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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-07-31 · 31 (31.7.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
31 (31.7.1931)
Date
1931-07-31
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE Zü LEIPZIG Nummer 31 Sonnenuntergang bis Mitternacht. Am Schlüsse des Zuges kamen, beeleitel von jungen Jeachiwah-Hörern, die orthodoxen Beter, zum Zeichen der Trauer barfuß. Die Ordnung wurde von zahlreichen Verwaltungsbeiinden und Polizeinffizieren unter Leitung des jüdischen Distriktsbeamten Juliui Jaekoba überwacht, der ein Exemplar des Berichtes der Klagemauerkommiaaion In der Hand trug. An diesem Tischa be Ab, dem zweiten nach dem verhängnisvollen Tiacha be Ab im Jahre 1029, mit dem die palästinensischen Unruhen begannen, war die Trauerleier zum ersten Mal auf Grund der Bestimmungen des Berichtes der Klagemauerkommiaaion geregelt. Die Polizei beschlagnahmte Plugblätter, die die revisionistische Jugend verteilen wollte. In dieaen Flugblättern war zur Ablehnung der im Klageiiiauerbericht getroffenen und auch von den berufenen jüdischen Instanzen angenommenen Regelungen aufgefordert worden. (J. T. A.) Protestantismus und Nationalsozialismus. Der Evangelische Hund stellt fest, daU aus dem nationalsozialistischen Programm Lutherscher Geist sprieht, und dafl der Protestantismus die Aufgabe hat. als warnender getreuer Eckart der nationalsozialistischen B e w egung zur Seit e z u ste ben Her Evangelische Bund, der sich für politisch unparteiisch erklärt und ..seine Aufgaben in erster Linie in der Pflege protestantischen Oeffentlichkeitawillena sieht", hatte auf seiner diesjährigen General Versammlung der Krage „Nationalsozialismus und Protestantismus" ein Referat gewidmet, das von dem rheinischen Bundesführer I). Hermann Kremers gehalten wurde und nun unter obigem Titel in den ..Volksschriflen des Evangelischen Bundes" erschienen ist. Die „Nachrichten für evangelische Gemeinde- und Sonntagsblätter (Mitteilungen des Evangelischen Hundes)" widmen dem Vortrag offiziell eine rückhaltlose zustimmende Besprechung, in der darauf hingewiesen wird, dafl der Nationalsozialismus heute die wichtigste geistige Bewegung ist. und dafl Kremers mit diesem Heferat „eine wirklich grundlegende und wegweisende Arbeit geleistet hat". MAN SCHREIBT HEUTE AUF OLYMPIA Industrie, Handel und Behörden kennen und schätzen die Vorzüge unserer SCHREIBMASCHINEN und BUCHUNGSMASCHINEN mit »SALDOMAT« Erleichterte Zahlungsbedingungen Schreibmaschinen mietweise Sohraibmi hinein Verkaufsbüroa; LelnzliT C 1 B«rllr; N 24, Friedriche». 110-112. Breslau, Kalsar-WIU hviajatiB w h.|m.str gg^o Dreeden, Neuetidter Markt 11. DOttel- AiiniiafiiBnl*t>7 dort, Ostatr. 51. Erfurt, Malnzerhofpl. 13. Frankfurt M., AugUStUSpiau I Fri«den»«tr. 2. Hamburg, Kalaer-Wllhelm-Straße 25-31. (Europahaua) Hannover, Am Schiffgraben 15. Köln, WelOenburgstr.78. Leipzig C 1, Auguetuaplatz 7. Magdeburg, Otto von Guerlcke-StraQe 11. Mannheim N. 7.5. München, Farbergraben 1. Nürnberg, Marlentorgraben 11. Stuttgart, Tübinger StraSe 33. Kfiln, Hchenzollernrlng 4a. Tel.: 20725 18/L Vertreterbesuch unverbindlich In dein Erwachen des Nationalsozialismus, heißt es in der Auslassung des erwähnten Organs des Evangelischen Bundes, begrüßt der Verfasser einen Aufbruch der deutschen Seele, die grundsätzlich zu bejahen ist: Volkstum ist (lottesschöpfung, es ist Träger einer eigenen Idee. Das ist Lutherscher (reist, der hier spricht. Und diesem (leiste gegenüber hat der Protestantismus Autgaben. Als ein Verdienst des Nationalsozialismus bezeichnet das Mitteilungsblatt des Evangelischen Bundes das Aufwerfen der Rassenfrage, wenn auch der Protestantismus jede Hassenvergützung entschieden ablehnt. In diesem Sinne sei der Staatsgedanke des Nationalsozialismus — der Staat kein Zweckverband, sondern Blutsverband — sowie die gelegentlich als „preußisch" bezeichnete Sozialmoral abzulehnen. Eine zweite Gefahr drohe dein Nationalsozialismus von Rom: „So sehr auf der einen Seite begrüßt werden muß, daß Hitler sich