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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-08-07 · 32 (7.8.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
32 (7.8.1931)
Date
1931-08-07
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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7. August 1931 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 6 Altsichton der Revisionisten für die nächste Zukunft. Kr erklärte, die Revisionisten wurden auf ihrer Weltkonterens, die sie im Deseniber 1981 abhalten wollen, die Entscheidung treffen, ol> sie ihre Versuche, die zionistische Organisation von innen zu erneuern, fortsetzen, oder ob sie eine neue zionistische Organisation gründen sollen. Eine Meinungsverschiedenheit In den revisionistischen Weihen besteht nur beidgUch der Frage der Teilnahme der Revisionisten an den Sitzungen des Zionistischen Aktionskomitees. Dagegen seien alle revisionistischen Kührer einmütig der Ansicht, daß die revisionistische Union ihre unabhängige politische TBtigkelt fortsetzen soll und dafl die Revisionisten den lokalen zionistischen Verbänden nicht länger angehören sollen. Auch darüber, daß die Frage einer Beteiligung der Revisionisten am nächsten Zlonistenkongrefi l>is zur Eröffnung der Schekelkampagne 1938 in Schwebe bleiben soll, bestehe keine Meinungsverschiedenheit. Schließlich gab .Tabotinsky seiner Uohorzougung Ausdruck, dal.t auf der Wellkonferenz im Dezember ein einstimmiger Beschlufi über das künftige Verhältnis der Revisionisten zur zionistischen Organisation Zustandekommen werde. Bis dahin habe er sich das Recht vorbehalten, für seine persönlichen Ansichten einzutreten, die dahin gehen, daß höchstens eine ..symbolische" Verbindung mit der zionistischen Organisation etwa in der Weise aufrechterhalten werden soll, dal.t die Revisionisten auf dem Kongreß durch 10 Delegierte und im Aktionskomitee durch '2 Mitglieder vertreten werden sollen, die gewissermaßen als „Beobachter" zu rangieren hätten. Er sei jedoch entschieden dagegen, daß die Revisionisten, und sei es auch als Oppositionsparlei. mit der zionistischen Organisation künftighin tatsächlich zusammenarbeiten. Aus anderen Zeitschriften Dir Prrsso-Xotvornnlniinp und die nnlisrniitisriirn Zriliingcii. Im Leitartikel der „C.V.-Zoitung" (Nr. 30) nimmt L H. Stellung zur neuen Notverordnung über die Presse und schreibt: Die Freiheit der Presse zählt zu den höchsten Gütern im Leben eines Volkes. Was wollte man mit dieser Freiheit? Wahrheit, nichts als Wahrheit sollte verkQndet werden! Darum liegt im Wesen einer vollkommenen Freiheil der Presse die stillschweigende Verpflichtung, nichts zu sagen, was der Wahrheit widerspricht. Leider hat ein Teil der deutschen fresse die Freiheit der Meinungsäußerung zur Erreichung eigennütziger Ziele mißbraucht. L. II. charakterisiert an Hand von Beispielen die Art des politischen Kampfes der nationalsozialistischen Presse, die es versucht, das, was man mit der Wahrheit nicht erreichen zu können glaubt, mit der Unwahrheit zu erreichen. Jetzt, fährt L.II, fort, handelt es sich um das Wohl des Reiches, und dieses Wohl bedingte es. daß die Regierung im ersten Abschnitt der Hotverordnung — der SWeite erscheint auch L. II. bedenklich — bestimmte, daß die verantwortlichen Schriftleiter verpflichtet sind, auf Verlangen der obersten Reichs- und Landesbehörden Kundgebungen ■sowie Entgegnungen auf Tatsachen zu bringen, die in der botreffenden Zeitung veröffentlicht sind. Wir. die wir von jeher das Recht -lor freien Meinungsäußerung vertreten halten, sind die letzten, die ■ich hinter eine Knebelung der Presse stellen würden, selbst wenn lies unseren Interessen dienen würde. Aber der Wahheit muß eine lasse bereite! werden. Die Reichsregierung hat sich durch den ersten Vhfmtl der Notverordnung die Möglichkeil geschaffen, der Wahrheil i dienen. Als Freunde wahrer Demokratie begrüßen wir diese Itetimmung. weil sie im Interesse aller liegt, «lie dein inneren Frieden les deutschen Volkes dienen wollen. >io deutschen .luden in drr Wirtschaftskrise. Der Verfasser des Buches ..Die wirtschaftliche Krise des deutchen .luden". Alfred Marcus nimmt in der „C. V.