 Rußland . . . — 3.5 88,8 7,7 Bei den Kreditgenossenschaften handelt es sich überwiegend n Genossenschaften, die dem Typus der deutschen Raifteisenkasn entsprechen. In Polen sind die Handwerker-, Rohstoff- und Produkt genossensrhaften, sowie die Arbeiter-, Konsum- und Produkie - genossensrhaften die zwei Hauptgruppen der neuen Genossenscha - typen. Mitte 1928 gab es im Rahmen des allgemeinen Revisii verbände« der jüdischen Genossenschaften in Polen 11 Rohstoffu d 11 Produktivgenossensrhaften, von denen die ersteren einen inoi liehen Umsatz von etwa 300000 polnischen Zloty halten. Die gn

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