gegen jede Verquickung von Religion und Politik, und damit vor allem gegen das Zentrum wendet, so sehr scheint doch sein Blick getrübt zu sein für die umfassende Bedeutung der Reformation für das deutsche (leistesieben und die deutsche Geschichte." Der Protestantismus, so wird gefolgert, sei auf dem richtigen Wege, „wenn er die Aufgabe fühlt, als warnender treuer Eckart der nationalsozialistischen Bewegung zur Seite zu treten". Kremers' Schritt, heißt es zum Schlüsse, soll dem Nationalsozialismus das Besondere seiner Idee klar machen, insbesondere aber den deutschen Protestantismus aufrufen, „daß er den Sinn der historischen Stunde, die jetzt anhebt, erkenne und seine geschichtliche Aufgabe in ihr erfülle". (J. T. A.) Notzeit — Pflirhtenieit. In einein „Notzeit — Pflichtenzeit" überschriebenen Leitartikel befaßt sich die „.lüdisch-liberale Zeitung" (Nr. 28/29) mit der gegenwärtigen Lage in Deutschland. Es heißt darin: Not liegt über dem deutschen Volke. Schwer ist unser Schicksal. Insbesondere die heutige Notzeit macht es jedem zur gebieterischen Pflicht, sich zu besinnen und zu fragen, ob ihm nicht aus der allgemeinen Situation besondere Pflichten erwachsen. Wir deutschen .luden, und auch wir liberalen deutschen .luden, verteilen uns auf alle gesellschaftlichen Schichten, auf alle politischen Parteien, und so kann kein allgemein gültiges Wort an uns ergehen, wohin wir. als Deutsche, uns zu orientieren haben. Wie aber auch der Einzelne sich entscheiden mag, sein Denken und Handeln muß getragen sein vom Ethos der Religion, vom Geist des Judentums. (i( rade von uns .luden sollte man fordern dürfen, daß die Erfahrungen zweier .iahrtausende uns zur Erkenntnis unserer Pflicht führen, die Erfahrungen einer isolierten, von Gefahren bedrohten Gemeinschaft, die um sich Furcht und Mißtrauen und Abneigung sieht. Wir wissen: kein Appell an die Gewalt hilft und kein wildes Aufbegehren der Leidenschaften; nur der (leisl der Soli daritttt und der Opferwilligkeit kann helfen. Der (ieist der Solidarität unter den einzelnen Menschen und unter den Völkern. Wir Juden haben stets die Gemeinde der Geineinhürgschaft des einen für den anderen sein wollen. Bewähren wir uns heute. Sorgen wir. jeder au seiner Stelle, dafür, daß der Geist der Panik und der rücksichtslosen Selbstrettung gebannt wird, daß so der Privatmann wie der Kaufmann heute und immer nicht ebenso verwerflich wie kurzsichtig nur danach streben, wenigstens für sich selbst jede finanzielle Unsicherheit ni vermeiden und zu beseitigen. Pflegen wir mit neuem Nachdruck und ohne Angst auch in weniger krisenhaften Zeiten den Geist der Soli darität unter den Völkern. Wenn in diesen Tagen die unendlich weh mutige Trauermelodie des 9. Ab in unseren Gottesdiensten erkling' so mag uns der Sinn unserer Zerstreuung unter die Völker bewußt werden. Als Glieder dieser Völker leben wir: die Verwirklirhuii' jüdisch-religiösen Geistes soll ihnen allen dienen, der ganzen Mensel heit, und in ihr erst auch uns selbst. Der Aufsatz befaßt sich auch mit der Lage der jüdischen Gemein den und Gemeindeverbünde und führt aus. die Finanzen der Gemein den seien durchweg gesund, es seien Vermögenswerte vorhanden, Uli die Genieinden seien in ihrer vollen Kreditfähigkeit unerschiittei Zur Erfüllung ihrer laufenden Ausgaben aber bedürfen sie ihrer lau tenden Einnahmen; es müssen pünktlich geben Alle, die gehen könne Das Bewußtsein von dieser Pflicht zu stärken, das ist heute die voi nehmste Aufgabe der jüdischen Parteien. Notzeit ist Pllichtenzeit. II jüdischen Brüder und Schwestern, vergeßt das nicht! Vergeßt es nich gegenüber Euren Genieinden, aber vergeßt es auch nicht gegenülx Euren Organisationen. Freilich seheint es das Bequemste, die eigen* Lage zu erleichtern, indem man sich von öffentlichen Aufgaben zurück zieht. Aber alle die großen deutschjüdischen Organisationen, den (Jen tralverein, die Großloge U.O.B.B., die Frauen- und Hilfsvereine jedei Art, die wissenschaftlichen und Weltanschauungsverhände, nicht zu

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