-Zeitung" (Nr. III) ii der Krage, wie sich die gegenwärtige Krise auf «las geistige nd kulturelle Dasein und auf die physische Kortexistenz des deutschen Judentums auswirkt. Stellung. Marcus führt in seinem Artikel u. a. aus: Die starke und plötzliche Beschleunigung, welche die Entwicklung der deutschen Wirtschaft auf ihrem Wege zum Kollektivismus hin in den letzten Wochen erfahren hat. stellt gerade uns vor Entscheidungen von ganz absoluter Wesentlichkeit für unsere einfachste physische Kortexistenz, nicht nur für unser weiteres geistiges und kulturelles Dasein. Denn die ... Tatsache, daß sich das Gros der deutschen .luden in Berufen beschäftigt, deren Grundlagen die freie Unternehmertätigkeit, die Selbstverantwortung des wirtschaftlichen Tuns sind, stellt uns zu einem unendlich viel höheren Prozentsatz vor neue Aufgaben als die Gesamtheit der deutschen Staatsbürger. Ks handelt sich hierbei aber nicht nur um die eigentlichen Unternehmer. Auch die Mehrzahl der jüdischen Angestellten ist in Betrieben von dem Typus lätig. für den sich der Bewegungsraum jetzt noch viel stärker verengert hat, als dies in den letzten Jahren ohnehin schon der Kall war. ... In einer sicherlich nicht kurzen, wahrscheinlich über eine Reihe von Jahren sich erstreckenden, aber doch in sehr fühlbarer Intensität verlautenden Kniwicklung wird ein weiterer Teil der Unternehmerkategorie vorschwinden müssen, die u. a. auch gerade jüdischen Inhabern und Angestellten die ökonomische Existenz gesichert haben. ... Aus Erkenntnissen dieser Art ergeben sich für uns unmittelbare und praktische Konsequenzen. Ks muß jeder einzelne von uns in eine ganz strenge und nüchterne Prüfung der Krage eintreten, ob seine wirtschaftliche Tätigkeit „volkswirtschaftlich berechtigt" ist oder nicht. Kino radikale Umstellung wird heute für die Mehrzahl nicht möglich sein. Wohl aber ist in allen Fällen eine weitgehende Anpassung der wirtschaftlichen Tätigkeit an die veränderte Gesamtlage möglich, und zwar sowohl in geschäftlicher als auch in privater Beziehung. Kür viele heute noch Selbständige kann hierdurch eine wesentliche Verlängerung der Lebensdauer ihrer Unternehmungen herbeigeführt werden — und das ist in jeder Beziehung ungeheuer wichtig. Besonders aber in einer: Der jüdische Nachwuchs in Deutschland könnte so wenigstens in gewissen Teilen die Möglichkeit dazu erhalten, die für ihn unumgängliche radikale Umstellung unter einigermaßen günstigen Bedingungen zu vollziehen. Wir müssen uns endlich au den Gedanken gewöhnen, daß die jetzt heranwachsende Generation unter ganz anderen Bedingungen, aber auch in ganz anderen Berufen leben wird als wir und die Generation vor uns. Kino sehr weitgehende „berufliche Wanderung" ist unumgänglich. Wenn wir mit solchen Erkenntnissen und Absichten der Ungewissen und dunklen Zukunft entgegensehen, brauchen wir nicht zu verzweifeln. Ks lohnt auch für uns noch zu leben, für den Nachwuchs, für die Alten und für eine Gesamtheit, die sich in furchtbar schwerem Ringen den Weg in eine bessere Zukunft bahnen will. Dann verlieren auch Begriffe wie ,,Verelendung" und „Prolelarisierung" ihre Schrecken. Wenn wir leben wollen, werden wir leben können. Sächsische Gemeinden Chemnitz. Gründung einer jüdischen Genossenschaftsb a n k. Am 14. Juli fand nach längerer Vorbereitung die Gründung der jüdische Genossenschaftsbank für Chemnitz statt. Wenn auch die augenblickliche Situation auf wirtschaftlichem Gebiete in Deutschland mit ernster Besorgnis betrachtet werden muß und Enschlüsse, die das Wirtschaftsleben betreffen, nur mit grofier Vorsicht zu fassen sind, waren die Anwesenden mit wenigen Ausnahmen bereit, zunächst die Genossenschaftsbank zu gründen. Sobald die Wirtschaftslage es erlaubt, wird die Genossenschaft ihren Geschäftsbetrieb eröffnen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Das Statut wurde durchberaten und nach einigen kleinen Abänderungen in der Form angenommen, wie es seitens des Deutsche:: QogrUndet 1888 /\ I I *■ I jT^ |^!■ F«rn»pr. S.-Nr. 717 8« Aug. Siebert Rauchwaren Versicherungen jeder Art Transport V«r». PromsnadanstraQa 10 Ver»

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